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Coronavirus – Luftfahrt-Experte: "Entscheidend für Airlines ist der Sommer"

Corona-Krise  

"Entscheidend für viele Airlines ist der Sommer"

Von Mauritius Kloft, Florian Schmidt

13.03.2020, 18:55 Uhr
Coronavirus – Luftfahrt-Experte: "Entscheidend für Airlines ist der Sommer". Eine Lufthansa-Maschine am Flughafen Düsseldorf: Der Konzern streicht wegen der Corona-Krise zahlreiche Flüge. (Quelle: dpa/Marcel Kusch)

Eine Lufthansa-Maschine am Flughafen Düsseldorf: Der Konzern streicht wegen der Corona-Krise zahlreiche Flüge. (Quelle: Marcel Kusch/dpa)

Kaum eine Branche trifft die Corona-Krise derzeit so sehr wie den Luftverkehr. Experte Cord Schellenberg ist ob der Umsatzausfälle alarmiert – und fordert ein Verschieben der höheren Klima-Abgabe.

Die Luftfahrt leidet stark unter dem Coronavirus. Weil viele Menschen Reisen absagen und deshalb nicht ins Flugzeug steigen, hat allein die Lufthansa 23.000 Flüge bis Ende April gestrichen. Nun erwägt der Konzern offenbar sogar, Staatskredite in Anspruch zu nehmen, wie das "Handelsblatt" berichtet. Außerdem will Lufthansa auf Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr verzichten.

Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg schlägt angesichts der Corona-Krise Alarm. Mit Blick auf die bestehenden Schwierigkeiten vieler Airlines durch die Klima-Debatte sagte er t-online.de: "Greta hat im Moment Pause. Dafür setzt den Airlines jetzt das Coronavirus zu." Daran werde sich allzu bald kaum etwas ändern. "Auf absehbare Zeit wird es für die Luftfahrtbranche weiter bergab gehen, da viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus darauf verzichten, Flüge zu buchen", sagte Schellenberg.

Die Folge: Viele Airlines kämpfen mit Umsatzproblemen, stornieren Flüge und wissen zum Teil nicht, wie sie ihr Personal einsetzen – und wo sie die Flieger parken, die am Boden bleiben. Ob sich die Lage dieses Jahr noch entspannt, ist offen, so Schellenberg: "Entscheidend für viele Airlines ist der Sommer – und der könnte durchs Coronavirus mächtig verhagelt werden."

"Die Flugtickets werden nicht günstiger"

Zuletzt hatten im Internet viele Verbraucher Mutmaßungen darüber angestellt, ob wegen der geringeren Nachfrage jetzt die Preise für Tickets fallen. Dieser Überlegung widerspricht der Luftfahrtexperte. "Die Flugtickets werden nicht günstiger", sagte Schellenberg im Gespräch mit t-online.de. Das Problem: Viele Menschen agierten nicht rational: "Die Airlines könnten die Leute jetzt einladen und sie würden nicht fliegen. Dabei ist eine Reise an den Ostseestrand derzeit genauso gefährlich wie eine Reise an den griechischen Strand." 

Ein Lichtblick der Airlines sei, dass sich die grundsätzliche Einstellung der Menschen gegenüber Reisen mit dem Flugzeug nicht verändert habe. "Die Menschen überlegen nicht ob sie fliegen – sondern nur wann", sagte Schellenberg. "Ich gehe davon aus, dass viele Flüge nachgeholt werden, wenn sich die Lage um Corona entspannt hat."

Der Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg. (Quelle: Privat/Robin Kater)Der Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg. (Quelle: Privat/Robin Kater)

Bis dahin aber haben die Luftfahrtgesellschaften einiges zu stemmen. Das zentrale Problem der Airlines sind die Vorausbuchungen. Denn die Einnahmen aus ihnen haben die Fluggesellschaften in der Regel fest eingeplant. Fallen sie aufgrund von Stornierungen weg, muss an anderer Stelle gespart werden – zum Beispiel bei den Mitarbeitern, denen einige Airlines nun unbezahlten Urlaub anbieten.

Weitere Probleme der Airlines:

  • Leasing-Verträge: Viele Airlines haben über ihre eigene Flotte hinaus Maschinen bei so genannten Wet-Lease-Fluggesellschaften gemietet. Schellenberg: "Auch wenn die Flieger am Boden bleiben, müssen diese Leasing-Verträge bezahlt werden."
  • Kerosin-Lieferungen: Das Gleiche gilt für das Kerosin. Den Treibstoff bestellen die Airlines Monate im Voraus. Die jüngst stark gefallenen Ölpreise helfen den Fluggesellschaften deshalb noch nicht.
  • Start- und Landerechte: Bislang ist es so, dass Fluggesellschaften so genannte Start- und Landeslots für bestimmte Flugverbindungen erwerben müssen. Um diese Start- und Landerechte nicht zu verlieren, müssen sie die Slots während eines Flugplans zu 80 Prozent tatsächlich nutzen. Streichen die Airlines ihre Flugpläne nun zusammen, droht ihnen also der Verlust der Slots – weshalb zuletzt "Geisterflüge" stattfanden, bei denen fast leere Maschinen hin- und herflogen. Um das zu verhindern, kündigte die EU nun an, die bestehende Regelung zu überprüfen. "Ich gehe aber davon aus, dass die EU schnell handeln wird", sagte Schellenberg.

Mit Insolvenzen bei den Airlines rechnet der Experte noch nicht. Gleichwohl plädiert er für eine Ausweitung der Kurzarbeit. "Der Schritt der Bundesregierung ist gut, aber noch unzureichend", sagte er. "Es braucht dringend ein einheitliches EU-Vorgehen. Sonst droht Deutschland, den Wettbewerb zu verlieren."

Verschiebung der Luftverkehrsabgabe

Der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung Thomas Jarzombek will am Montag bei einem Krisentreffen mit der Branche und den Gewerkschaften über die Folgen der Corona-Pandemie beraten. "Themen werden unter anderem eine Analyse der Lage, mögliche Liquiditätshilfen sowie die Ausgestaltung des Kurzarbeitergeldes für die Branche sein", sagte der CDU-Politiker jüngst. "Die Airlines sind von den Auswirkungen des Coronavirus stark betroffen. Das Einreiseverbot in die USA trifft die Lufthansa besonders hart."

Schellenberg geht noch einen Schritt weiter. "Die Erhöhung der Luftverkehrsabgabe, die für April geplant ist, sollte verschoben werden", sagte er. Die Sinnhaftigkeit der Abgabe stehe ohnehin schon länger infrage, da die Erlöse nicht direkt in den Klimaschutz flössen, sondern in den Bundeshaushalt. "Mit dem Coronavirus, das den Fluggesellschaften so zusetzt, muss man überlegen, inwiefern sie noch Sinn ergibt."

Nicht zuletzt mit Blick auf die Herausforderungen beim Klima seien Entlastungen notwendig – weil die Fluggesellschaften zunächst die finanziellen Schwierigkeiten durch die Corona-Krise bewältigen müssten. "Gerade schwächere Airlines werden sonst länger mit alten Kisten fliegen", sagte er. Diese haben einen größeren Kerosinverbrauch und sind damit auch schlechter für die Umwelt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Cord Schellenberg
  • Mit Material von dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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