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Ifo-Chef Fuest über Corona: "Hilfspaket kann die Rezession nicht beseitigen"

Ifo-Chef Fuest  

"Das Hilfspaket kann die Rezession nicht beseitigen"

Von Ursula Weidenfeld, Marc Krüger, Florian Schmidt

27.03.2020, 16:08 Uhr
Ifo-Chef Fuest über Corona: "Hilfspaket kann die Rezession nicht beseitigen". Ifo-Präsident Clemens Fuest: Der Ökonom hält das Hilfspaket zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für richtig. (Quelle: imago images/Jens Jeske)

Ifo-Präsident Clemens Fuest: Der Ökonom hält das Hilfspaket zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für richtig. (Quelle: Jens Jeske/imago images)

Profitieren auch Unternehmen, die eigentlich insolvent gehen würden, von den Corona-Staatshilfen? Ja, sagt Ifo-Chef Clemens Fuest. Dennoch sei das Rettungspaket richtig.

Das Hilfsprogramm der Bundesregierung für die deutsche Wirtschaft birgt laut dem Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, die Gefahr, dass der Staat Firmen rettet, die auch ohne die Corona-Krise eigentlich pleite gehen müssten. "Es ist ganz klar, dass jetzt auch Unternehmen Hilfe bekommen, die eigentlich innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre geschlossen werden müssten", sagte Fuest t-online.de.

"Das aber muss man hinnehmen", so der Ökonom weiter. "In der aktuellen Lage ist es das kleinere Übel im Vergleich dazu, mit sehr komplizierten Anträgen hier noch Unterschiede zu machen."

Das Hilfspaket, das der Bundestag am Mittwoch auf Vorschlag der großen Koalition beschlossen hatte, hat ein Gesamtvolumen von rund 600 Milliarden Euro. Ein Teil des Geldes steht für Bürgschaften zur Verfügung, mit denen der Bund über die Förderbank KfW Bankkredite von Unternehmen absichert, die wegen der Corona-Krise in finanzielle Nöten kommen.

Ein anderer Teil, rund 50 Milliarden Euro, soll als Soforthilfen direkt an die Unternehmen fließen. Dieses Geld müssen die Firmen nicht zurückzahlen.

Um die Ausgaben zu stemmen, nimmt der Bund in diesem Jahr rund 156 Milliarden Euro neue Schulden auf. Das Parlament billigte dafür ein Abweichen von der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse, die solch hohe Neuverschuldungen eigentlich verbietet, und verabschiedete einen Nachtragshaushalt.

Das Geld müsse nun schnell fließen

Im Gespräch mit t-online.de lobte Fuest das Rettungspaket. "Es ist richtig, dass das Parlament die Hilfen auf den Weg gebracht hat", sagte Fuest. "Es geht darum, zu verhindern, dass Unternehmen massenhaft in die Insolvenz rutschen."

Wichtig sei nun, dass die Liquiditätshilfen auch schnell bei den betroffenen Firmen ankämen. "Wir müssen verhindern, dass durch lange Antragsverfahren die Insolvenz eintritt, ehe das Geld da ist", sagte er. "Das hat die Bundesregierung aber erkannt. Daran wird gearbeitet."

Grundsätzlich dürfe allerdings niemand zu hohe Erwartungen an das Hilfspaket haben. "Jedem sollte bewusst sein: Das ist ein Paket, das die Nebenwirkungen des Einfrierens unserer Wirtschaft nur abfedert", so Fuest weiter. Es sei jedoch kein Paket, das ein Stoppen der Wirtschaft verhindere. "Deshalb kann das Hilfspaket die Rezession auch nicht beseitigen, sondern nur verhindern, dass sie tiefer wird als vermeidbar."

Fuest: Zinsen auf deutsche Staatsanleihen werden steigen

Dass der Staat im großen Stil Kredite vergibt oder für Unternehmen, die sich bei ihrer Bank verschulden, bürgt, ist nicht gänzlich unumstritten. Schon jetzt gilt als wahrscheinlich, dass nicht alle Firmen ihre Schulden später tilgen können, dass es zu Kreditausfällen kommt, für die dann der Staat gerade steht.

Dazu sagte Fuest: "Einige Kredite werden sicherlich ausfallen. Der größte Teil des Geldes, das kann man erwarten, kommt zurück." Das gelte auch für etwaige Staatsbeteiligungen, eine Form der Hilfe, die zuletzt schon im Falle der Lufthansa diskutiert wurde.

Fuest rechnet deshalb damit, dass Deutschland auf längere Zeit eine höhere Staatsverschuldung habe – und dass die Zinsen für deutsche Staatsanleihen mittelfristig steigen werden. "Statt wie aktuell Geld von seinen Schuldnern einzustreichen, wird Deutschland künftig für seine Schulden auch wieder Zinsen zahlen müssen", sagte Fuest.

Aktuell gelten für deutsche Staatsanleihen noch negative Zinsen. Das heißt: Wer eine Staatsanleihe kauft, dem deutschen Staat damit einen Kredit gibt, erhält zum Ende der Laufzeit weniger Geld zurück als er verliehen hat. "Wenn man jetzt aber viele Anleihen auf den Markt wirft, werden die Zinsen sehr schnell in den positiven Bereich gehen", so Fuest. "Deshalb sollte die Bundesregierung die aktuell noch negativen Zinsen nutzen, um möglichst langfristige Laufzeiten zu wählen". 

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Ifo-Präsident Clemens Fuest

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