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DIW-Chef Fratzscher über Corona-Krise: Milliarden-Konjunkturpaket nötig

Exklusiv  

Ökonom Fratzscher: Konjunkturpaket in Milliarden-Höhe nötig

31.03.2020, 17:35 Uhr
DIW-Chef Fratzscher über Corona-Krise: Milliarden-Konjunkturpaket nötig. Marcel Fratzscher: Der Ökonom ist Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). (Quelle: imago images/Jens Jeske)

Marcel Fratzscher: Der Ökonom ist Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). (Quelle: Jens Jeske/imago images)

Wie kommt die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder in Gang? DIW-Chef Marcel Fratzscher plädiert für ein umfassendes Konjunkturpaket. Das könnte teuer werden für den Staat.

Um die langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern, muss der Staat nach Ansicht des Ökonomen Marcel Fratzscher ein milliardenschweres Konjunkturpaket auflegen. Mit Blick auf die Zeit nach der ersten, akuten Phase der Krisen-Eindämmung sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Interview mit t-online.de: "In der zweiten Phase der Krisenbewältigung müssen wir uns darum kümmern, dass die Wirtschaft wieder ans Laufen kommt. Dafür braucht es auch ein großes Konjunkturprogramm."

Die Corona-Krise dürfte die deutsche Wirtschaft ihm zufolge stärker treffen als die Weltfinanzkrise in den Jahren 2008 und 2009. "Damals erholte sich die Wirtschaft schnell wieder – weil wir viel nach China und in die Schwellenländer exportieren konnten", sagte Fratzscher. Jetzt aber sei die gesamte Weltwirtschaft betroffen. "Wir können uns also nicht aus der Krise herausexportieren."

Wie hart genau die Corona-Krise die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht, ist derzeit noch offen und Gegenstand verschiedener Spekulationen und Prognosen. Zuletzt hatten die so genannten "Wirtschaftsweisen", das Beratungsgremium der Bundesregierung in ökonomischen Fragen, drei mögliche Szenarien aufgestellt. Alle gehen dabei von einem wirtschaftlichen Abschwung, genannt Rezession, aus. Im schlimmsten skizzierten Fall droht das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im laufenden Jahr um bis zu 5,4 Prozent zu schrumpfen.

Temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer

Auch Fratzscher hält eine Rezession für wahrscheinlich. Umso wichtiger sei es deshalb, dass die Bundesregierung schon jetzt darüber nachdenke, wie ein Ausstiegsszenario aus den aktuellen Schutzmaßnahmen aussehen könnte – und wie der Staat die Wirtschaft wieder in Fahrt bringen kann.

Konkret könne ein Konjunkturpaket mehrere Instrumente umfassen. Naheliegend seien etwa Steuersenkungen und Erleichterungen bei den Sozialbeiträgen für Unternehmen. "Der Staat könnte aber auch gezielt Forschung und Entwicklung unterstützen, indem er Innovationsziele setzt", so der Ökonom. "Langfristig sinnvoll wäre es, die Nachfrage durch öffentliche Investitionen anzustoßen."

Auf diese Weise könne die Bundesregierung unter anderem die Digitalisierung, aber auch den Klimaschutz vorantreiben. Zugleich müsse Deutschland wieder mehr in seine Infrastruktur investieren.

"Da die Corona-Krise aber auch für Arbeitslosigkeit und geringere Einkommen sorgen wird, können in der kurzen Frist auch Steuererleichterungen für die Bürger helfen", sagte Fratzscher. "Möglich wäre etwa eine temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer."

Kosten genauso hoch wie für schnelle Hilfen

Wie viel Geld genau die Regierung für ein solches Paket in die Hand nehmen müsste, ließ er zunächst offen. "Wir sollten uns aber darauf einstellen, dass der Staat für ein solches Paket mindestens so viel veranschlagen muss wie für die bereits beschlossenen Programme zur aktuellen Krisenbewältigung", so der DIW-Chef.


Die bisherigen Ausgaben des Bundes zur Krisenbewältigung lägen bei unter 150 Milliarden Euro. "In etwa entspräche ein solches Programm in Phase zwei dem, was wir jetzt schon in Phase eins zur Bekämpfung der Krise ausgeben."

Dass Deutschland zur Finanzierung der bereits beschlossenen und möglicher weiterer Hilfsprogramme neue Schulden aufnehmen muss, sieht er wenig kritisch. "Der Staat kann sich das leisten – denn er hat in den letzten zehn Jahren sehr solide gehaushaltet", sagte Fratzscher.

Gleichwohl sei klar, dass sich Finanzminister Olaf Scholz vom Mantra des ausgeglichenen Haushalts verabschieden müsse. "Zumindest in den nächsten drei Jahren wird die schwarze Null keine Rolle mehr spielen", so der Volkswirt. "Wenn alles gut geht, haben wir sie danach wieder."

Das komplette Interview mit DIW-Präsident Marcel Fratzscher lesen Sie am morgigen Mittwoch auf t-online.de.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit DIW-Präsident Marcel Fratzscher

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