Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse >

Coronavirus-Krise: Wieso schenkt Donald Trump US-Bürgern 1.000 Dollar?

1.000 Dollar für jeden?  

Die Haken an Trumps "Helikoptergeld"-Idee

Von Mauritius Kloft

19.03.2020, 15:56 Uhr
USA: Das ist Trumps Eine-Billion-Dollar-Plan für die Wirtschaft

US-Präsident Donald Trump hat sein erstes Konjunkturpaket vorgestellt, mit dem er die Wirtschaft in Zeiten des Coronavirus unterstützen will. (Quelle: Reuters)

Donald Trump: Der US-Präsident will mit einem umfassenden Konjunkturpaket gegen die finanziellen Auswirkungen der Coronavirus-Krise kämpfen. (Quelle: Reuters)


Die US-Regierung will die Wirtschaft ankurbeln und dafür den Bürgern Geld schenken. Doch wie sinnvoll ist das "Helikoptergeld"? Und wäre das auch für Deutschland zu empfehlen?

Die US-Regierung kämpft gegen die Corona-Krise: Donald Trump will rund 500 Milliarden Dollar (450 Milliarden Euro) direkt an die Bürger verteilen, gestaffelt nach Einkommen und Familiengröße. So soll es 1.000 US-Dollar (rund 925 Euro) für Erwachsene und 500 US-Dollar (rund 460 Euro) für Kinder geben, sagte Finanzminister Steven Mnuchin dem Fernsehsender Fox Business.

In der Ökonomie spricht man bei solchen direkten Zahlungen oft von "Helikoptergeld", von Geld also, das jeder Bürger ohne Gegenleistung erhält – als würde es aus einem Hubschrauber abgeworfen. So soll in einer Krise der Konsum und damit die Wirtschaft stimuliert werden.

Direkte Schecks an die Bürger? Klingt per se erst einmal nach einer guten Idee. Nicht umsonst ist Helikoptergeld auch in Europa und in Deutschland wieder in der Diskussion. Doch kann die Bundesregierung überhaupt Helikoptergeld ausschütten? Und wenn ja: Warum macht sie es nicht?

Was ist Helikoptergeld überhaupt?

Als Helikoptergeld im klassischen Sinne bezeichnet man eine Maßnahme, die eine Zentralbank in der Theorie ergreifen kann. Gemeint ist, dass zum Beispiel die Europäische Zentralbank (EZB) allen Bürgern der Eurozone einen pauschalen Betrag auf ihre Konten überweist; Geld, das sie vorher, bildlich ausgedrückt, durch ein paar Mausklicks erschaffen hat.

Die ökonomische Idee dahinter: Die Menschen sollen mehr konsumieren – und durch eine höhere Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen die Wirtschaft antreiben. Im Falle von Trumps Idee lässt sich im engeren Sinne gar nicht von Helikoptergeld sprechen. Denn auch in den USA hat die Zentralbank Fed die Hoheit über die Notenpresse.

Trump müsste sein Geldgeschenk an die Bürger folglich aus der Steuerkasse bezahlen und lässt es sich von der Fed nur finanzieren, indem diese Staatsanleihen kauft (siehe unten). Viele Menschen aber bezeichnen auch solche direkten Transfers oder Schecks der Regierung an die Bürger trotzdem umgangssprachlich als Helikoptergeld.

Von wem bekomme ich das Geld?

Wenn man vom klassischen Helikoptergeld spricht, bekommen Sie das Geld direkt von der Zentralbank. Da Deutschland als Mitglied der Eurozone keine eigene Zentralbank mehr hat, müsste solch "echtes" Helikoptergeld von der EZB kommen. In der Praxis ist es aber so, dass direkte Transfers im Instrumentarium der EZB gar nicht vorgesehen sind.

Was die Regierung von Donald Trump in den USA jedoch verteilen will, ist kein Helikoptergeld im klassischen Sinne. Denn das Geld, das in Form von Schecks an die Bürger ausgegeben werden soll, wird nicht extra von einer Notenbank gedruckt.

Stattdessen wird es aus dem US-Haushalt bezahlt. Die US-Notenbank Fed refinanziert den Haushalt jedoch über den Kauf von Staatsanleihen. Auch in Deutschland ist es theoretisch möglich, dass die Regierung jedem Bürger einen bestimmten pauschalen Betrag überweist (siehe unten).

Warum gibt es bislang kein Helikoptergeld?

Weil es de facto gar nicht möglich ist – zumindest nicht im Falle des klassischen Heliktopergeldes. Dann nämlich müsste die EZB eigens Geld drucken, das sie dann an die Bürger überweist. In ihrem Werkzeugkasten zur Stimulierung der Wirtschaft sind solche direkten Transfers aber gar nicht vorhanden.

Sie hat theoretisch andere Möglichkeiten, um den Geschäftsbanken Geld zu besorgen und die Finanzmärkte zu beruhigen. Momentan sind die meisten dieser Möglichkeiten allerdings ausgeschöpft. So kann sie beispielsweise den Leitzins nicht senken, da sich dieser seit 2016 auf einem Rekordtief von null Prozent befindet. Oder sie kann ihr Anleihenankauf-Programm erweitern, wie jüngst geschehen.

Wenn direkte Transfers von der Bundesregierung ausgegeben werden, müsste das wohl der Bundestag auf Vorschlag des Kabinetts um Kanzlerin Angela Merkel beschließen. Die Bundesregierung hat aber bislang andere Prioritäten gesetzt.

So hat sie beispielsweise für eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes gesorgt. Dass die Bundesregierung andere Maßnahmen ergreift, liegt auch daran, dass Möglichkeiten wie Helikoptergeld oder direkte Schecks an die Bürger sehr umstritten sind, weil sie verschiedene Probleme bergen (siehe unten).

Was sind die Vorteile von Helikoptergeld?

Der entscheidende Vorteil ist: Die Menschen kommen schnell und unkompliziert zu Geld. Das kann ihnen helfen, wenn sie beispielsweise wegen ausfallender Löhne Mietschulden nicht begleichen können. Außerdem – so die Idee – soll das Helikoptergeld für mehr Konsum sorgen. Die Menschen sollen sich für das "Extra"-Geld etwas gönnen und einkaufen gehen.

Diese Konsumausgaben wären wiederum die Einnahmen von Händlern, die mit dem Geld ihre Mitarbeiter bezahlen und Investitionen tätigen können. Wie bei einer sonstigen Subvention durch den Staat soll auch bei Helikoptergeld auf diese Weise ein sogenannter Multiplikatoreffekt eintreten. Das heißt: Mit einer Einmalzahlung an alle schubst der Staat in der Theorie eine Reihe weiterer Ausgaben an, die die Wirtschaft in Schwung versetzen. 

Was sind die Probleme von Helikoptergeld?

Das Hauptproblem von Helikoptergeld, wenn es von einer Zentralbank ausgegeben wird, ist die Entwertung des Geldes, also die Inflation. Gemeint ist damit Folgendes:

Ist mehr Geld im Umlauf, können sich mehr Menschen mehr leisten – zum Beispiel Autos. Die Nachfrage nach Autos steigt also. Da die angebotene Menge an Autos aber nicht im gleichen Maße wächst, heben die Hersteller allmählich die Preise für Neuwagen an. Auf diese Weise kommt eine höhere Teuerungsrate oder Inflation zustande.

Viele Experten sehen Helikoptergeld deshalb kritisch. Denn wenn die Preise langfristig steigen, bringt es wenig, wenn die Bürger einmalig mehr Geld auf dem Konto hatten. Die dahinterliegende Befürchtung: Sind die Preise erst einmal gestiegen, verharren sie zunächst auf dem höheren Niveau.

Darunter wiederum leiden vor allem diejenigen, die ohnehin nicht viel Geld haben und die Transferleistung von der EZB beispielsweise für das Begleichen von Rechnungen oder Mietschulden benötigen. Dann könnte sich die Krise nur weiter verschärfen.

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Helikoptergeld nicht zielgerichtet genug ist. Das bedeutet: In der Regel bekommen es alle Bürger – und nicht nur die, die am meisten unter einer Krise leiden.

Auch direkte Schecks vom Staat bergen Probleme

Wenn es sich umgekehrt nicht um klassisches Helikoptergeld von der Zentralbank handelt, sondern um staatliche Transferleistung, wie jetzt in den USA diskutiert, wird zwar kein neues Geld gedruckt, die Geldmenge und Inflation steigen deshalb nicht. Allerdings führen solche direkten Schecks zu anderen Problemen: Das Geld wird aus dem Staatshaushalt bezahlt, also letztlich vom Steuerzahler. Es fehlt also wieder an anderer Stelle.

Unabhängig davon ist es ohnehin fraglich, ob die Bürger in einer Krise wie der aktuellen mehr kaufen – zumal die meisten Geschäfte schließen oder bereits geschlossen sind. Womöglich führt eine direkte Zahlung auch eher zu mehr Hamsterkäufen, einer Entwicklung, von der die Einzelhandelsverbände eindringlich warnen.

Was sagen deutsche Ökonomen zu so einem Vorschlag?

Sie sind sehr skeptisch. So sagte Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der Nachrichtenagentur Reuters: "Jetzt brauchen spezielle Gruppen liquide Mittel, zum Beispiel Einzelunternehmer, Gastwirte, kleine Firmen. Denen muss gezielt geholfen werden." Eine pauschale Auszahlung an alle Bürger würde auch an Personen gezahlt, die das Geld gar nicht bräuchten.

Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts in München, sagte: "In den USA gibt es kein System der Grundsicherung wie etwa in Deutschland. Unterstützung gibt es für Menschen mit niedrigen Einkommen vor allem, wenn sie arbeiten. Genau das wird jetzt aber krisenbedingt massiv eingeschränkt."

"Deshalb ist es in den USA sinnvoll, Schecks an Haushalte zu verschicken", so Fuest. "Nicht aber in Deutschland. Bei uns arbeiten die automatischen Stabilisatoren wie Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Pressemitteilung Ifo-Institut
  • Handelsblatt
  • Mit Material von dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal