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Börsencrash wegen Coronavirus: Was bedeutet der "schwarze Montag" jetzt?

Nach Panik-Tag  

Was bedeutet der "schwarze Montag" für Börsen und Anleger?

10.03.2020, 07:32 Uhr
Dramatische Kurs-Einbrüche: Dax stürzt zur Eröffnung mehr als sieben Prozent ab

Der Einbruch des Ölpreises und die Coronavirus-Krise lassen den Dax abrutschen. (Quelle: Reuters)

Dramatische Kurseinbrüche: Der Dax stürzt zur Eröffnung ab – das ist der Grund dafür. (Quelle: Reuters)


Schwarzer Tag für Börsianer: Überall auf der Welt sind am Montag die Kurse in den Keller gerauscht. Doch was ist genau passiert? Wieso sind die Kurse gefallen? Und vor allem: Wie geht es jetzt weiter?

Erstmals hat das Coronavirus für einen handfesten Börsenkrach gesorgt: Überall auf der Welt sind die Kurse am Montag gefallen. Von einem "historischen" Tag sprechen Analysten und Marktbeobachter, davon, dass der "Handelstag in die Geschichtsbücher eingehen dürfte".

Die Rede ist deshalb schon von einem "schwarzen Montag" – in Anspielung auf den Börsencrash am "schwarzen Donnerstag", der Ende Oktober 1929 die Welt in eine tiefe Rezession gestürzt hatte. Doch warum genau? Und wie geht es jetzt weiter? t-online.de hat für Sie die wichtigsten Geschehnisse an der Börse zusammengefasst:

Was genau ist passiert? 

Der deutsche Aktienindex Dax hat am Montag einen der schwärzesten Tage seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte erlebt. Zwischenzeitlich büßte er fast 1.000 Punkte ein. Der deutsche Leitindex schloss am Ende des Tages 7,94 Prozent tiefer bei 10.625,02 Punkten, womit die Gewinne aus dem vergangenen Jahr fast aufgezehrt wurden. Es handelt sich um den größten prozentualen Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Alle Aktien im Dax sind gefallen. In Zahlen bedeutet das: Im Vergleich zum vergangenen Freitag sind mehr als 35 Milliarden Euro verbrannt worden – an einem Tag. Zum Vergleich: Das ist ungefähr so viel wie der BMW-Konzern wert ist.

Besonders stark traf es die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank – beide verloren rund 15 Prozent. Die Papiere der bereits schwer von der Virusepidemie betroffenen Lufthansa sackten um mehr als acht Prozent ab. Die Fluggesellschaft hatte am Freitag bereits mitgeteilt, dass sie wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie in den nächsten Wochen ihre Flugkapazität um bis zu 50 Prozent reduziert.

Handel an US-Börsen wurde ausgesetzt

Steil abwärts ging es auch für die konjunktursensiblen Papiere der Autobranche. Der bereits durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie den Wandel in Richtung Elektromobilität schwer gebeutelte Sektor sackte europaweit um rund zehn Prozent ab. Im Dax ging es für die Anteile von Daimler um mehr als 13 Prozent abwärts.

Auch europaweit crashten die Aktienmärkte: Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, sackte um 8,45 Prozent auf 2.959,07 Punkte ab. Der italienische Leitindex FTSE MIB krachte um mehr als elf Prozent in die Tiefe.

Weltweit gab es ebenfalls massive Verluste. Der amerikanische Leitindex Dow Jones und der S&P 500 starteten mit einem Verlust von mehr als sechs Prozent in den Handel. Daraufhin wurde der Aktienhandel an der New Yorker Börse für 15 Minuten ausgesetzt. Dieser nach der Finanzkrise 2008 eingeführte Mechanismus soll verhindern, dass die Kurse ins Bodenlose fallen – und sie stattdessen wieder stabilisieren. Doch auch nach Wiederaufnahme des Handels ging es für die Kurse abwärts.


MSCI World Index sackt ab

Der Weltindex MSCI World, der 1.644 Unternehmen aus 23 Ländern enthält, fiel zeitweise um mehr als fünf Prozent. Damit wäre der Wert der Aktien in diesem Index um rund 2,5 Billionen US-Dollar zurückgegangen – der Index erholte sich im Laufe des Tages jedoch wieder leicht.

Vor dem Hintergrund des Absturzes der Aktienkurse flohen Anleger in "sichere Häfen" wie Gold. Die "Antikrisen-Währung" war mit 1.702,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor gut sieben Jahren. Allerdings gab der Kurs später nach. Ein Grund: Viele Anleger mussten Gold verkaufen, um Verluste an anderen Märkten auszugleichen.

Auch an den Anleihenmärkten war ein Beben zu spüren: Die Umlaufrendite der zehnjährigen Bundesanleihe notierte bei minus 0,86 Prozent – so tief wie noch nie.

Starker Verfall der Ölpreise

Ein Auslöser des Crashs war neben dem Coronavirus auch der Preissturz beim Öl: die Rohölpreise rauschten am Montag ebenfalls in den Keller und gaben um mehr als 30 Prozent nach – so viel wie zuletzt im Jahr 1991. Das traf auch die Erdölunternehmen. Viele Ölfirmen sind auf höhere Ölpreise angewiesen, um wirtschaftlich fördern zu können.

Die Shell-Aktie fiel im elektronischen Xetra-Handel um fast 18 Prozent, die Total-Papiere verloren gut 15 Prozent. Der Index für die europäischen Öl- und Gaswerte rutschte daraufhin um fast 17 Prozent ab auf ein 23-Jahres-Tief von 204,36 Punkten.

Und für die Ölfirmen sieht es weiterhin schlecht aus: Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen der Corona-Epidemie erstmals seit der globalen Finanzkrise mit einer fallenden Nachfrage nach Erdöl.

Erdölnachfrage könnte 2020 seit Langem wieder fallen

Wie die IEA in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht schreibt, geht sie für das ganze Jahr 2020 von einem Rückgang der Erdölnachfrage um 90.000 Barrel je Tag aus. Zuletzt war die Organisation noch von einem Anstieg um 800.000 Barrel pro Tag ausgegangen.

Die Prognose stellt eine deutliche Verschärfung der jüngsten Prognose dar. Diese hatte eine schrumpfende Nachfrage allein für das erste Quartal 2020 vorhergesehen. Jetzt aber erwartet die IEA eine schrumpfende Nachfrage für das ganze Jahr. Ein solcher Nachfrageeinbruch ist zuletzt nach der globalen Finanzkrise im Rezessionsjahr 2009 aufgetreten.

Was sind die Gründe für den schwarzen Montag?

Es gibt zwei maßgebliche Gründe für den Sturz an den Börsen. Einerseits ist es die Ausbreitung des Coronavirus: Experten sprechen mittlerweile von einer Viruspandemie – einer Verbreitung auf allen Kontinenten der Welt. In Deutschland hat es die ersten Todesfälle gegeben.

Italien hat seinen Norden abgeriegelt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Außerdem drohen Lieferketten zu brechen. Wirtschaftsforscher und Verbände warnen vor einer Rezession.

Andererseits gab es in der Nacht von Sonntag auf Montag einen massiven Öl-Schock. Grund ist der Streit um eine Drosselung der Fördermenge. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und ihre Partner hatten sich darauf am Freitag nicht einigen können, vor allem Russland sperrt sich. 

Um Russland zu schaden, hatte Saudi-Arabien angekündigt, die Fördermenge in den kommenden Monaten zu erhöhen – womöglich bis auf eine neue Rekordmarke von zwölf Millionen Barrel pro Tag, hieß es. Die Aussicht auf ein deutlich größeres Ölangebot drückte den Preis in der Nacht auf Montag um rund 30 Prozent.

Die Ölpreise waren wegen des Coronavirus ohnehin schon stark gefallen. Die Ankündigung der Saudis war für viele Investoren nun offenbar zu viel: Aus Angst vor Verlusten verkauften sie massenweise ihre Wertpapiere – und sorgten für den starken Fall der Kurse.

Was bedeutet dieser Tag für mich?

Für Anleger, die bereits an der Börse investiert sind, heißt es nach so einem Tag: Ruhe bewahren. Wichtig ist, die Aktien jetzt nicht zu verkaufen, sondern sie zu halten. Ansonsten drohen hohe Verluste. Besser ist es, die Kursverluste auszusitzen und auf steigende Werte nach einer Eindämmung des Coronavirus zu hoffen.

Für Anleger jedoch, die noch nicht investiert sind, hat ein Börsenbeben auch einen entscheidenden Vorteil: Die Preise für Aktien sind niedrig. Ein Beispiel: Hat die VW-Aktie Mitte Februar noch rund 170 Euro gekostet, kostet sie jetzt nur noch 129 Euro, ist also rund ein Viertel günstiger. Für das gleiche Geld bekommen Anleger also jetzt deutlich mehr Aktien.

Auch Autofahrer dürfen sich freuen: Durch den starken Fall der Ölpreise könnte das Benzin günstiger werden. Um wie viel Cent die Preise an der Zapfsäule fallen, lässt sich jedoch noch nicht sagen und bleibt abzuwarten, heißt es vom Deutschen Mineralölwirtschaftsverband.

Wie geht es jetzt weiter?

Viele Anleger dürften jetzt erst einmal ratlos sein. Möglich ist, dass die Kurse weiter sinken – möglich ist, dass bald die EZB einschreitet. Ihre Möglichkeiten, um die Finanzmärkte zu beruhigen, sind zwar sehr eingeschränkt. Schließlich ist ihr Leitzins bereits seit Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent.

Allerdings kann es sein, dass sie den Einlagenzins um 0,1 Prozentpunkte senkt. Dann würde es für Geschäftsbanken, die Geld über Nacht bei der EZB parken, teurer, ihr Geld bei der Zentralbank zu deponieren. Die erhoffte Folge: Die Banken leihen Ihr Geld Unternehmen, die wiederum Investitionen tätigen. Auch wenn dieser Schritt von Geldpolitik-Experten kritisch gesehen wird, könnte die EZB so ein Zeichen senden.

Vergangene Woche hatte die Fed, das amerikanische Pendant zur EZB, überraschend den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent gesenkt. Möglich wäre ebenfalls, dass sie ihren Zins weiter senkt.

Die Spitze der Großen Koalition hatte sich in der Nacht auf Montag auf ein umfassendes Maßnahmenpaket geeinigt. Unter anderem wurde eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes beschlossen, um Entlassungen abzuwenden. Bislang haben Investoren das jedoch noch nicht in ihre Kaufentscheidung eingepreist.

Für Anleger bleibt jetzt nur: abwarten und hoffen, bis sich die Börsen wieder stabilisiert haben. Langfristig sollte es wieder bergauf gehen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Handelsblatt
  • finanzen.net
  • boerse.de
  • boerse-online.de
  • wallstreet-online.de
  • Mit Material von dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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