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Coronavirus-Krise – Kurzarbeitergeld: Deutschland zahlt wohl am wenigsten

Europaweiter Vergleich  

Deutschland ist beim Kurzarbeitergeld Schlusslicht

01.04.2020, 20:12 Uhr | dpa

Coronavirus-Krise – Kurzarbeitergeld: Deutschland zahlt wohl am wenigsten. Antragsformular: Während der Corona-Krise bleiben die Aufträge vieler Unternehmen aus. Deren Mitarbeiter erhalten deshalb Kurzarbeitergeld. (Quelle: dpa/Jens Büttner)

Antragsformular: Während der Corona-Krise bleiben die Aufträge vieler Unternehmen aus. Deren Mitarbeiter erhalten deshalb Kurzarbeitergeld. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Deutschland zahlt weniger Kurzarbeitergeld als andere europäische Länder. Mehr noch: Bei der Höhe ist die Bundesrepublik sogar Schlusslicht unter den europäischen Staaten mit vergleichbaren Regelungen.

Die gesetzliche Höhe des Kurzarbeitergelds liegt in vielen europäischen Ländern deutlich höher als in Deutschland. Während die Beschäftigten hierzulande 60 beziehungsweise 67 Prozent ihres Nettogehalts bekommen, werden in anderen Staaten bis zu 100 Prozent gezahlt.

Das zeigt eine Übersicht, die am Mittwoch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht wurde. Allerdings wird das Kurzarbeitergeld demnach in immer mehr Branchen durch Tarifverträge aufgestockt.

Kurzarbeiterregelungen in 15 europäischen Ländern verglichen

Dem Kurzarbeitergeld kommt in der Corona-Krise eine zentrale Bedeutung zu. Bereits jetzt meldeten fast eine halbe Million Unternehmen Kurzarbeit an. Beim Kurzarbeitergeld springt die Bundesagentur für Arbeit ein und zahlt rund 60 Prozent des ausgefallenen Lohns; bei Arbeitnehmern mit mindestens einem Kind im Haushalt sind es 67 Prozent.

Das WSI verglich für seine Untersuchung die Kurzarbeiterregelungen in 15 europäischen Ländern. Deutschland ist dabei Schlusslicht bei der gesetzlichen Höhe der Leistung. In Irland, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen kompensiert das Kurzarbeitergeld demnach sogar bis zu 100 Prozent des Lohnausfalls.

Niedriglohnsektor profitiert nicht von Kurzarbeitergeld

In Deutschland wird das Kurzarbeitergeld allerdings in mehreren Branchen aufgestockt. Zum Teil gelten entsprechende Tarifverträge schon seit längerem, in manchen Bereichen wurden entsprechende Vereinbarungen in der Corona-Krise getroffen.

Die Forscher kritisierten aber, dass nur eine Minderheit von den Regelungen profitiere. "Insbesondere in den klassischen Niedriglohnsektoren gibt es oft keine tarifvertraglichen Zuschüsse zum staatlichen Kurzarbeitergeld", erklärten der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten, und Torsten Müller vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut in Brüssel. Hinzu komme, dass in Niedriglohnbereichen die Tarifbindung meist besonders niedrig sei.

Wissenschaftler fordern Aufstockung

"Gerade Beschäftigte mit geringem Einkommen können jedoch bei einem Nettoeinkommensverlust von 40 Prozent nicht lange über die Runden kommen", warnten die Forscher. Sie plädierten deshalb dafür, ähnlich wie in Österreich für die Zeit der Corona-Krise das Kurzarbeitergeld generell auf mindestens 80 Prozent aufzustocken. Für Beschäftigte im Niedriglohnsektor sollte es ihrer Ansicht nach sogar bei 90 Prozent liegen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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