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Führt der Coronavirus zur Finanzkrise? "Die Kurse werden wieder steigen"

INTERVIEWFinanzexperte erklärt  

"Die Kurse werden auf mittlere Sicht wieder steigen"

21.03.2020, 12:45 Uhr
Führt der Coronavirus zur Finanzkrise? "Die Kurse werden wieder steigen". Michael Schnoor: Den Anlageexperten erinnert die Corona-Krise an die Wirtschaftskrise 2008. (Quelle: Michael Althaus )

Michael Schnoor: Den Anlageexperten erinnert die Corona-Krise an die Wirtschaftskrise 2008. (Quelle: Michael Althaus )

Die Corona-Krise beschäftigt auch den Risikomanager Michael Schnoor aus Hamburg. t-online.de erklärt er, was die Parallelen zur Weltfinanzkrise 2008 sind – und was Anleger jetzt tun sollten.

Der Finanzexperte Michael Schnoor (49) ist Risikomanager in Hamburg und arbeitet beim Indexanbieter sysShares. Er sieht Parallelen bei den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und der Wirtschaftskrise 2008.

t-online.de: Herr Schnoor, welche Risiken birgt das Coronavirus für die Wirtschaft?

Michael Schnoor: Die Ausbreitung des Virus löst eine Rezession aus mit einer Halbierung der globalen Wachstumsrate. Wie lange sie anhält, lässt sich aus heutiger Sicht nicht sagen.

Gab es in der Vergangenheit bereits vergleichbare Situationen?

Eine Pandemie mit so starken Folgen für die Weltwirtschaft ist völlig neu. Es gibt allerdings Parallelen zur Finanzkrise 2008. Bei der Beratung unserer Kunden nutzen wir die Daten von damals und simulieren, ob ihr Unternehmen in einer ähnlichen Situation überleben würde. 

Ein Marktverkäufer bedient mit einem Mundschutz die Kunden: Menschen versuchen, ihren Alltag trotz Pandemie zu bestreiten. (Quelle: dpa/Axel Heimken)Ein Marktverkäufer bedient mit einem Mundschutz die Kunden: Menschen versuchen, ihren Alltag trotz Pandemie zu bestreiten. (Quelle: Axel Heimken/dpa)

Wo konkret liegen die Parallelen?

2008 hatten wir eine Finanzkrise, von der viele Branchen und Sektoren betroffen waren. Unternehmen gingen insolvent, weil sie keine Aufträge mehr bekamen oder nicht mehr produzieren konnten, und es gab eine Zurückhaltung beim Konsum. Die ganze Wirtschaft ist kollabiert. Das steht uns nun auch bevor. Durch die massiven Kursverluste an der Börse haben wir mindestens schon eine Teil-Finanzkrise.

Was kommt auf Unternehmen zu?

Ein großes Problem ist die Abhängigkeit von China. Dort werden viele Produkte hergestellt, auf die unsere heimischen Unternehmen angewiesen sind. Wenn Sie diese Produkte nicht mehr bekommen, können sie auch selbst nicht mehr produzieren. Das führt zu Insolvenzen und Entlassungen. Alternative Märkte, auf die die Unternehmen zurückgreifen könnten, sind nur schwer erreichbar.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Vor allem die Industrie und der Handel.

Was raten Sie betroffenen Unternehmen?

Sie sollten ihre Risikotragfähigkeit überprüfen und schauen, was der schlimmstmögliche Fall wäre, den sie überleben könnten, ihren sogenannten Value-at-Risk.

Ein Hapag-Lloyd-Containerschiff fährt in den Hamburger Hafen ein: Derzeit kommen weniger Container an als üblich. (Quelle: dpa/Archivbild/Christina Sabrowsky)Ein Hapag-Lloyd-Containerschiff fährt in den Hamburger Hafen ein: Derzeit kommen weniger Container an als üblich. (Quelle: Archivbild/Christina Sabrowsky/dpa)

Ist es dafür nicht jetzt schon zu spät?

Es wäre natürlich besser, wenn sich Unternehmen schon vor der Krise mit dem Risikomanagement auseinandergesetzt hätten. Viele haben das ja auch getan und sind vorbereitet.

Die Bundesregierung hat den Zugang zu Kurzarbeitergeld und die Aufnahme von Krediten erleichtert, die EZB hat weitere Anleihenkäufe angekündigt. Halten Sie diese Hilfen für ausreichend?

Das ist das, was von der Politik zu erwarten ist. 2008 wurden ähnliche Maßnahmen ergriffen. Leider ist heute eine Stimulation der europäischen Wirtschaft durch eine Zinssenkung nicht mehr möglich, weil wir schon einen Negativzins haben. Der nächste Schritt wäre nun, dass sich – ähnlich wie 2008 – der Staat an kriselnden Unternehmen beteiligt.

Sie sind auch Finanzmarktexperte. Wie beeinflusst die Corona-Krise das Geschehen an der Börse?

Die Marktteilnehmer setzen auf fallende Kurse. Sie tätigen massenhaft sogenannte Leerverkäufe. Sie verkaufen also Aktien, die sie gar nicht besitzen, in der Erwartung, durch fallende Kurse Gewinne zu erzielen. Dadurch rauschen die Indizes weiter in den Keller.

Was würden Sie Anlegern in der aktuellen Situation raten?

Einen konkreten Ratschlag möchte ich nicht geben. Ich persönlich würde auf keinen Fall in fallende Märkte verkaufen. Im Gegenteil: Jetzt die günstigen Aktien kaufen und die Krise aussitzen. Die Kurse werden auf mittlere Sicht wieder steigen.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Michael Schnoor 

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