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Wirtschaft schrumpft wegen Corona-Shutdowns um 9,8 Prozent

Neue Prognose  

Wirtschaft schrumpft wegen Corona-Shutdowns um 9,8 Prozent

08.04.2020, 10:21 Uhr | fls, rtr

Wirtschaft schrumpft wegen Corona-Shutdowns um 9,8 Prozent. Ein Container im Hamburger Hafen: Die Exporte der deutschen Industrie sind in Folge der Corona-Krise eingebrochen. (Quelle: dpa)

Ein Container im Hamburger Hafen: Die Exporte der deutschen Industrie sind in Folge der Corona-Krise eingebrochen. (Quelle: dpa)

Die Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus treffen die Wirtschaft hart. Eine neue Prognose zeigt, wie stark die Konjunktur dieses Jahr schrumpft – und wie sehr die Arbeitslosigkeit steigt.

Die deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute wegen der Virus-Krise vor einer dramatischen Talfahrt. "Die Corona-Pandemie löst eine schwerwiegende Rezession in Deutschland aus", teilten die Ökonomen am Mittwoch in ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung mit.

Gleichzeitig betonte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef am Münchner Ifo-Institut: "Wir glauben, dass die Epidimie nächstes Jahr überwunden sein wird – und dass Deutschland weitgehend ungeschoren herauskommt."

2020 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,2 Prozent schrumpfen und im nächsten Jahr voraussichtlich um 5,8 Prozent steigen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass es noch schlimmer kommen könnte.

"So könnte sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen als angenommen und auch das Wiederhochfahren der wirtschaftlichen Aktivität könnte schlechter gelingen und eine erneute Ansteckungswelle auslösen", so die Ökonomen.

2,4 Millionen Menschen in Kurzarbeit

Zudem könnten weitere Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung in Kraft treten, die die Produktion länger oder in größerem Umfang stilllegen könnten, warnten die Experten. "Verwerfungen im Finanzsystem als Folge zunehmender Unternehmensinsolvenzen würden wahrscheinlicher, die durch staatliche Schutzschilde nicht verhindert werden könnten", heißt es im Gutachten mit dem Titel "Wirtschaft unter Schock – Finanzpolitik hält dagegen".

Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das BIP um 1,9 Prozent geschrumpft sein, erklärten die Forscher. "Im zweiten Quartal bricht es dann als Folge des Shutdowns um 9,8 Prozent ein." Dies sei der stärkste je seit Beginn der Vierteljahresrechnung 1970 gemessene Rückgang und mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009.

Würde der aktuelle "Shutdown" der Wirtschaft um einen Monat verlängert, sinke das Wirtschaftswachstum um weitere 1,5 Prozentpunkte, wie Wollmershäuser während der Pressekonferenz sagte. "Das ist aber rein mechanische Berechnung unter der Annahme, das sonst alles gleich bleibt", so der Ökonom.

Auch am Arbeitsmarkt und im Staatshaushalt werde die Krise Spuren hinterlassen. "In der Spitze wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen", sagte Wollmershäuser. Im Durchschnitt stiegen die Arbeitslosenzahlen zum Vorjahr um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Millionen.

Staatsschulden steigen auf 70 Prozent der Wirtschaftsleistung

"Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte", sagte Wollmershäuser. Die günstige Finanzlage ermögliche es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen.

Diese führten 2020 zu einem Rekorddefizit beim Gesamtstaat (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung) von 159 Milliarden Euro. Der Bruttoschuldenstand des Staates werde auf 70 Prozent in Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt steigen.

Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erarbeitet wird das Gutachten vom DIW in Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom Kieler IfW, vom IWH in Halle und vom RWI in Essen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur Reuters

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