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Corona-Krise: "Wirtschaftsweise" fürchten Einbruch um bis zu 5,4 Prozent

Sondergutachten  

Corona-Krise: Ökonomen fürchten starken Einbruch der Wirtschaftsleistung

30.03.2020, 12:52 Uhr | mak, fls, dpa

Corona-Krise: "Wirtschaftsweise" fürchten Einbruch um bis zu 5,4 Prozent. Ein Betonarbeiter: Deutschlands Top-Ökonomen befürchten eine Rezession in Deutschland. (Quelle: imago images/Cavan Images)

Ein Betonarbeiter: Deutschlands Top-Ökonomen befürchten eine Rezession in Deutschland. (Quelle: Cavan Images/imago images)

Die "Wirtschaftsweisen" sorgen sich um einen Rückgang des BIP von bis zu 5,4 Prozent. Wie schwer eine Rezession letztlich sein wird, hängt davon ab, ob sich die Wirtschaft über den Sommer erholt – und wie schnell das geht.

Die "Wirtschaftsweisen" halten eine schwere Rezession in Deutschland durch die massiven Folgen der Coronavirus-Krise für unvermeidbar. Die deutsche Wirtschaft werde 2020 deutlich schrumpfen, heißt es in einem am Montag vorgelegten Sondergutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, landläufig als "Wirtschaftsweisen" bezeichnet.

Wie schlimm es genau kommt, sei derzeit wegen großer Unsicherheiten unklar. "Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung dürfte sein, ob es gelingt, die Ausbreitung des Coronavirus effektiv zu bekämpfen, sodass die verschiedenen Einschränkungen sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten schnell aufgehoben werden können", schreiben die Ökonomen in ihrem Gutachten.

Der Sachverständigenrat als Beratergremium der Bundesregierung legt drei denkbare Szenarien zugrunde. "In allen drei Szenarien beendet die Ausbreitung des Corona-Virus die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung abrupt, sodass eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland nicht zu vermeiden sein wird."

Top-Ökonom: "Es ist nicht wie in einem Krieg"

Als derzeit wahrscheinlichste Entwicklung sehen die Ökonomen eine Normalisierung der wirtschaftlichen Lage über den Sommer, so dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) unter dem Strich in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpft. Das würde einem V-Szenario entsprechen.

Volker Wieland, Mitglied der Wirtschaftsweisen, sagte bei einer Video-Pressekonferenz vor Journalisten: "Es ist nicht wie in einem Krieg. Sobald die Maßnahmen aufgehoben werden, können wir wieder so arbeiten wie vorher." Zum Vergleich: 2009 war die größte europäische Volkswirtschaft infolge der globalen Finanzkrise um 5,7 Prozent eingebrochen.

In den beiden ungünstigeren Szenarien wäre aus Sicht der Wirtschaftsweisen ein tieferer Einbruch 2020 denkbar, dem unter Umständen eine nur sehr schleppende Erholung 2021 folgt. Dieses Szenario in Form eines "langen U" könnte eintreten, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellt.

"Die getroffenen Politikmaßnahmen reichen dann womöglich nicht aus, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern", heißt es in dem Gutachten. Das BIP würde in einem solchen Szenario um 5,4 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2021 würde die Wirtschaftsleistung den Berechnungen zufolge mit 1,0 Prozent nur sehr langsam wachsen.

Top-Ökonom: "Dort investieren, wo es ruhiger ist"

Wieland hält es dabei für wahrscheinlich, dass es in einzelnen Branchen auch zu nachhaltigen Veränderungen durch die Corona-Krise kommen könnte: "Die eine oder andere Geschäftsreise wird dauerhaft wegfallen, weil die Unternehmen merken, wie gut auch Videokonferenzen funktionieren. Durch diese Verhaltensanpassungen wird es auch strukturelle Veränderungen geben – etwa in der Reisebranche." Auf die Gesamtwirtschaft bezogen sei das aber nur "ein sehr kleiner Teil der Volkswirtschaft."

Besonders in Mitleidenschaft gezogen würden Branchen, deren Umsätze durch die Ausgangsbeschränkungen kaum aufzuholen sind – zum Beispiel die Gastronomie und Hotels. Anders sähe es in Bereichen wie der Autoindustrie aus. Hier könnten die Konzerne sehr wohl damit rechnen, dass die Menschen, den geplanten Kauf eines Autos später nachholen, so Wieland.

Lars Feld, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen, plädiert in der Corona-Krise dafür, Investitionen dort vorzunehmen, "wo es durch die aktuellen Maßnahmen ruhiger ist." Wenn es die Kapazitäten im Baugewerbe zuließen, könnte man zum Beispiel jetzt Renovierungsarbeiten in Schulen vornehmen. "Möglich wäre es auch, Arbeiten auf Autobahnen anzuschieben, die derzeit viel leerer sind."

Bei Corona-Bonds sind sich Ökonomen uneins

Über die Einführung so genannter "Corona-Bonds" zeigten sich die Ökonomen derweil uneins. Feld sagte dazu: "Ich bin da eher skeptisch". Wirtschaftsweiser Achim Truger sagte: "Ich persönlich sehe es so, dass auch Corona-Bonds – in welcher Form auch immer – nötig wären."


Corona-Bonds sind gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten, um die Wirtschaft vor allem in Ländern wie Spanien oder Italien anzukurbeln. Bereits während der Finanzkrise 2008/2009 wurden sie in Form so genannter "Euro-Bonds" diskutiert, dann jedoch verworfen. Besonders Frankreich und Deutschland sprachen sich damals gegen eine gemeinsame Aufnahme von Schulden aus. Auch die EU-Kommission plant derzeit keine Corona-Bonds.

Zur Frage nach so genanntem Helikoptergeld, das klassischerweise die Zentralbank EZB, oder auch der Staat in Form von Gutschriften direkt an die Bürger verteilt, fällt das Urteil der Ökonomen klarer aus. "Insbesondere in Deutschland sind solche Konsumgutscheine nicht notwendig", sagte Feld und erteilte damit einem ähnlichen Vorgehen wie in den USA eine Absage. Auch für die EZB sollte Helikoptergeld keine Rolle spielen – die herkömmlichen Instrumente reichten aus.

Verwendete Quellen:
  • Video-Schalte zur Vorstellung des Sondergutachtens
  • Nachrichtenagentur dpa

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