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Geschlossene Läden bedeuten für viele Freiheitsverlust

Aktuelle Umfrage  

Wie die Coronakrise unser Einkaufsverhalten ändert

Von Mauritius Kloft

26.03.2020, 10:10 Uhr
Geschlossene Läden bedeuten für viele Freiheitsverlust. Ein geschlossener Apple Store: Wegen der Coronakrise mussten viele Geschäfte schließen. Das bedeutet für viele den Verlust von Freiheit, wie eine Umfrage herausfand. (Quelle: imago images/Max Stein)

Ein geschlossener Apple Store: Wegen der Coronakrise mussten viele Geschäfte schließen. Das bedeutet für viele den Verlust von Freiheit, wie eine Umfrage herausfand. (Quelle: Max Stein/imago images)

Eine Umfrage zeigt, wie wichtig den Deutschen das Einkaufen ist – und wie viele Menschen gerade Vorräte angelegt haben. Experten rechnen derweil damit, dass das Hamstern bald aufhört. Verbote brauche es nicht.

Die wegen der Coronakrise geschlossene Geschäfte bedeuten für jeden dritten Deutschen den Verlust von Freiheit. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) hervor. 

Besonders schlägt sich dieses Gefühl bei den 30- bis 49-Jährigen nieder. In dieser Altersgruppe gaben 40 Prozent an, dass "Kaufeinschränkungen" ein geringeres Maß an Freiheit bedeuteten. Älteren Menschen jenseits von 70 Jahren sind die geschlossenen Geschäfte und damit verbundenen weniger Einkaufsmöglichkeiten demnach weniger wichtig. In dieser Altersgruppe sagten nur 18 Prozent der Befragten, dass sie sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. 

"Wir sehen in der Erhebung, wie wichtig das Einkaufen für die Menschen in Deutschland ist – auch als soziale Komponente", sagte IFH-Geschäftsführer Boris Hedde auf t-online.de-Anfrage. "Wir müssen uns jetzt die Bedeutung des Einkaufens für die Menschen bewusst machen."

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Die Befragung unter rund 1.000 Deutschen fand vor den am Sonntag beschlossenen Kontaktverbot statt, jedoch nach der Schließung zahlreicher Geschäfte vergangene Woche. Diese findet ein Großteil der Befragten in Ordnung, wie auch Hedde betont. "Gleichzeitig haben wir herausgefunden, dass 57 Prozent der Befragten die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen sehen", so der IFH-Chef. 

"Attraktivität der Innenstädte könnte erheblich leiden"

Dennoch sei ein gewöhnliches Einkaufsverhalten für die Menschen wichtig. Deshalb müsse die Politik jetzt handeln. "Wenn viele Geschäfte die Durststrecke nicht überstehen, leidet darunter die Attraktivität der Innenstädte erheblich", sagte Hedde.

Durch die Schließungen zahlreicher Geschäfte ist auch der Umsatz im Handel eingebrochen. Der Handelsverband HDE hatte sich bereits vergangene Woche an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt, und die Politik um weitere Hilfe gebeten. "Tausende selbstständige Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen werden durch den massiven Umsatzausfall vernichtet", hieß es in einem Brief an Merkel, über den auch t-online.de berichtete.

Lebensmittelbranche profitiert von Coronakrise

Unberührt von den Umsatzausfällen ist bislang der Lebensmittelhandel. Sie profitiert von Hamsterkäufen, wie auch die IFH-Studie veranschaulicht. So gaben 31 Prozent der Befragten an, in der Coronakrise mehr Lebensmittelvorräte als üblich angelegt zu haben. 17 Prozent kauften demnach mehr Hygieneartikel wie beispielsweise Toilettenpapier als sonst.

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

"Wenn ich mir die leeren Regale in den Märkten anschaue, wirkt dieser Prozentsatz auch auf mich gering", sagte Hedde. "Bei Lichte betrachtet und in absolute Werte umgerechnet ist das aber schon eine große Zahl an Leuten, die jetzt dafür sorgen, dass regelmäßig Nudeln und Toilettenpapier fehlen."

Die Hamsterkäufe beobachtet derzeit auch Mareike Petersen vom Handelsverband Nord. "Es ist ein Gruppeneffekt eingetreten, die Angst, nichts mehr zu bekommen", sagte sie. Eine völlig unbegründete Angst, wie sie betont. Denn die Lieferketten seien intakt, lediglich die Mitarbeiter kämen manchmal nicht nach mit dem Einräumen der Regale.

Hamsterkäufe haben ihren Höhepunkt überschritten

Marktforscher Hedde geht derweil davon aus, dass die Hamsterkäufe längst ihren Höhepunkt erreicht hätten. "In einer nächsten Erhebung werden wir sehen, dass sich die Situation beruhigt hat", sagte er t-online.de. Die Menschen würden diese Krisensituation derzeit als normal betrachten. 

Ähnlich sieht es der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), der ebenfalls an eine Entspannung der Lage glaubt. Das liege maßgeblich an drei Faktoren, so Christian Böttcher, Leiter Politik und Kommunikation beim BVLH:

  1. Der Verteilungseffekt: Durch die Arbeit von zu Hause gingen viele Menschen eher über den Tag verteilt einkaufen und nicht mehr abends nach Büroschluss. "Auch der Ansturm zum Wochenende hat sich verringert", sagte Böttcher.
  2. Die Abstandsregeln: Die Maßnahmen der Regierung würde man auch beim Einkaufen sehen. Durch das verhängte Kontaktverbot seien viel weniger Menschen unterwegs. Und die einzelnen Länder hätten eigene Regeln für die Supermärkte, beispielsweise, dass nur eine bestimmte Anzahl in die Märkte dürfe. "Die Leute haben sich mittlerweile etwas an diese neuartige Situation gewöhnt", sagte Böttcher.
  3. Die Vorratslager: "Wir gehen davon aus, dass die Vorräte mittlerweile voll sind", sagte Böttcher. Das gelte auch für Toilettenpapier, das zu einem Symbol der Krise geworden ist.

Hamsterkauf-Verbot sei unnötig

Durch ein Zusammenspiel dieser Effekte wären die Hamsterkäufe zurückgegangen, ein Verbot dieser wie in Frankfurt oder Hanau wäre deshalb unnötig. Wenn überhaupt plädiert Böttcher für eine bundesweit einheitliche Regelung. "Dieser föderale Flickenteppich macht den Supermärkten die Arbeit sehr schwer", sagte er.

Einen Vorteil jedoch hätte das Hamsterkauf-Verbot: die Mitarbeiter könnten bei Auseinandersetzungen mit Kunden auf die entsprechende Verordnung verweisen. "So bekommen die Supermarktmitarbeiter auch Rückendeckung", sagte Böttcher. "Das Nervenkostüm ist, denke ich, bei vielen Mitarbeitern momentan verständlicherweise etwas dünn."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Mareike Petersen
  • Gespräch mit Boris Hedde
  • Gespräch mit Christian Böttcher
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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