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Warum der Goldpreis steigt – und was das für Anleger bedeutet

Teures Edelmetall  

Warum der Goldpreis steigt – und was das für Anleger bedeutet

15.04.2020, 10:31 Uhr
Warum der Goldpreis steigt – und was das für Anleger bedeutet. Gefragte Krisenwährung: Wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie ist der Goldpreis stark gestiegen. (Quelle: Getty Images)

Gefragte Krisenwährung: Wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie ist der Goldpreis stark gestiegen. (Quelle: Getty Images)

Der Goldpreis knackt in der Corona-Krise einen Rekord nach dem nächsten. Noch nie hat das Edelmetall in Euro so viel gekostet wie jetzt. Gerade Anleger sollten die Gründe dafür kennen.

Als "historisch" bezeichneten Analysten in den vergangenen Wochen die Entwicklungen an den weltweiten Finanzmärkten, "gigantisch" seien die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Aktienhandel. Mindestens genauso bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung einer anderen Anlageklasse: Gold. Der Preis des Edelmetalls eilt in der Krise von einem Höchststand zum nächsten.

Die Gründe dafür sind vielfältig – und erschließen sich zum Teil erst auf den zweiten Blick. Dennoch sollten sich insbesondere Anleger mit ihnen beschäftigen, um Antworten auf die zentralen Fragen zu finden, die derzeit viele Menschen beschäftigen:

Hält diese Entwicklung an? Und sollte ich nun ebenfalls Geld in Gold investieren?

Neuer Preisrekord durch die Corona-Krise

Notiert in US-Dollar ist der Goldpreis seit Jahresbeginn um rund 14 Prozent, seit Mitte März um mehr als 15 Prozent gestiegen. Zuletzt kostete eine Feinunze des Edelmetalls am Dienstagabend mehr als 1.730 US-Dollar – so viel seit November 2012 nicht mehr. In Euro hat der Goldpreis sogar ein neues Rekordniveau erreicht: Mit einem Preis von zuletzt mehr als 1.580 Euro war Gold am Dienstag so teuer wie noch nie.

Ursache dieses Goldrausches ist die Corona-Krise – konkreter Auslöser der jüngsten Preisanstiege vor allem das Verhalten der Notenbanken:

Wie in fast allen Krisen der jüngeren und ferneren Vergangenheit nimmt Gold die Funktion eines Wertspeichers ein, es gilt als "Krisen-Währung". Bekommen es Anleger und Großinvestoren mit der Angst zu tun, etwa vor fallenden Aktienkursen, aber auch vor einer Inflation, flüchten sie in das Edelmetall.

Zentralbanken spielen entscheidende Rolle

Grund dafür ist, dass Gold einen "inneren" Sachwert besitzt – und die Menge trotz weiterer Förderung begrenzt ist. In der Sprache der Investoren gilt Gold deshalb als "sicherer Hafen", als Anlageobjekt also, das die Turbulenzen an den Finanzmärkten in der Regel übersteht und seinen Wert behält.

Auch in der Corona-Krise haben viele Anleger ihre Wertpapiere verkauft, um größere Verluste zu vermeiden – und stattdessen Gold gekauft. Verstärkt wird dieser Anstieg der Nachfrage und damit des Preises durch die Ankündigungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Um die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft einzudämmen, wollen beide Banken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen. Allein die Fed plant Ankäufe im Wert von bis zu 2,3 Billionen US-Dollar – Geld, das mittelfristig auch in den Wirtschaftskreislauf gelangt, weil es der Staat an Unternehmen als Zuschüsse verteilt oder Firmen beauftragt, zum Beispiel bei Investitionen in die Infrastruktur.

Niedrigzinsen machen Gold vergleichsweise billig

Durch diesen Anstieg der Geldmenge fürchten schon jetzt einige Investoren, dass langfristig die Inflation steigen könnte. Weil ihrem Barvermögen auf den Konten dadurch eine Entwertung droht, erscheint ihnen einmal mehr Gold als sicherer Parkplatz für ihr Geld.

Ein weiterer Treiber des Goldpreises sind die Zinsen, die Banken Anlegern bieten. Sie bleiben auf absehbare Zeit niedrig. Grund dafür sind ebenfalls die Krise und die Geldpolitik der Zentralbanken.

Denn noch weniger als zuvor können EZB und Fed jetzt den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei ihnen Geld leihen können, anheben – schließlich brauchen Unternehmen und Selbstständige aktuell günstige Kredite, um die Krise zu überstehen.

Die Folge: Die sogenannten Opportunitätskosten für Gold sinken. Damit sind die indirekten Kosten gemeint, die beim Kauf einer Ware durch den Verzicht auf den Kauf eines anderen Gegenstandes entstehen.

Corona-Shutdown bei Goldraffinerien sorgt für Lieferengpässe

Im Falle von Gold heißt das: Dass das Edelmetall weder Zinsen noch Gewinne in Form von Dividenden abwirft, ist für Investoren weniger dramatisch – weil es aufs Bankkonto ja ebenfalls kaum mehr Zinserträge gibt.

Langfristig weniger wichtig, kurzfristig aber von Bedeutung ist zudem, dass der Nachschub mit physischem Gold aktuell geringer ausfällt als vor der Corona-Krise. Verkürzt gesagt: Goldbarren waren jüngst Mangelware.

Grund dafür ist, dass die drei größten Goldraffinerien der Welt in der Schweiz im Zuge des Corona-Shutdowns die Goldbarren-Produktion zeitweise einstellen mussten. Zwar läuft der Betrieb inzwischen wieder an. Dennoch sind die weltweiten Lieferketten für Gold weiterhin durcheinander, sodass es auch in den nächsten Wochen zu Engpässen kommen kann – was wiederum den Preis treiben könnte.

Was das für Anleger heißt

Nicht wenige Menschen erwägen aufgrund all dieser Entwicklungen, nun selbst in Gold zu investieren, zumindest für die Dauer der aktuellen Krise. Bei dieser Entscheidung sind besonders zwei Punkte von zentraler Bedeutung:

  • Hohe Kosten: Wer erst jetzt mit einem Gold-Investment beginnt, zahlt dafür buchstäblich einen hohen Preis, womöglich einen zu hohen. Zwar wirkt es derzeit kaum so, als ob der Goldpreis absehbar stark fällt – vielmehr gehen Experten davon aus, dass er kurzfristig noch steigen dürfte und wegen der steigenden Staatsverschuldung auch langfristig auf einem hohen Niveau verweilt. Ausschließen aber kann einen plötzlichen Preissturz niemand. Denn: Gold ist ein reines Spekulationsobjekt, sein Preis ist sehr volatil. Auch in den Jahren der Weltfinanzkrise stieg der Goldpreis auf neue Höchststände, ehe er im Anschluss stark fiel.
  • Ein bekanntes Problem: Gold schafft keine Werte. So alt diese Weisheit ist, so wichtig ist sie angesichts des hohen Preises. Zwar sind die Zinsen niedrig, die fehlenden Renditezahlungen bei Gold dadurch weniger schmerzvoll. Gleichzeitig aber steigt mit jedem weiteren Krisentag die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Börsen wieder anziehen: Auch wenn die Aktienkurse kurzfristig noch einmal abstürzen sollten, gilt als sicher, dass sie mittelfristig wieder steigen. Der Vorteil von Aktien: Die Unternehmen erwirtschaften für ihre Anteilseigner häufig Gewinnbeteiligungen in Form von Dividenden.

Klar ist bei alldem: Wer jetzt mit einem Gold-Investment liebäugelt, zum Beispiel um sein Geld bis zum späteren Wiedereinstieg an der Börse zwischenzuparken, hat auch Alternativen. So gewinnt derzeit auch Silber an Wert.

Ebenfalls im Auge behalten sollten Anleger Platin. Der Vorteil dieses Edelmetalls gegenüber Gold: Es eignet sich nicht nur zum Werterhalt, sondern findet auch Anwendung in der Industrie – und ist wegen der Corona-Krise derzeit vergleichsweise günstig.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Commerzbank Commodities Daily
  • Handelsblatt
  • Capital
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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