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Einreiseverbot für Saisonarbeiter: Wird jetzt der deutsche Spargel teurer?

Saisonarbeiter fehlen  

Corona-Krise gefährdet Ernte: Wird der Spargel jetzt teurer?

27.03.2020, 10:20 Uhr
Helfer wegen Coronavirus-Pandemie fehlen: Wie kommt der Spargel von den Feldern?

Viele Hektar Spargel warten auf Deutschlands Feldern darauf, geerntet zu werden. Wegen der Corona-Krise fehlen Tausende Erntehelfer. (Quelle: Reuters)

Erntehelfer dringend gesucht: So sieht es durch die Corona-Krise derzeit auf Deutschlands Feldern aus – Experten schlagen Alarm. (Quelle: Reuters)


Seit Mittwoch dürfen keine Saisonkräfte mehr ins Land. Für die Spargelernte fehlen nun Tausende Helfer. Was heißt das für Verbraucher? Steigen jetzt die Spargelpreise?

Das Einreiseverbot für Saisonkräfte bringt Deutschlands Spargelbauern in Bedrängnis. Immer lauter klagen sie über fehlende Arbeiter – und befürchten, dass wegen der Corona-Krise ein Teil der Ernte im Boden bleiben müsse. 

Wie es auf den Feldern aussieht und wie Experten Alarm schlagen, sehen Sie auch oben im Video oder hier.

"Es sind noch lange nicht alle Saisonarbeiter da, die gebraucht werden", sagt etwa Christiane James von der Spargelstraße NRW, der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe, auf t-online.de-Anfrage. Auch Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, ist verzweifelt. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht", sagt er.

Zwar hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigt, den Bauern helfen zu wollen: Unter anderem sollen Saisonarbeitskräfte über die bisherige 70-Tage-Regel hinaus für bis zu 115 Tage sozialversicherungsfrei in Deutschland arbeiten können.

"Für uns ist das eine Katastrophe"

Doch es fehlten tausende Arbeitskräfte aus Polen oder Rumänien. "In den vergangenen Jahren brauchten wir mehr als 160.000 Erntehelfer für die Spargelernte", so Schumacher.

Wie viele genau schon im Land seien, sei bislang unklar. Fest stehe nur: "Es sind deutlich zu wenig. Für uns ist das eine Katastrophe. Bei vielen Landwirten geht es um die Existenz."

Um Abhilfe zu schaffen, hat Klöckner jüngst ein neues Internetportal gestartet. Die Plattform "daslandhilft.de" soll Betriebe und Helfer aus Deutschland zusammenbringen. Schumacher zufolge helfe das aber nur bedingt. "Gute Ideen sind zwar schön, werden den Bedarf aber nicht decken", sagt er. Auf fachfremde Arbeiter zurückzugreifen, sei beim Spargelstechen ohnehin nicht sonderlich praktikabel, sagt James. "Wir brauchen Leute, die erfahren sind auf dem Gebiet, sonst stechen sie den Spargel kaputt."

Womit viele Bauern rechnen: Ein Teil des Spargels muss dieses Jahr im Boden bleiben. Wie groß der Ernteausfall letztlich werde, lasse sich zwar derzeit noch nicht schätzen. "Klar ist aber, dass es weniger wird", so Schumacher. "Das Angebot wird geringer ausfallen."

"Wir hoffen, dass sich die Leute etwas Spargel gönnen"

Die naheliegende Folge für Verbraucher wären höhere Preise. Das aber sieht Schumacher noch nicht. "Wir gehen erst einmal nicht von höheren Preisen aus", sagt er. Der Grund: Neben dem Angebot, das weniger wird, sinke auch die Nachfrage. "Die Gastronomie fällt praktisch weg." Restaurants sind seit Sonntag geschlossen, auch vorher hatten viele schon verkürzte Öffnungszeiten.

Auch andere Verkaufswege abseits der Supermärkte seien derzeit nicht möglich. "Normalerweise wird fast jede zweite Stange an einem Stand an der Straße verkauft", sagt Schumacher. Wegen des Kontaktverbots sei das derzeit aber nicht möglich.

Hinzu komme, dass gerade Menschen in Kurzarbeit oder Selbstständige, die jetzt weniger verdienen, womöglich weniger Spargel kaufen würden – weil sie weniger Geld zur Verfügung haben. "Wir hoffen jedoch, dass die Leute sich jetzt auch mal etwas gönnen und Spargel aus Deutschland kaufen", so Schumacher.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Christiane James
  • Gespräch mit Simon Schumacher
  • Bundesinnenministerium
  • Bundeslandwirtschaftsministerium
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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