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Lufthansa in der Corona-Krise: Nur fünf Prozent aller Flüge finden statt

Flüge auf Bruchteil reduziert  

Lufthansa-Chef sieht "kleinere Gruppe" nach der Corona-Krise

19.03.2020, 14:19 Uhr | top, mak, dpa, rtr

Lufthansa in der Corona-Krise: Nur fünf Prozent aller Flüge finden statt. Chef in Sorge: Carsten Spohr ergreift drastische Maßnahmen in der Corona-Krise. (Quelle: Reuters)

Chef in Sorge: Carsten Spohr ergreift drastische Maßnahmen in der Corona-Krise. (Quelle: Reuters)

Lufthansa ist in einer schweren Krise: Nur noch fünf Prozent der Flüge finden statt, Kurzarbeit ist geplant, die Vorstandsgehälter sinken. Schuld ist das Coronavirus. Jetzt könnte die Gruppe kleiner werden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht in der Zukunft wegen der Corona-Krise eine "kleinere Lufthansa-Gruppe vor uns". Das sagte er am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz des vergangenen Jahres. Er gelange zunehmend zu der Erkenntnis, "dass die Welt in dieser Branche nach Corona eine andere sein wird", sagte der Manager. Dies gelte auch für seinen Konzern.

Was die Äußerung von Spohr genau bedeutet, konnte ein Lufthansa-Sprecher auf t-online.de-Anfrage nicht sagen. "Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass Teile des Konzerns verkauft werden."

Er könne sich eher vorstellen, dass die Lufthansa-Flotte der Nachfrage angepasst werde, und so der Konzern "organisch" schrumpfe. "Wann das sein könnte und in welchem Umfang, steht jedoch noch völlig in den Sternen." Die Gruppe bemühe sich auf jeden Fall darum, dass keine Mitarbeiter gefeuert werden. "Bis jetzt ist das nicht geplant."

Drastische Schritte bei Lufthansa

Die Lufthansa ist wie alle anderen Airlines von der Pandemie massiv betroffen. Die Nachfrage ist wegen der Ansteckungsgefahr eingebrochen, viele Länder verhängten Einreisestopps.

Nur dank eines bis Mitte April laufenden Sonderflugplans für Heimkehrer werden demnächst noch fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge stattfinden. Rund 700 der 763 Flugzeuge der Flotte stünden am Boden.

"Dieser außergewöhnlichen Situation müssen wir mit drastischen und zum Teil schmerzhaften Maßnahmen begegnen", sagte Spohr. Es wird derzeit die Schließung weiterer Flugbetriebe geprüft.

Etwa 31.000 Beschäftigte müssten in Kurzarbeit gehen, die Dividende falle aus und der Vorstand verzichte auf 20 Prozent seiner Grundvergütung, heißt es von der Lufthansa. Spohr hatte bereits vergangene Woche in einer Videobotschaft an die Beschäftigten erklärt, staatliche Hilfe werde womöglich gebraucht.  Nun hat er seinen Hilferuf an den Staat bekräftigt. "Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann", erklärte er.

Weltweit milliardenschwere Finanzspritzen für die Airlines

Die Lufthansa werde in allen Heimatmärkten mit den Regierungen darüber sprechen. Die belgische Tochter Brussels Airlines hat den Staat bereits um Finanzhilfe gebeten, nach Medienberichten um 200 Millionen Euro. Der internationale Airline-Verband IATA warnte vor Pleiten in der Luftfahrt. Die Fluggesellschaften weltweit bräuchten voraussichtlich 150 bis 200 Milliarden Dollar an staatlichen Finanzspritzen.

Den Flugbetrieb musste die Lufthansa drastisch reduzieren. Die Töchter Austrian Airlines und Brussels Airlines heben für einige Wochen gar nicht mehr ab. Die Kernmarke Lufthansa und die Schweizer Tochter Swiss fliegen ein Minimalprogramm weiter. Langstreckenflüge ab München seien eingestellt. In Europa werden nur noch einige Metropolen angeflogen.

Kosten und Investitionen runter

Wie aus der Präsentation hervorgeht, fuhr die Lufthansa die Kapazitäten in den vergangenen Wochen im Gleichschritt mit den Buchungsrückgängen herunter. Etwa 60 Prozent der Kosten, so etwa für Treibstoff, Verpflegung der Passagier oder Gebühren, seien variabel und fielen weg.

Die Fixkosten sollen durch Einsparungen beim Personal, bei Wartung, Leasing und drastisch geringere Investitionen um ein Drittel oder rund zweieinhalb Milliarden Euro auf gut fünf Milliarden Euro sinken. Luftfahrt-Analyst Daniel Röska von Bernstein Research lobte angesichts der Einsparungen Spohrs Krisenmanagement: "Dies sollte den Investoren die Gewissheit geben, dass das Management die Entwicklungen voll im Griff hat."

Einen Ausblick auf das Jahr 2020 wagt die Lufthansa nicht. Das bereinigte Betriebsergebnis soll "deutlich" zurückgehen. Im vergangenen Jahr schon sank das Ergebnis das zweite Jahr in Folge. Der Konzerngewinn halbierte sich fast auf 1,2 Milliarden Euro, während der Umsatz um 2,5 Prozent kletterte auf 36,4 Milliarden Euro.

Lufthansa sei finanziell gut gerüstet

Die bereinigte operative Marge sank auf 5,6 von acht Prozent. Als Gründe führte die Lufthansa höhere Treibstoffkosten, eine schwächere Nachfrage wegen des Konjunkturabschwungs und Preisdruck durch den scharfen Wettbewerb in Europa an. Darunter litt vor allem die Billigflugtochter Eurowings, die weiter Verlust schrieb, wenn auch deutlich weniger als im Vorjahr.


"Die Lufthansa Group ist finanziell gut gerüstet, um auch einer außergewöhnlichen Krisensituation wie der jetzigen zu begegnen", erklärte der Dax-Konzern. Die Finanzverschuldung der Airline beläuft sich auf 4,3 Milliarden Euro.

In gleicher Höhe verfügt die Lufthansa aktuell über liquide Mittel. Zusätzlich gebe es eine Kreditlinie über 800 Millionen Euro. "Weitere Mittelaufnahmen befinden sich aktuell in Umsetzung."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagenturen Reuters und dpa

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