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Kurzarbeit verlängert bis 2021: Was für Sie in der Corona-Krise gilt

Immer mehr betroffen  

Kurzarbeit in der Corona-Krise: Was gilt jetzt für Arbeitnehmer?

16.09.2020, 10:50 Uhr | top, mak, fls, cho, t-online

Kurzarbeit verlängert bis 2021: Was für Sie in der Corona-Krise gilt. Arbeiter auf einer Baustelle: Viele Firmen melden in der Corona-Krise Kurzarbeit an. Was gilt für Sie als Arbeitnehmer? (Quelle: imago images/Lichtgut)

Arbeiter auf einer Baustelle: Viele Firmen melden in der Corona-Krise Kurzarbeit an. Was gilt für Sie als Arbeitnehmer? (Quelle: Lichtgut/imago images)

Wegen des Coronavirus hat das Bundeskabinett das Kurzarbeitergeld verlängert. Aber wie funktioniert das eigentlich genau? Was bedeutet es für mein Gehalt? Und wie sieht es mit Urlaub während der Kurzarbeit aus?

Die Corona-Krise macht zahlreichen Branchen zu schaffen. Um die Situation aufzufangen, melden viele Unternehmen Kurzarbeit an.

Im Mai nahmen 6,7 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld in Anspruch. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten bezogen laut Arbeitsagentur im Juni 5,36 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld.

Doch was genau ist Kurzarbeit – und was Kurzarbeitergeld? Wie lange darf Kurzarbeit dauern? Unter welchen Bedingungen kann der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld beantragen? Und wie wirkt sich Kurzarbeit auf die Rente aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was bedeutet Kurzarbeit genau?

Kurzarbeit heißt, dass Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Angestellten reduzieren können, weil es zu wenig zu tun gibt – zum Beispiel von 40 Stunden pro Woche auf nur 20 Stunden. Auslöser dafür können Krisen sein, so wie die aktuelle Corona-Krise.

Fallen durch die Krise Einnahmen aus, stehen viele Unternehmer vor der Frage, wie sie ihre Mitarbeiter weiterbeschäftigen und wie sie sie weiterhin pünktlich bezahlen sollen. Damit sie ihren Angestellten nicht kündigen müssen, springt der Staat ein – mit dem sogenannten Kurzarbeitergeld, das die Bundesagentur für Arbeit zahlt.

Zu Beginn der Corona-Krise im März erleichterte die Bundesregierung den Zugang, so dass Unternehmen direkt Kurzarbeit beantragen konnten. Im Mai schraubte sie dann an der Höhe des Kurzarbeitergeld.

Mitte September beschloss das Kabinett eine Verlängerung. Statt bis Ende 2020 soll das Hilfsmittel nun bis Ende 2021 ausgezahlt werden. Sozialversicherungsbeiträge sollen bis Mitte 2021 komplett erstattet werden, in der zweiten Jahreshälfte dann in der Regel noch zur Hälfte. Darauf hatte sich die große Koalition bereits Ende August geeinigt.

Wer zahlt das Kurzarbeitergeld?

Ist der Antrag bewilligt, funktioniert das Kurzarbeitergeld so: Ein Firmenchef schickt einen Mitarbeiter nach Hause, weil es im Betrieb nicht genug zu tun gibt. Der Arbeitgeber spart dadurch Lohnkosten, also bares Geld. Damit der Verdienstausfall beim Arbeitnehmer aber nicht zu groß ist, gleicht die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent, bei Vätern und Müttern 67 Prozent des entgangenen Nettoeinkommens wieder aus.

Ein Beispiel: Eine Angestellte ohne Kinder, die bei einem großen Autobauer arbeitet, verdient monatlich 3.000 Euro brutto. Netto bleiben ihr davon 1.938 Euro. Wegen des Coronavirus fährt ihr Betrieb jetzt die Produktion herunter und streicht die Hälfte der Arbeitszeit. Der Bruttolohn der Mitarbeiterin schrumpft dadurch auf 1.500 Euro, auf ihrem Konto landen damit netto 1.129 Euro. Sie hat also einen Nettoverdienstausfall von 809 Euro. 60 Prozent dieses Verlustes gleicht die Arbeitsagentur im Rahmen des Kurzarbeitergeldes aus. Sie überweist ihr also 485 Euro, sodass sie netto über ein monatliches Einkommen von 1.614 Euro verfügt.

Müssen Arbeitnehmer nur noch halb so viele Stunden arbeiten oder noch weniger, steigt das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat auf 70 Prozent und ab dem siebten Monat auf 80 Prozent des Lohnausfalls. Bei Vätern und Müttern gleicht der Staat ab dem vierten Monat 77 Prozent und ab dem siebten Monat 87 Prozent des entgangenen Nettoeinkommens aus. Dieses höhere Kurzarbeitergeld gilt für alle, die bis zum 31. März 2021 in Kurzarbeit gehen, maximal bis zum 31. Dezember 2021.

Ansprechpartner: Zuständig für das Kurzarbeitergeld ist die örtliche Arbeitsagentur. Als Arbeitgeber erreichen Sie die zentrale Hotline der Bundesagentur für Arbeit für weitere Informationen unter folgender Telefonnummer: 0800 / 45555 20.

Wo kann ich mein Kurzarbeitergeld berechnen?

Im Internet finden sich Rechner, die Ihnen helfen, den Betrag Ihres Kurzarbeitergelds zu berechnen. Den Kurzarbeitergeld-Rechner der Deutschen Rentenversicherung finden Sie hier.

Wer kann Kurzarbeitergeld beantragen?

Kurzarbeitergeld beantragt der Arbeitgeber. Der Bundestag hatte dazu kurzfristig ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Rückwirkend zum 1. März konnten Betriebe Kurzarbeitergeld bereits nutzen, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bis dahin musste das ein Drittel der Arbeitnehmer sein. Auch Leiharbeiter bekommen Kurzarbeitergeld.

Mitte September beschloss das Bundeskabinett, dass diese erleichterte Kurzarbeit von 12 auf bis zu 24 Monate erweitert wird. Die ausgeweitete Bezugsdauer gilt für Betriebe, die bis zum 31. Dezember 2020 Kurzarbeit einführen. Längstens soll das Kurzarbeitergeld bis zum 31. Dezember 2021 verlängert werden.

Unter welchen Bedingungen kann der Arbeitgeber Kurzarbeit beantragen?

Unternehmen können das Kurzarbeitergeld unter erleichterten Voraussetzungen erhalten. Die neuen Bedingungen im Überblick:

  • Es müssen mindestens zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sein. 
  • Auch für Leiharbeiter können die Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen.
  • Zusätzlich zum Lohn übernimmt die Bundesagentur für Arbeit auch die Fortzahlung der Sozialversicherungsbeiträge.
  • Die Betriebe können Kurzarbeitergeld auf bis zu 24 Monate verlängern.

Was bedeutet das für mein Gehalt?

Wer als Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt wird, hat einen Verdienstausfall. Denn für die nicht geleisteten Arbeitsstunden erhält er auch keinen Lohn, was wiederum den Arbeitgeber finanziell entlastet. Damit der Verlust beim Arbeitnehmer nicht zu groß ausfällt, gleicht die Bundesagentur für Arbeit einen Teil des entgangenen Nettoverdienstes wieder aus. 

Würden Sie statt an fünf Tagen nur noch an vier Tagen in der Woche arbeiten, bekämen Sie 80 Prozent des Lohns weiter vom Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur würde Ihnen dann einen Teil der entgangenen 20 Prozent Ihres Nettolohns wieder ausgleichen. Es gilt pauschal: Singles kompensiert der Staat mit 60 Prozent des entgangenen Nettoverdienstes – bei Familienvätern und Müttern gleicht er sogar 67 Prozent aus.

Ab dem vierten Monat wird diese Ausgleichszahlung auf 70 Prozent aufgestockt (bei Eltern auf 77 Prozent), wenn Arbeitnehmer nur noch halb so lange oder noch weniger arbeiten müssen. Ab dem siebten Monat dann sogar auf 80 Prozent (bei Eltern auf 87 Prozent).

Ein Beispiel mit Zahlen: Wenn Sie als Alleinstehende wegen der gekürzten Arbeitszeit 1.000 Euro netto weniger im Monat verdienen, bekommen Sie zunächst 600 über die Bundesagentur – für die Lücke von 400 Euro bekommen Sie keinen Ersatz. Außerdem kann die Arbeitsagentur Beschäftigten während der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes andere zumutbare Jobs anbieten – ein Verdienst aus einem solchen Job würde die Höhe des Kurzarbeitergeldes entsprechend reduzieren.

Um das Kurzarbeiterentgelt im Einzelfall zu berechnen, zieht die Arbeitsagentur das Sollentgelt nur bis zur Höhe der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung heran. Im Jahr 2020 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze 6.900 Euro (im Osten: 6.450 Euro) pro Monat, sodass das Kurzarbeitergeld 2020 den Betrag von 4.623 Euro bei 67 Prozent (im Osten: 4.321,50 Euro) nicht überschreiten kann. Tarifliche Regelungen können zudem je nach Branche Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld vorsehen.

Wann muss der Arbeitgeber Kurzarbeit ankündigen?

Eine gesetzliche Ankündigungsfrist, bis wann ein Arbeitgeber die Belegschaft über anstehende Kurzarbeit informieren muss, gibt es nicht. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sehen aber in aller Regel entsprechende Regelungen vor.

Kann der Arbeitgeber mich zwingen, erst einmal Urlaub abzubauen?

Die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld sind im Sozialgesetzbuch III genau geregelt. Kurzarbeit kann der Arbeitgeber demnach anmelden, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und der Betrieb alles getan hat, um ihn zu vermindern oder zu beheben. "Das bedeutet, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches 'abgefeiert' werden müssen", erklärt der Arbeitsrechtler Johannes Schipp.

Zudem sei es möglich, Urlaub anzuordnen, soweit die betreffenden Urlaubstage nicht schon genehmigt sind. Urlaub, der schon genehmigt ist, könne vom Arbeitgeber nicht ohne Weiteres wieder gestrichen werden.

Zur Frage, in welchem Rahmen Urlaub angeordnet werden kann, gibt es laut Schipp keine eindeutigen Regeln. Seiner Einschätzung nach kann es aber in einer Pandemie-Situation durchaus möglich sein, dass Arbeitnehmer die Hälfte oder zwei Drittel ihres Urlaubsanspruchs erst einmal einsetzen müssen. Dringende betriebliche Gründe stehen dann den Urlaubswünschen der Arbeitnehmer entgegen.

Kann mein Arbeitgeber auswählen, wen er in Kurzarbeit oder Zwangsurlaub schickt?

"Bei der Auswahl der Arbeitnehmer wird es entscheidend darauf ankommen, in welchen Bereichen der Arbeitsausfall eintritt", so Fachanwalt Schipp. Wenn dann noch eine Auswahlmöglichkeit für den Arbeitgeber verbleibt, wird die Auswahl nach billigem Ermessen erfolgen müssen. Der Arbeitgeber kann also nicht willkürlich verfahren.


In Unternehmen mit Betriebsräten unterliegen die Einführung der Kurzarbeit und die Regelung der Einzelheiten zudem der Mitbestimmung des Betriebsrats. Hier kann der Arbeitgeber also nicht einseitig die Dinge festlegen.

Erhalte ich als Auszubildender (Azubi) Kurzarbeitergeld?

Nein. Azubis erhalten in der Regel kein Kurzarbeitergeld. Für Sie als Azubi gilt konkret: Sie bekommen trotz der Auswirkungen der Corona-Krise weiterhin Ihre Ausbildungsvergütung in voller Höhe.

Darf ich während der Kurzarbeit Urlaub nehmen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich – und von einigen Arbeitgebern auch erwünscht, da sich so weitere Kurzarbeit vermeiden lässt (siehe oben). Umgekehrt dürften einige Unternehmen jedoch auch darauf dringen, den Urlaub erst nach Ablauf der Kurzarbeit zu nehmen.

Denn: Das Urlaubsentgelt, also den Lohn während Ihrer Abwesenheit, muss der Arbeitgeber in voller Höhe zahlen, der Spareffekt durch die Kurzarbeit entfällt. Für Sie als Arbeitnehmer heißt das: Für die Zeit Ihres Urlaubs erhalten Sie Ihr ganz normales, ungekürztes Gehalt.

Die Zahl Ihrer Urlaubstage kann sich durch Kurzarbeit theoretisch reduzieren. Ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) vergleicht Arbeitnehmer in Kurzarbeit dabei mit Teilzeitkräften, die, je nachdem wie viel Prozent sie arbeiten, weniger Urlaubstage als Vollzeitbeschäftige erhalten. In der Regel jedoch gewähren Arbeitgeber den Jahresurlaub in vollem Umfang.

Darf ich mich während der Kurzarbeit fortbilden?

Ja. In welcher Form und wie lange Sie sich weiterbilden, handeln Sie mit Ihrem Arbeitgeber aus. Damit der Staat die Kosten der Weiterbildung ganz oder teilweise übernimmt, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Ihr Berufsabschluss muss mindestens vier Jahre zurückliegen.
  • Sie haben in den vergangenen vier Jahren an keiner vom Staat geförderten Fortbildung teilgenommen.
  • Die Weiterbildung findet außerhalb des Unternehmens statt und dauert mehr als 160 Stunden.
  • Die Fortbildung ist für eine staatliche Förderung zugelassen.
  • Sie sind vom Strukturwandel betroffen oder Sie bilden sich in einem Beruf weiter, für den es nicht genug Fachkräfte gibt.

Können Kurzarbeiter nebenbei dazuverdienen?

Ja. Wer bereits vor Beginn der Kurzarbeit einer Nebentätigkeit nachgegangen ist, kann dies weiter tun. Der Verdienst hat keine Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergelds, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in einem FAQ erklärt.

Ab dem 1. Mai bis Ende 2020 dürfen alle Arbeitnehmer bis zur vollen Höhe ihres Netto-Monatseinkommens, das sie bislang bekommen haben, dazuverdienen.

Wie wirkt sich das Kurzarbeitergeld auf die spätere Rente aus?

Beziehen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, sind sie weiter in der Rentenversicherung versichert. Die Beiträge zur Rentenversicherung werden während der Kurzarbeit auf der Basis des tatsächlich gezahlten – also des reduzierten – Verdienstes des Beschäftigten gezahlt, erklärt die Deutsche Rentenversicherung.

Konkret heißt das: Wer in Kurzarbeit geschickt wird, sammelt für die Dauer der verringerten Arbeitszeit weniger Rentenanspruch. Der Ausfall ist jedoch nicht sonderlich hoch.

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat bisher einen monatlichen Verdienst in Höhe von 3.000 Euro brutto gehabt. Während der Kurzarbeit reduziert sich sein Verdienst auf 1.500 Euro brutto monatlich. Ein Jahr Beschäftigung ohne Kurzarbeit ergäbe hier einen Rentenanspruch von knapp 29,40 Euro monatlich. Bei einem Jahr Kurzarbeit sind es aktuell nur rund 26,40 Euro. Der Unterschied beträgt also drei Euro im Monat.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Handwerksblatt
  • Süddeutsche Zeitung
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Haufe Online
  • anwalt.de
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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