Sie sind hier: Home > Finanzen > Corona-Krise >

Coronavirus: Der Flugverkehr kommt fast gänzlich zum Erliegen

Corona-Konsequenzen  

Der Flugverkehr in Europa kommt fast zum Erliegen

16.03.2020, 18:28 Uhr | top, AFP, dpa

Coronavirus: Der Flugverkehr kommt fast gänzlich zum Erliegen. Bleiben am Boden: Lufthansa-Passagiermaschinen in Frankfurt am Main. Infolge der Ausbreitung des Coronavirus schränken Airlines ihr Angebot weltweit drastisch ein.  (Quelle: dpa/ Boris Roessler )

Bleiben am Boden: Lufthansa-Passagiermaschinen in Frankfurt am Main. Infolge der Ausbreitung des Coronavirus schränken Airlines ihr Angebot weltweit drastisch ein. (Quelle: Boris Roessler /dpa)

Gestrichene Flüge, geschlossene Airports: Der Luftverkehr erleidet wegen des Coronavirus drastische Einschnitte. Die Bundesregierung verzichtet dennoch auf zusätzliche Hilfen. Welche Folgen drohen Passagieren?

Die Bundesregierung hält weitere Hilfen für die extrem von der Corona-Krise betroffene Flugverkehrsbranche derzeit nicht für nötig. Die bislang verabschiedeten Maßnahmen – ein ausgeweitetes Kurzarbeitergeld, Liquiditätshilfen und Steuerstundungen – reichten zunächst aus, sagte der Luftfahrtkoordinator der Regierung, Thomas Jarzombek, am Montag. Später werde entschieden, ob es weitere Hilfen geben müsse. 

"Die Verstaatlichung von Unternehmen ist definitiv nicht das Ziel", sagte Jarzombek zur einer möglichen Beteiligung an der Lufthansa. Ein Sprecher der Lufthansa erklärte, die Airline begrüße das Krisenmanagement der Bundesregierung. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO kritisierte hingegen, Kurzarbeitergeld und Kredite reichten bei weitem nicht aus, um die Branche durch die schwere Krise zu bringen.

Das Bundesverkehrsministerium will jetzt Flüge aus Risikogebieten wie Iran und China unterbinden. Den Flughäfen und zuständigen Gesundheitsämter würde nahegelegt, Landeverbote auszusprechen, sagte eine Ministeriumssprecherin. 

Bis zu 90 Prozent weniger Flugkapazität

Airlines weltweit stemmen sich mit drastischen Einschnitten gegen die historische Coronavirus-Krise. Die Lufthansa-Gruppe kündigte an, die Kapazität ihrer Langstreckenflüge um bis zu 90 Prozent einzudampfen, die Tochter Austrian Airlines will ihre Flüge sogar komplett einstellen. Auch andere internationale Airlines kündigten harte Einschnitte an. 

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Reisen zwang die Lufthansa-Gruppe am Montag zu einer weiteren Reduzierung ihrer Sitzplatzkapazität. Diese werde ab Dienstag bei Langstreckenflügen um 90 Prozent gesenkt, erklärte das Unternehmen.

Innerhalb Europas werde das Flugprogramm ebenfalls weiter reduziert. Ab Dienstag sollen demnach nur noch rund 20 Prozent der ursprünglich geplanten Sitzplatzkapazität angeboten werden. Airline-Aktien setzten an den Börsen ihren Sinkflug fort.

Einige Airlines stellen Flugbetrieb komplett ein

Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines ging einen Schritt weiter und stellt all ihre Flüge ab Mittwochnacht komplett ein. Die Maßnahme gilt vorerst bis zum 28. März. Nur ein Lang- und ein Mittelstreckenflugzeug bleiben demnach für Hilfsflüge im Einsatz.

Drastische Einschnitte im Angebot meldeten auch andere internationale Airlines. Die zur irischen Billigfluglinie Ryanair gehörende Lauda bleibt ab sofort bis zum 8. April am Boden. Ryanair annullierte bis zu 80 Prozent seines Angebotes im April und Mai. Ein Großteil der Flotte werde aus dem Betriebe genommen. Ein komplettes Stilllegen sei nicht auszuschließen.

Konkurrent Easyjet warnte, kurzfristig werde wegen der Einschränkungen die Mehrheit der Flotte am Boden bleiben. Auch Air France-KLM wird nach Angaben vom Montag im April und Mai zwischen 70 und 90 Prozent der Flüge streichen. Die finanziellen Auswirkungen seien noch nicht absehbar.

Der deutsche Ferienflieger Condor, der wegen Insolvenz bereits einen Kredit der öffentlichen Hand von 380 Millionen Euro zurückzahlen muss, prüft einen Antrag auf weitere Staatshilfe und plant Kurzarbeit. Viele Fluggesellschaft kürzen den Flugplan drastisch und lassen die meisten Maschinen am Boden. 

Baden-Württemberg stellt Passagierflüge ein

Baden-Württemberg kündigte als erstes Bundesland an, in den nächsten Tagen den Personen-Flugverkehr an den Airports des Landes einstellen. Für Frachtflüge werde eine Ausnahme geprüft.

Passagiere, die jetzt noch im Ausland sind, sollen noch nach Hause zurückfliegen können. Die hessische Landesregierung erklärte, der größte deutsche Flughafen Frankfurt müsse offen bleiben, und setzte das dort geltende Nachtflugverbot aus.

"Der Luftverkehr darf nicht zum vollkommenen Erliegen kommen", warnte der Luftfahrtkoordinator der Regierung, Thomas Jarzombek. Die Branche sei systemrelevant, vor allem auch wegen der Frachtflüge. Diese müssten aufrechterhalten wegen – auch im Sinne der Versorgungssicherheit, erklärte der Branchenverband BDL nach dem Krisentreffen.

Easyjet und Tui rufen nach Hilfe

"Die europäische Luftfahrt steht vor einer gefährlichen Zukunft, und es ist klar, dass eine koordinierte staatliche Unterstützung nötig sein wird, um das Überleben der Branche zu sichern und ihre Tätigkeit auch nach der Krise fortzusetzen", sagte Easyjet-Chef Johan Lundgren.

British-Airways-Eigentümer IAG fährt im April und Mai die Kapazitäten um mindestens 75 Prozent herunter. Konzernchef Willie Walsh verschiebt seinen Abgang und erklärte, IAG brauch keine Staatshilfe. IAG und Easyjet zogen ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr wegen der Unsicherheit zurück.

Auch die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France KLM fährt ihre Kapazitäten schrittweise um bis zu 90 Prozent zurück. Die beteiligten Staaten Frankreich und Niederlande wollen die Airlines unterstützen. Italien wird nach einem Gesetzentwurf die angeschlagene Alitalia übernehmen. Zugleich schießt der Staat der bereits vor der Viruskrise arg gebeutelten Fluggesellschaft zusätzlich 600 Millionen Euro zu.

Aktienkurse fallen weiter

Anleger quittierten die trüben Aussichten für die Airlines mit Ausverkäufen. Die Aktien von Lufthansa, Air France KLM, und der British Airways-Mutter IAG sowie den Billig-Fliegern Ryanair und EasyJet fielen um bis zu 30 Prozent. Der weltgrößte Touristikkonzern TUI, der mit Tuifly auch eine eigene Airline betreibt, stoppt wegen des Coronavirus den größten Teil seines Geschäfts und beantragt zur Überbrückung Staatshilfe.

Die in London notierten Titel von TUI stürzten um 40 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief. TUI Deutschland und viele andere Reiseveranstalter sagten Reisen bis 27. März ab. "Im Moment befinden wir uns alle in einer nie dagewesenen Ausnahmesituation", erklärt Deutschland-Chef Marek Andryszak.

Deutscher Reiseverband fordert Schutz von Politik

Der Deutsche Reiseverband (DRV) forderte, die Politik müsse einen Schutzschirm aufspannen. Der Staat solle die Provisionen für Reisebüros und Stornokosten für die Veranstalter in Form einer Beihilfe übernehmen. Zumindest müsse die Stornoregel, nach der Reisepreise sofort zurückzuzahlen sind, ausgesetzt oder durch Gutscheine ersetzt werden.

Von den Fluggast-Verbraucherschützern erklärte der Verband APRA, auf das Durchsetzen von Entschädigungsforderungen der Passagiere zu verzichten. Bei allem Schutzbedarf der Fluggäste müsse man "vernünftig" sein. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters, AFP

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal