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Handelsverbände sprechen: Deswegen sind die Supermarktregale leer

Werden Lebensmittel knapp?  

Der Grund für Deutschlands leere Supermarkt-Regale

17.03.2020, 19:08 Uhr
Großteil der Geschäfte in Deutschland muss schließen

Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien dürfen weiterhin öffnen. Für diese Bereiche soll sogar das Verkaufsverbot an Sonntagen ausgesetzt werden.

Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien: Obwohl die meisten Geschäfte geschlossen bleiben müssen, gibt es Ausnahmen. (Quelle: Reuters)


In Supermarktregalen fehlen momentan häufig Lebensmittel. Viele Menschen fragen sich: Ist die Versorgung noch gesichert? Und wird es noch schlimmer? Die Antworten der Handelsverbände beruhigen.

Viele Menschen stehen derzeit vor leeren Supermarktregalen. Gleichzeitig heißt es, an der Grenze kommt es zu großen Staus und Verzögerungen. Gibt es deshalb also nun Lieferengpässe? Müssen sich die Deutschen Sorgen machen, dass Waren dauerhaft ausverkauft sind?

"Im Moment sehen wir keine Lieferengpässe", sagte Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels t-online.de. Es könne jedoch vereinzelt zu Verzögerungen kommen, sagte er. "Wir sprechen dabei lediglich von Stunden oder maximal einem Tag."

Lage an der Grenze wird sich wieder entspannen

Der Verband fordert von der Politik dennoch Hilfen. "Wenn es keine Überholspuren für LKW gibt, kann sich die Lage womöglich verschärfen", sagte Böttcher t-online.de. "Wir gehen aber davon aus, dass es sich an der Grenze in den nächsten Tagen entspannt." Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich am Dienstag für so genannte Sonderspuren auf Autobahnen ausgesprochen.

Diese sollen dafür sorgen, dass der Verkehr an der Grenze besser rollt. Der eingeschränkte Grenzverkehr – "soweit wir das überblicken können" – habe aber keinen Einfluss auf Warenlieferungen aus dem Ausland, so Klöckner.

In Deutschland selbst würden "Grundnahrungsmittel in ausreichender Menge produziert und verarbeitet", betonte die Ministerin und verwies auf den hohen Selbstversorgungsgrad bei Kartoffeln, Weizen, Milcherzeugnissen und Schweinefleisch. Klöckner machte ebenfalls deutlich: "Die Supermärkte bleiben geöffnet, alles andere sind Falschmeldungen."

"Wir werden nicht verhungern"

Auch die Handelsverbände der Bundesländer sind nicht alarmiert. "Wir werden nicht verhungern", sagte Fabian Schulz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Saarland, t-online.de. Die Menschen sollten sich keine Sorgen machen, dass es zu Engpässen kommt. "Unsere Lager sind gut gefüllt."

Um frische Lebensmittel wie Obst oder Gemüse müssten sich die Menschen ebenfalls nicht sorgen, sagte Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Mittelrhein-Rheinhessen-Pfalz. "Die Waren werden stets gekühlt." Beim Transport gebe es deshalb einen gewissen Spielraum. "Es kommt nicht auf ein, zwei Tage an. LKW-Ladungen von Salatköpfen werden nicht verfaulen", sagte er. 

"Jetzt zahlt sich auch der Umstieg auf regionale Produkte aus", fügte Schulz vom saarländischen Handelsverband hinzu. Verzögerungen würden alsbald ausgeglichen. "Dann kommen die Erdbeeren eben aus einem anderen Gewächshaus", sagte er. "Auch für frische Lebensmittel gilt: Engpässe wird es nicht geben."

Regale sind wegen Hamsterkäufen leer – nicht wegen Lieferengpässen

Doch warum sind dann die Regale leer? "Das Personal kommt schlichtweg nicht hinterher", so Schulz. "Das liegt an den völlig unnötigen Hamsterkäufen." Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: "Es gibt aktuell keine Anzeichen für Versorgungsengpässe und deshalb keinen Grund für Panik- oder Hamsterkäufe."

Sie seien in der jetzigen Situation auch "unsolidarisch, da sie die Verunsicherung in der Bevölkerung vergrößern und in manchen Fällen tatsächlich zu zeitweisen Engpässen in der Verfügbarkeit von Lebensmitteln oder medizinisch notwendigen Produkten im Handel führen könnten."

Das sieht auch Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord. "Die hohe Nachfrage trifft auf weniger Mitarbeiter", sagte sie. Deswegen könne es dazu kommen, dass die Regale nicht sofort aufgefüllt würden.

"Spätestens am nächsten Tag sollten die Produkte jedoch wieder in den Regalen sein", sagte Petersen. Es sei nachvollziehbar, dass sich die Menschen deshalb sorgten. "Dafür gibt es aber keinen Grund."

"Überleistung" der Supermarkt-Mitarbeiter

Viele Mitarbeiter der Supermärkte seien momentan zu Hause, um ihre Kinder zu betreuen. Zum Teil kämen die Mitarbeiter jedoch nicht oder nur mit Problemen über die Grenze, besonders über die polnische, sagte sie. "Was die Beschäftigten in den Lebensmittelmärkten gerade machen, ist eine Überleistung", so Petersen. "Das muss man an dieser Stelle auch mal loben."

Die Lebensmittelmärkte suchen wegen der enormen Nachfrage händeringend nach Mitarbeitern. "Wer in unseren Märkten jetzt als Aushilfe tätig werden möchte, kann sich unkompliziert bewerben", sagte Rewe-Chef Lionel Souque am Montag.

Auch Edeka und Netto forderten Interessenten auf, sich direkt in der nächsten Filiale zu melden. Die Händler hoffen nicht zuletzt auf Studenten, die wegen der Schließung der Universitäten aktuell nichts zu tun haben.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Mit Material von AFP und dpa

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