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Corona-Krise: Unsere "Helden des Alltags" – so wenig verdienen sie

Applaus, aber schlechte Löhne  

So wenig verdienen die "Helden des Alltags"

03.04.2020, 07:37 Uhr | sms, dpa

Corona-Krise: Unsere "Helden des Alltags" – so wenig verdienen sie. Schutz vor dem Coronavirus: Auch Kassiererinnen zählen in der derzeitigen Ausnahmesituation zu den "systemrelevanten Berufen". (Quelle: imago images/HMB-Media)

Schutz vor dem Coronavirus: Auch Kassiererinnen zählen in der derzeitigen Ausnahmesituation zu den "systemrelevanten Berufen". (Quelle: HMB-Media/imago images)

Während der Corona-Krise werden sie gefeiert und gelobt: Ärzte, Pflegekräfte, Kassierer, Postboten – sie alle gelten als Helden des Alltags. Doch die meisten von ihnen verdienen wenig Geld mit ihrer Arbeit. Eine Übersicht. 

Applaus von Balkonen, Dankeswellen über soziale Medien und jede Menge Lob: Während der Corona-Krise werden besonders die sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen für ihre Arbeit nahezu gefeiert. Doch was sie eigentlich bräuchten, wären höhere Gehälter, kritisieren viele Pfleger, Kassierer oder Krankenschwestern. Wie viel verdienen sie wirklich?

Altenpfleger, Lkw-Fahrer und Kassierer unter dem Schnitt

Altenpfleger, Lastwagenfahrer oder Beschäftigte im Einzelhandel erhalten teils deutlich weniger als Fachkräfte in der Gesamtwirtschaft, wie aus einer Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts hervorgeht.

Vergleichsweise hohe Einkommen über dem deutschen Mittelwert von 3.327 Euro haben demnach medizinische und pflegerische Fachkräfte im ausgewerteten Jahr 2019 erzielt. Hier reicht die Spanne der durchschnittlichen Brutto-Monatsverdienste von 8.545 Euro für Krankenhausärzte in leitender Stellung über 4.524 Euro für Intensivpfleger bis zu 3.502 Euro für einfache Fachkräfte wie Krankenpfleger und Pflegerinnen. Diese machen gut die Hälfte des Krankenhauspersonals aus, so die Statistiker. Angelernte Kräfte im Krankenhaus kommen demnach ohne Sonderzahlungen auf 2.763 Euro brutto.

Fachkräfte in Pflegeheimen bekommen weniger 

In Alten- und Pflegeheimen müssen einfache Fachkräfte mit unterdurchschnittlichen 3.116 Euro Brutto-Monatslohn zurechtkommen. Am wenigsten gibt es im Einzelhandel zu verdienen, wo über alle Leistungsgruppen hinweg im Schnitt nur 2.345 Euro gezahlt werden, gut 40 Prozent unter dem bundesweiten Wert für Produktion und Dienstleistungen. Fachkräfte bekommen im Handel 2.186 Euro und die große Gruppe der Angelernten sogar nur 1.980 Euro bei einem Vollzeitjob. Mitarbeiter in der Gebäudebetreuung wie beispielsweise Reinigungskräfte verdienten 2019 im Schnitt zwischen 2.260 (Angelernte) und 3.555 Euro (herausgehobene Fachkräfte).  

Mit 3.374 Euro liegen Fachkräfte bei Polizei und Feuerwehr ungefähr im Durchschnitt. Unterdurchschnittlich verdienen auch Fachkräfte bei der Abfallentsorgung, in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln, der Gebäudereinigung, im Garten- und Landschaftsbau oder im regionalen Personennahverkehr.

Eine Übersicht der monatlichen Brutto-Durchschnittslöhne von Arbeitnehmern in "systemrelevanten Berufen" im Jahr 2019 (ohne Sonderzahlungen):

BrancheLeitende FunktionHerausgehobene FachkräfteFachkräfteAngelernteInsgesamt
Nahrungsmittelherstellung6.5614.1532.8652.5133.102
Getränkeherstellung 
7.1384.8513.6363.2493.935
Energieversorgung7.4215.0894.0253.3145.137
Abfallentsorgung 
6.8544.4933.1802.7793.315
Lebensmitteleinzelhandel 
4.4872.9702.1861.9802.345
Personenbeförderung im Regionalverkehr 
5.8723.9643.0062.5773.067
Güterbeförderung im Straßenverkehr 
6.1983.7152.5542.3652.624
Krankenhäuser 
8.5454.5243.5022.7634.774
Altenheime 
5.4994.0113.1162.3533.176
Öffentliche Sicherheit und Ordnung (u.a. Polizei, Feuerwehr) 
6.4344.4993.3742.6763.824
Gebäudebetreuung (z.B. Reinigung); Garten- und Landschaftsbau 
5.6393.5552.7562.2602.700
Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungsbereich (Gesamtwirtschaft) 7.269 4.7623.3272.6823.994

Quelle: Statistisches Bundesamt (29. März 2020)


Großteil der "systemrelevanten Berufe" unterdurchschnittlich bezahlt

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat auf einer anderen Datengrundlage errechnet, dass rund 90 Prozent aller Menschen in den systemrelevanten Berufen unterdurchschnittlich verdienten. Hier seien auch überdurchschnittlich viele Frauen tätig. Gutverdiener wie Ärzte oder IT-Spezialisten fielen zahlenmäßig kaum ins Gewicht. Der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn liege mit 18 Euro unter dem Schnitt aller Berufe mit 19 Euro.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verlangte höhere Gehälter für die Betroffenen. "Applaus allein reicht nicht", erklärte die Vize-Vorsitzende Elke Hannack in Berlin. "Harte Arbeit, bescheidener Lohn, damit muss spätestens nach Corona Schluss sein. Die Dankbarkeit sollte sich regelmäßig zum Monatsende niederschlagen, in harten Euros auf dem Gehaltszettel."

Wer in diesen Berufen arbeite, soll davon leben können, die Miete bezahlen und den nächsten Urlaub mit der Familie, meinte die Gewerkschafterin. "Auf die derzeitige gesellschaftliche Dankbarkeit muss endlich echte Aufwertung folgen, etwa durch die Ausweitung der Tarifbindung."

Die Gewerkschaft Verdi brachte eine monatliche Prämie von 500 Euro in die Diskussion. Die Beschäftigten stünden unter extremer Belastung, zum Teil gefährdeten sie auch ihre Gesundheit, erklärte Verdi-Chef Frank Wernecke. "Die Arbeitgeber müssen sich dafür erkenntlich zeigen." Der Staat solle auf die vorgeschlagene Prämie keine Steuern erheben. 

Erste deutsche Lebensmittelhändler wollen das große Engagement ihrer Mitarbeiter während des Kundenansturms mit Sonderprämien belohnen. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe wird dafür über 20 Millionen Euro in die Hand nehmen, wie ein Unternehmenssprecher ankündigte. Das Geld soll an die Beschäftigten bei Rewe, aber auch bei der konzerneigenen Discountertochter Penny gehen.

Verwendete Quellen:
  • Statistisches Bundesamt

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