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VW setzt wegen Corona-Krise Produktion aus – letzte Schicht am Freitag

Größter deutscher Autobauer  

Volkswagen stoppt Produktion wegen Corona-Krise

17.03.2020, 13:52 Uhr | fls, rtr, dpa

Virus-Krise: VW stellt Produktion weitgehend ein

Oberstes Ziel sei es, die Ausbreitung des Coronavirus so stark wie möglich zu verlangsamen, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess. (Quelle: Reuters)

Wegen Coronavirus: VW stellt seine Produktion weitgehend ein, um die Ausbreitung des Virus' zu verlangsamen. (Quelle: Reuters)


Der Volkswagen-Konzern stoppt wegen der Coronavirus-Krise seine Produktion in den meisten Werken in Deutschland und Europa. Am Freitag steht demnach die letzte Schicht an – voraussichtlich für zwei Wochen.

Der VW-Konzern will die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus vorübergehend aussetzen. An den allermeisten Standorten solle an diesem Freitag (20. März) die letzte Schicht laufen, hieß es am Dienstag aus dem Betriebsrat in Wolfsburg.

In den vergangenen Tagen hatte es auch in deutschen Werken erste bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 gegeben. Der Betriebsrat beriet nun mit dem Vorstand über die Lage. Aus Sicht der Mitarbeitervertreter reicht die beschlossene Unterbrechung der Fertigung bisher aber nicht aus.

"Im Vordergrund stand die Situation der Kolleginnen und Kollegen im direkten Bereich, wo auf den Montagelinien Schulter an Schulter an unseren Fahrzeugen gearbeitet wird", hieß es in einem Brief des Betriebsrates an die Mitarbeiter.

Robert Koch-Institut empfiehlt Mindestabstände

Das Robert Koch-Institut empfehle jedoch etwa Mindestabstände, die an den einzelnen Arbeitsstationen nicht einzuhalten seien. "Die Beschäftigten haben sich und uns Betriebsräte gefragt, warum sie dieses deutlich höhere Ansteckungsrisiko tragen müssen", hieß es von Betriebsratschef Bernd Osterloh in einem Brief.

Der Betriebsrat habe gegenüber dem Vorstand diese "Zweiklassengesellschaft" kritisiert. Das Management habe auf den Druck reagiert und beschlossen, dass am Freitag die letzte Schicht laufe. Das ist aus Sicht des Betriebsrats zu spät. "Wir erwarten jetzt einen geordneten Ausstieg aus der Fertigung", forderte Osterloh.

Welche Folgen der Schritt für die Produktion beim größten Autohersteller der Welt hat und wie lang die Maßnahme anhält, war zunächst unklar. VW-Chef Herbert Diess sagte, viele Standorte richteten sich auf zwei Wochen Unterbrechung ein.

"Es geht darum, die Ausbreitung einzudämmen"

Die deutschen VW-Standorte waren nach jüngsten Angaben des Konzerns bisher nur von relativ wenigen nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen betroffen. Am vergangenen Wochenende waren Fälle im Werk Baunatal bei Kassel sowie im Stammwerk Wolfsburg bekannt geworden.

Den betroffenen Beschäftigten soll es jüngsten Angaben zufolge gut gehen, sie sind in häuslicher Quarantäne. VW hatte zuletzt etwa Hygiene- und Abstandsvorschriften verschärft, auch Kantinen sollten geschlossen werden. Dienstreisen wurden eingeschränkt, größere Versammlungen verschoben.


Vorstand und Betriebsrat hatten sich kürzlich an die Belegschaft gewandt. "Uns ist klar, dass wir auch bei Volkswagen mit Fällen von Corona rechnen müssen", hieß es in einem Brief an die Mitarbeiter. "Es geht aber darum, die Ausbreitung einzudämmen. Denn so schützen wir die Schwachen in der Gesellschaft: unsere Eltern und Großeltern, Lungenkranke, Asthmatiker und alle anderen Risikopersonen."

Lieferketten bislang nicht unterbrochen

Der größte deutsche Industriekonzern hat weltweit mehr als 670.000 Beschäftigte, auch in vielen anderen Ländern gelten inzwischen erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. Bisher waren die Lieferketten nach offiziellen Angaben nicht nennenswert unterbrochen oder gefährdet.

In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausbrach und Volkswagen zeitweilig auch schon Fabriken schließen musste, entspannte sich die Lage zuletzt wieder etwas. Im Februar waren die Verkäufe in der Volksrepublik abgestürzt: Sie sanken im wichtigsten Einzelmarkt im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Viertel. Der Effekt war maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch bei globaler Betrachtung ein erhebliches Minus um 24,6 Prozent in der Absatzstatistik stand.

VW will 2020 nicht komplett abschreiben

Volkswagen will das Geschäftsjahr trotz der Produktionsunterbrechungen wegen der Virus-Pandemie noch nicht in den Wind schreiben. "Wir wollen das Jahr nicht komplett abschreiben", sagte Finanzvorstand Frank Witter am Dienstag während einer im Internet übertragenen Bilanzpressekonferenz.

Er verwies auf das Geschäft in China, das sich nach einem rasanten Einbruch im Februar inzwischen wieder erhole. Er gehe davon aus, dass die Pkw-Nachfrage auf dem für Volkswagen besonders wichtigen Markt bald wieder zu alter Stärke zurückkehren werde.

Wenn die Erholung in Europa nach dem ähnlichen Muster verlaufe, sei das Jahr womöglich noch zu retten. Vorhersagen lasse sich dies allerdings nicht, da die vollen Auswirkungen der Epidemie hierzulande noch nicht absehbar seien. Volkswagen verfüge über ein ausreichendes Liquiditätspolster, um die Krise zu überstehen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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