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Kurzarbeit während Corona: Was bedeutet das für Urlaub, Gehalt und Co.?

Regeln verlängert  

Kurzarbeit in der Corona-Krise: Was gilt jetzt für Arbeitnehmer?

09.06.2021, 14:50 Uhr | top, mak, fls, cho, t-online

Kurzarbeit während Corona: Was bedeutet das für Urlaub, Gehalt und Co.?. Arbeiter auf einer Baustelle: Viele Firmen melden in der Corona-Krise Kurzarbeit an. Was gilt für Sie als Arbeitnehmer? (Quelle: imago images/Lichtgut)

Arbeiter auf einer Baustelle: Viele Firmen melden in der Corona-Krise Kurzarbeit an. Was gilt für Sie als Arbeitnehmer? (Quelle: Lichtgut/imago images)

Wegen Corona haben viele Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Die Regierung hat nun den vereinfachten Zugang dazu erneut verlängert. Doch was bedeutet Kurzarbeit überhaupt für mein Gehalt? Und wie sieht es mit Urlaub während der Kurzarbeit aus?

Die Corona-Krise macht zahlreichen Branchen zu schaffen. Um die Situation aufzufangen, melden viele Unternehmen Kurzarbeit an.

Doch was genau ist Kurzarbeit – und was Kurzarbeitergeld? Wie lange darf Kurzarbeit dauern? Und wie wirkt sich Kurzarbeit auf die Rente aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was bedeutet Kurzarbeit genau?

Kurzarbeit heißt, dass Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Angestellten reduzieren können, weil es zu wenig zu tun gibt – zum Beispiel von 40 Stunden pro Woche auf nur 20 Stunden. Auslöser dafür können Krisen sein, so wie die aktuelle Corona-Krise.

Der Clou: Melden Unternehmen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) Kurzarbeit an, können sie Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen. Das heißt, die BA übernimmt einen Teil der Löhne, sodass die Arbeitgeber Geld sparen.

Wie funktioniert das Kurzarbeitergeld?

Ist der Antrag bewilligt, funktioniert das Kurzarbeitergeld so: Ein Firmenchef schickt einen Mitarbeiter nach Hause, weil es im Betrieb nicht genug zu tun gibt. Der Arbeitgeber spart dadurch Lohnkosten.

Damit der Verdienstausfall beim Arbeitnehmer aber nicht zu groß ist, gleicht die Bundesagentur für Arbeit mit dem Kurzarbeitergeld 60 Prozent, bei Vätern und Müttern 67 Prozent, des entgangenen Nettoeinkommens wieder aus – bei längerer Kurzarbeit teilweise auch mehr (siehe unten). Auch für Leiharbeiter ist Kurzarbeit möglich.

Ansprechpartner: Zuständig für das Kurzarbeitergeld ist die örtliche Arbeitsagentur. Als Arbeitgeber erreichen Sie die zentrale Hotline der Bundesagentur für Arbeit für weitere Informationen unter folgender Telefonnummer: 0800 / 45555 20.

Die Sozialversicherungsbeiträge müssen Arbeitgeber trotz Kurzarbeit abführen. Allerdings gilt: Die Beiträge an die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung für ausgefallene Arbeitsstunden werden zu 100 Prozent vom Staat erstattet. Das soll bis Ende September gelten.

Vom 1. Oktober 2021 bis 31. Dezember 2021 werden die Sozialversicherungsbeiträge immerhin zu 50 Prozent erstattet, wenn mit der Kurzarbeit bis zum 30. September begonnen wurde. Zudem reicht es für die Anmeldung von Kurzarbeit weiterhin aus, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten betroffen sind und nicht wie sonst vorgehen ein Drittel. Das galt zunächst nur für Unternehmen, die bis Ende Juni Kurzarbeit anmelden. Auch hier wird die Frist bis Ende September verlängert.

Infografik: Noch 2,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Wie lange kann man Kurzarbeitergeld bekommen?

Normalerweise ist Kurzarbeitergeld nur für zwölf Monate möglich. Wegen der Corona-Krise ist die Bezugsdauer jedoch auf bis zu 24 Monate verlängert, im Maximalfall bis zum 31. Dezember 2021. Die Verlängerung gilt für alle Betriebe mit einem Beginn der Kurzarbeit bis zum 31. Dezember 2020.

Bekommen Azubis Kurzarbeitergeld?

Nein, Azubis erhalten in der Regel kein Kurzarbeitergeld. Der Arbeitgeber soll zunächst einmal versuchen, Auszubildenden etwa eine andere Tätigkeit innerhalb des Betriebs zu ermöglichen.

Lehrlinge bekommen also weiterhin die Ausbildungsvergütung in voller Höhe. Nur in Ausnahmefällen kann der Arbeitgeber auf Kurzarbeit für Azubis zurückgreifen.

Wer kann Kurzarbeitergeld beantragen?

Kurzarbeitergeld beantragt der Arbeitgeber. Dazu müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Arbeitsausfall muss vorübergehend und unvermeidbar sein.
  • Mindestens 10 Prozent der Beschäftigten eines Betriebs müssen einen Lohnausfall von mehr als 10 Prozent haben. Das gilt befristet bis Ende 2021. Der vereinfachte Zugang soll bis Ende September 2021 verlängert werden.

Was bedeutet Kurzarbeit für mein Gehalt?

Wer als Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt wird, hat einen Verdienstausfall. Denn für die nicht geleisteten Arbeitsstunden erhält er auch keinen Lohn, was wiederum den Arbeitgeber finanziell entlastet. Damit der Verlust bei den Angestellten nicht zu groß ausfällt, gleicht die Bundesagentur für Arbeit einen Teil des entgangenen Nettoverdienstes wieder aus. 

Würden Sie statt an fünf Tagen nur noch an vier Tagen in der Woche arbeiten, bekämen Sie 80 Prozent des Lohns weiter vom Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur würde Ihnen dann einen Teil der entgangenen 20 Prozent Ihres Nettolohns wieder ausgleichen. Dabei gilt pauschal: Singles kompensiert der Staat mit 60 Prozent des entgangenen Nettoverdienstes – bei Familienvätern und Müttern gleicht er sogar 67 Prozent aus.

Ab dem vierten Monat wird diese Ausgleichszahlung auf 70 Prozent aufgestockt (bei Eltern auf 77 Prozent), wenn Arbeitnehmer nur noch halb so lange oder noch weniger arbeiten müssen. Ab dem siebten Monat dann sogar auf 80 Prozent (bei Eltern auf 87 Prozent).

Dieses höhere Kurzarbeitergeld gilt für alle, die bis zum 31. März 2021 in Kurzarbeit gehen und maximal bis zum 31. Dezember 2021. Mit Beginn des Jahres 2022 endet, Stand heute, die Ausnahmeregelung.

Wie kann ich mein Kurzarbeitergeld berechnen?

Im Internet finden sich Rechner, die Ihnen helfen, den Betrag Ihres Kurzarbeitergelds zu berechnen. Den Kurzarbeitergeld-Rechner der Deutschen Rentenversicherung finden Sie etwa hier.

Was heißt Kurzarbeitergeld für die Steuer?

Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, der Empfänger wird aber nachträglich indirekt belastet. Denn die Leistung erhöht den Steuersatz für den Rest des zu versteuernden Einkommens. Das nennt sich Progressionsvorbehalt.

Weil der Arbeitgeber diesen höheren Steuersatz aber nicht beim monatlichen Lohnsteuerabzug anwenden darf – also zunächst weniger Steuern weitergibt als eigentlich nötig –, holt sich das Finanzamt den Rest später zurück. Deswegen sind Kurzarbeiter auch verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

Kann mein Arbeitgeber auswählen, wen er in Kurzarbeit schickt?

"Bei der Auswahl der Arbeitnehmer wird es entscheidend darauf ankommen, in welchen Bereichen der Arbeitsausfall eintritt", sagt Fachanwalt Johannes Schipp. Wenn dann noch eine Auswahlmöglichkeit für den Arbeitgeber verbleibt, wird die Auswahl nach billigem Ermessen erfolgen müssen. Der Arbeitgeber kann also nicht willkürlich verfahren.

In Unternehmen mit Betriebsräten unterliegen die Einführung der Kurzarbeit und die Regelung der Einzelheiten zudem der Mitbestimmung des Betriebsrats. Hier kann der Arbeitgeber also nicht einseitig die Dinge festlegen.

Wann muss der Arbeitgeber Kurzarbeit ankündigen?

Eine gesetzliche Frist, bis wann ein Arbeitgeber die Belegschaft über anstehende Kurzarbeit informieren muss, gibt es nicht. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sehen aber in aller Regel entsprechende Regelungen vor.

Kann der Arbeitgeber mich zwingen, erst einmal Urlaub abzubauen?

Ja. Denn Kurzarbeit kann der Arbeitgeber erst anmelden, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und der Betrieb alles getan hat, um ihn zu vermindern oder zu beheben. "Das bedeutet, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches 'abgefeiert' werden müssen", erklärt Arbeitsrechtler Schipp. Folglich sind Überstunden während der Kurzarbeit auch eigentlich nicht erlaubt.

Zudem sei es möglich, Urlaub anzuordnen, soweit die betreffenden Urlaubstage nicht schon genehmigt sind. Urlaub, der schon genehmigt ist, könne vom Arbeitgeber nicht ohne Weiteres wieder gestrichen werden.

Zur Frage, in welchem Rahmen Urlaub angeordnet werden kann, gibt es laut Schipp keine eindeutigen Regeln. Seiner Einschätzung nach kann es aber in einer Pandemie-Situation durchaus möglich sein, dass Arbeitnehmer die Hälfte oder zwei Drittel ihres Urlaubsanspruchs erst einmal einsetzen müssen. Dringende betriebliche Gründe stehen dann den Urlaubswünschen der Arbeitnehmer entgegen.

Darf ich während der Kurzarbeit Urlaub nehmen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Einige Unternehmen dürften jedoch trotzdem darauf dringen, den Urlaub erst nach Ablauf der Kurzarbeit zu nehmen.

Denn: Das Urlaubsentgelt, also den Lohn während Ihrer Abwesenheit, muss der Arbeitgeber in voller Höhe zahlen – der Spareffekt durch die Kurzarbeit entfällt. Für Sie als Arbeitnehmer heißt das: Für die Zeit Ihres Urlaubs erhalten Sie Ihr ganz normales, ungekürztes Gehalt.

Die Zahl Ihrer Urlaubstage kann sich durch Kurzarbeit theoretisch reduzieren. Ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) vergleicht Arbeitnehmer in Kurzarbeit dabei mit Teilzeitkräften, die, je nachdem wie viel Prozent sie arbeiten, weniger Urlaubstage als Vollzeitbeschäftige erhalten. In der Regel jedoch gewähren Arbeitgeber den Jahresurlaub in vollem Umfang.

Dürfen Kurzarbeiter einen Nebenjob haben?

Ja. Wer bereits vor Beginn der Kurzarbeit einer Nebentätigkeit nachgegangen ist, kann dies weiter tun. Der Verdienst hat keine Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergelds.

Bis Ende 2020 durften alle Arbeitnehmer bis zur vollen Höhe ihres Netto-Monatseinkommens, das sie bislang bekommen hatten, dazuverdienen. Diese Regel ist allerdings ausgelaufen.

Für Beschäftigte, die bis Ende März 2021 einen Minijob aufnehmen, gilt diese Ausnahmeregel bis Ende 2021. Bis dahin wird der Lohn aus der geringfügigen Beschäftigung nicht aufs Kurzarbeitergeld angerechnet.

Wie wirkt sich das Kurzarbeitergeld auf die spätere Rente aus?

Beziehen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, sind sie weiter in der Rentenversicherung versichert. Die Beiträge zur Rentenversicherung werden während der Kurzarbeit auf der Basis des tatsächlich gezahlten – also des reduzierten – Verdienstes des Beschäftigten gezahlt.

Konkret heißt das: Wer in Kurzarbeit geschickt wird, sammelt für die Dauer der verringerten Arbeitszeit weniger Rentenanspruch. Der Ausfall ist jedoch nicht sonderlich hoch.

  • Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat bisher einen monatlichen Verdienst in Höhe von 3.000 Euro brutto gehabt. Während der Kurzarbeit reduziert sich sein Verdienst auf 1.500 Euro brutto monatlich. Ein Jahr Beschäftigung ohne Kurzarbeit ergäbe hier einen Rentenanspruch von knapp 29,40 Euro monatlich. Bei einem Jahr Kurzarbeit sind es aktuell nur rund 26,40 Euro. Der Unterschied beträgt also drei Euro im Monat.

Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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