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Wegen Coronavirus: Risiko für Rezession in Deutschland erheblich gestiegen

Wegen Coronavirus-Epidemie  

Risiko für Rezession in Deutschland erheblich gestiegen

05.03.2020, 12:34 Uhr | mak, dpa-AFX

Wegen Coronavirus: Risiko für Rezession in Deutschland erheblich gestiegen. Produktionsstätte von Thyssenkrupp in Duisburg: Die Industrie warnt vor einem Wirtschaftsabschwung durch das Coronavirus. (Quelle: imago images/Rupert Oberhäuser)

Produktionsstätte von Thyssenkrupp in Duisburg: Die Industrie warnt vor einem Wirtschaftsabschwung durch das Coronavirus. (Quelle: Rupert Oberhäuser/imago images)

Der Bund der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor einer Rezession in Deutschland. Grund dafür ist das Coronavirus. Der Verband fordert: Die Politik müsse jetzt gegensteuern – und massiv investieren.

Die Industrie sieht die Gefahr einer Rezession in Deutschland angesichts massiver Folgen für die Wirtschaft durch den Coronavirus erheblich gestiegen. "Das wirtschaftliche Wachstum droht fast zum Erliegen zu kommen", heißt es im neuen Quartalsbericht des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). 

Komme es nicht zu einer wirtschaftlichen Normalisierung in den von der Corona-Epidemie betroffenen Ländern im zweiten Quartal, erwartet der BDI für Deutschland für das Gesamtjahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung – und zwar "die längste Rezession seit der Wiedervereinigung", wie es in dem Bericht heißt.

Es wäre die erste Rezession der lange Jahre von Wachstum verwöhnten deutschen Wirtschaft seit 2009. Damals waren alle wichtigen Volkswirtschaften in der Folge der globalen Finanzkrise massiv eingebrochen.

Der BDI hatte bisher ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland von 0,5 Prozent für dieses Jahr erwartet. Dies liegt aber auch daran, dass das Jahr mehr Arbeitstage hat. Im Jahr 2019 war die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen – das war deutlich weniger als in den beiden Vorjahren.

Der Industrieverband forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Es müssten rasch wirtschaftspolitische Maßnahmen in der Koalition verabredet und möglichst noch vor Ostern beschlossen werden. Es biete sich an, ohne weitere Verzögerungen, die Regelungen für eine erleichterte Kurzarbeit, wie in den Jahren der Finanzkrise 2008/2009, in Kraft zu setzen. "Deutschland darf nicht sehenden Auges in eine Rezession abgleiten", heißt es. 

Industrie fordert Investitionen

Die Bundesregierung sollte sowohl gezielte Stützungs- als auch langfristige Wachstumsmaßnahmen prüfen. Es gebe ohnehin einen massiven Investitionsstau in Deutschland, so der BDI. Erforderlich seien Investitionen in die Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, in Bildung, Forschung und Klimaschutz. "Notwendig ist ein auf mindestens zehn Jahre angelegtes, verlässliches Investitionspaket, mit ersten Maßnahmen noch in diesem Jahr."

Der BDI spricht sich auch dafür aus, die Politik der "schwarzen Null" zu lockern – einem Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung. "Es wäre fatal, die Zukunftsinvestitionen an einer schwarzen Null scheitern zu lassen. Sie darf kein Dogma sein", heißt es.

Dagegen stehe die grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse nicht zur Disposition. Um private Investitionen anzukurbeln, bekräftigt der BDI Forderungen nach einer Reform der Unternehmenssteuern.

BDI bringt Konjunkturprogramme ins Spiel

Am Sonntag wollen die Spitzen von Union und SPD im Koalitionsausschuss mögliche Maßnahmen beraten. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzufedern. Der Plan sieht vor, notfalls bestehende Instrumente wie Kreditprogramme für angeschlagene Firmen auszuweiten und finanziell aufzustocken.

In einer letzten Stufe wären demnach "weitergehende strukturelle und konjunkturelle Maßnahmen" denkbar. Dies könnten milliardenschwere Konjunkturprogramme sein.

Aus Sicht des BDI hat das Coronavirus die Chancen für eine bis vor kurzem noch erhoffte Erholung der Weltwirtschaft in diesem Jahr dramatisch reduziert. Vor allem die exportstarke deutsche Industrie befand sich schon vor dem Ausbruch des Virus in einer schwierigen Lage. Die Industrieproduktion ist gesunken, Firmen halten sich mit Investitionen zurück.

Weltwirtschaft könnte massiv unter Coronavirus leiden

Die wirtschaftlichen Folgen von zeitweiligen Produktions- und Transportunterbrechungen vor allem in China und in anderen Weltteilen seien bereits jetzt "gravierend", heißt es im BDI-Bericht. Das Virus dürfte schon jetzt gut einen halben Prozentpunkt an Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr kosten.


Sollte sich die Epidemie auch in Europa und anderen Weltregionen stärker ausbreiten und erst mittelfristig unter Kontrolle gebracht werden, sei mit noch kräftigeren Rückgängen der Weltwirtschaft zu rechnen. In Europa seien Italien – aufgrund der Infektionsfälle vor Ort – und Deutschland wegen der wirtschaftlichen Verflechtung mit Asien "in besonderem Maße einem Rezessionsrisiko" ausgesetzt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • BDI-Quartalsbericht Deutschland QI-2020

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