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Coronavirus: Ministerium befürchtet Finanzkrisen in Brasilien und Türkei

Interner Bericht  

Ministerium befürchtet Finanzkrisen in Brasilien, Türkei und Südafrika

24.03.2020, 16:21 Uhr
Coronavirus: Ministerium befürchtet Finanzkrisen in Brasilien und Türkei. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: Um die negativen Folgen der Corona-Krise abzumildern, legen er und Finanzminister Olaf Scholz ein umfassendes Hilfsprogramm auf. (Quelle: Reuters/Annegret Hilse)

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: Um die negativen Folgen der Corona-Krise abzumildern, legen er und Finanzminister Olaf Scholz ein umfassendes Hilfsprogramm auf. (Quelle: Annegret Hilse/Reuters)

Laut einem Bericht aus dem Wirtschaftsministerium droht den Währungen der Entwicklungsländer wegen der Corona-Krise eine Entwertung. Das könnte auch für andere Länder zum Problem werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Minister Peter Altmaier (CDU) stellt sich darauf ein, dass die Corona-Krise in einzelnen Entwicklungsländern zu einer Finanzkrise führen könnte. Das geht aus einem internen Lagebericht des Ministeriums vom Montag hervor, der t-online.de vorliegt. Auslöser dafür könnte eine Abwertung der Landeswährungen sein.

Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Verschuldung der Unternehmen in den Schwellenländern führt zu starken Abwertungen der Schwellenländerwährungen." Es bestünde die "Gefahr von Finanzkrisen insbesondere in der Türkei, Südafrika und Brasilien."

Tatsächlich zeigt sich die Abwertung der Währungen schon jetzt sehr deutlich – besonders am Beispiel Südafrika. Seit Mitte Februar gab der südafrikanische Rand um 16 Prozent nach. Waren 100 Rand am 16. Februar noch knapp 6,23 Euro wert, sind es inzwischen nur noch 5,23 Euro. Der brasilianische Real verlor im selben Zeitraum rund 14 Prozent seines Wertes: Waren für 100 Real Mitte Februar noch knapp 21 Euro fällig, kostet dieselbe Summe jetzt nur noch 18 Euro.

Die möglichen Folgen eines solchen Währungsverfalls in den Schwellenländern: Kapitalgeber könnten ihre Investitionsmittel abziehen oder Kredite nicht mehr verlängern, weil sie Angst haben, dass ihr Geld später nichts mehr wert ist. Innerhalb des Landes kann das zu einer Kreditklemme führen, die wiederum weitere Probleme auslöst, etwa bei Banken, die plötzlich Liquiditätsengpässe bekommen. Doch auch über die Landesgrenzen hinaus kann eine Währungskrise eines einzelnen Landes für Schwierigkeiten sorgen – dann nämlich, wenn ein Land seine Schulden in Fremdwährungen nicht mehr bedienen kann.

Entwarnung bei Telefonkonferenz-Anbietern

Daneben geht der Bericht des Ministeriums auf die Auswirkungen ein, die die Corona-Krise schon jetzt auf die deutsche Wirtschaft hat und künftig haben könnte. Zwar seien "direkte Effekte auf die deutsche Industrie noch nicht in den Daten sichtbar". Jedoch erwarteten alle Wirtschaftsinstitute inzwischen eine Rezession.

Weiter heißt es, dass auch Nachfragerückgänge im Tourismus, der Gastronomie, im Luftverkehr oder Messewesen "noch nicht quantifiziert" seien, also in Zahlen messbar. Ebenso wenig gebe es Engpässe in den inländischen und europäischen Lieferketten. Allerdings seien diese "für die nächsten Wochen nicht auszuschließen".

Entwarnung gibt es dem Papier zufolge dagegen seitens der Anbieter von Telefonkonferenzen und Streamingdiensten wie Netflix. Zwar habe der Datenverkehr um 40 Prozent zugenommen – jedoch reduzierten die Streaming-Anbieter den "Datendurchsatz im Unterhaltungsbereich, um Homeoffice zu erleichtern".

Bundesregierung legt Milliarden-Hilfsprogramm auf

Die Corona-Krise wird nach Ansicht vieler Ökonomen zum Teil verheerende Folgen auf die deutsche Wirtschaft haben. Wie groß die negativen Auswirkungen werden, hängt dabei maßgeblich davon ab, wie lange die Produktion still steht und Geschäfte geschlossen bleiben.

Zuletzt hatte das Münchner Ifo-Institut vorgerechnet, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr je nach angenommenem Szenario zwischen 7,6 und 20,6 Prozentpunkte schrumpfen könnte. Das entspreche Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro. "Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Um die Folgen möglichst gering zu halten, hat die Bundesregierung umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise beschlossen. Der sogenannte Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), den Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) am Montag vorgestellt hatten, ist mit rund 600 Milliarden Euro ausgestattet und bietet neben Krediten auch Soforthilfen für notleidende Firmen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Lagebericht des BMWi
  • Mit Material der Nachrichtenagentur AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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