Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Corona-Krise >

Corona-Pandemie: Wirtschaftsweiser warnt vor verfrühtem Konjunkturprogramm

Coronavirus-Pandemie  

Wirtschaftsweiser warnt vor verfrühtem Konjunkturprogramm

05.03.2020, 17:58 Uhr
Corona-Pandemie: Wirtschaftsweiser warnt vor verfrühtem Konjunkturprogramm. Wirtschaftsweiser Volker Wieland: "Jetzt ein großes Konjunkturpaket loszutreten, ist nicht zielführend". (Quelle: imago images/Reiner Zensen)

Wirtschaftsweiser Volker Wieland: "Jetzt ein großes Konjunkturpaket loszutreten, ist nicht zielführend". (Quelle: Reiner Zensen/imago images)

Um eine Rezession durch die Corona-Pandemie abzuwenden, fordern Verbände staatliche Konjunkturprogramme. Finanzminister Olaf Scholz sagte zuletzt, die Mittel stünden bereit. Top-Ökonom Volker Wieland ist dagegen.

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland hat sich gegen ein umfassendes Konjunkturprogramm ausgesprochen. "Jetzt ein großes Konjunkturpaket loszutreten, ist nicht notwendig und nicht unbedingt zielführend", sagte er t-online.de am Donnerstag. "Besser ist es, erst etwas mehr Klarheit darüber zu bekommen, welche einschränkenden Maßnahmen in Deutschland aufgrund des Coronavirus umgesetzt werden müssen." Das wäre die Aufgabe des Gesundheitsressorts.

Wieland ist eines von momentan drei Mitgliedern im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die so genannten Wirtschaftsweisen beraten die Bundesregierung in volkswirtschaftlichen Fragen und erstellen regelmäßig ein Gutachten zur Entwicklung der Konjunktur in Deutschland.

Zu ihren Adressaten gehört auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Dieser hatte im Finanzausschuss des Bundestages zuletzt betont, Deutschland sei für ein milliardenschweres Konjunkturprogramm gerüstet. Zuvor hatten bereits mehrere Wirtschaftsverbände ein solches Paket gefordert.

Auch Wieland sieht eine große Gefahr im Coronavirus. "Unser Tourismussektor ist jetzt schon sehr negativ getroffen", sagte er. "Eine starke Ausbreitung in Deutschland könnte den Dienstleistungssektor generell treffen." Die Industrie sieht ebenfalls bereits die Gefahr einer Rezession. Deswegen seien auch "weitergehende strukturelle und konjunkturelle Maßnahmen" denkbar, wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unlängst mitteilte. Dies könnten laut BDI auch milliardenschwere Konjunkturprogramme sein.

Wieland widerspricht dem. "Am sinnvollsten sind derzeit ganz gezielte Maßnahmen", sagte er t-online.de. Ein Beispiel sei das Kurzarbeitergeld: "Dadurch kann verhindert werden, dass Firmen Entlassungen vornehmen oder in Kreditschwierigkeiten geraten."


Top-Ökonom Wieland: EZB könne Krise nicht lösen

Die Möglichkeiten der EZB hingegen sind laut Wieland nur beschränkt. "Weder eine Zinssenkung noch die Wertpapierkäufe noch zusätzliche Kredite an Banken würden die Mitarbeiter in China wieder an die Werkbank bringen", sagte er. "Bestenfalls könnte die EZB mit solchen Maßnahmen einen positiven Effekt auf das Vertrauen an den Finanzmärkten ausüben."

Dass die EZB im großen Stil Aktien ankauft, wie das die Bank of Japan schon seit Längerem macht, sieht Wieland kritisch: "Das sollte sich die EZB als Instrument für eine schwere Rezession oder eine Krise aufheben, für den Fall, dass dann andere Instrumente erschöpft sind. Da sind wir nicht."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Interview mit Volker Wieland
  • BDI-Quartalsbericht Deutschland QI-2020
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: