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Corona-Maßnahmen: Wie groß sind eigentlich 800-Quadratmeter-Läden?

Lockerung des Lockdown  

Warum dürfen nur Läden bis 800 Quadratmeter Fläche öffnen?

16.04.2020, 16:26 Uhr
Corona-Maßnahmen: Wie groß sind eigentlich 800-Quadratmeter-Läden?. Menschenleere Fußgängerzone in Würzburg: Geschäfte bis 800 Quadratmeter sollen bald wieder öffnen. (Quelle: imago images/Ralph Peters)

Menschenleere Fußgängerzone in Würzburg: Geschäfte bis 800 Quadratmeter sollen bald wieder öffnen. (Quelle: Ralph Peters/imago images)

Geschäfte mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen. Doch wie kommt überhaupt diese Zahl zustande? Und was bedeutet diese Regel für den Einzelhandel?

Als am Mittwochabend Kanzlerin Merkel und Bayerns Ministerpräsident Söder vor die Presse traten, waren die Erwartungen in der Wirtschaft groß. Eine Nachricht sorgte besonders für Diskussionen: Geschäfte dürfen unter Auflagen wieder öffnen – aber nur solche mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern.

Unabhängig von der Fläche dürfen auch Autohändler, Fahrradhändler und Buchhandlungen wieder öffnen. Wie es genau umgesetzt werde, regeln die einzelnen Bundesländer.

Doch warum wurde diese Zahl gewählt? Wie groß sind 800 Quadratmeter überhaupt? Und was sagt der Handel dazu? t-online.de klärt die wichtigsten Fragen.

Warum dürfen Geschäfte bis 800 Quadratmeter wieder öffnen?

Durch diese Regelung wollen Bund und Länder das Infektionsrisiko möglichst gering halten. Es gehe vor allem darum, dass es in den Innenstädten nicht plötzlich zu neuen Infektionsketten komme, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin". Gemeint seien weniger die Geschäfte, sondern vor allem die Fußgängerzonen und Plätze mit großen Einkaufszentren und Kaufhäusern. Ebenfalls in der ARD sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU): "Eine normal gefüllte Fußgängerzone, wie wir das von früher kennen, können wir momentan auch nicht riskieren."

Über die 800-Quadratmeter-Regel hatten zuvor viele Menschen den Kopf geschüttelt. Auf viele wirkte es unlogisch, dass gerade größere Läden, in denen das Abstandhalten einfacher erscheint, nicht öffnen dürfen – kleine, engere Geschäfte aber schon.

Auch der Handelsexperte Peter Kenning von der Universität Düsseldorf hält die Grenze von 800 Quadratmetern für "etwas willkürlich" gewählt. "Man hätte diese wohl auch bei 700 oder 900 Quadratmetern setzen können", sagte er t-online.de.

Gleichzeitig zeigte er Verständnis für die Entscheidung, größere Geschäfte und Kaufhäuser zunächst geschlossen zu halten. "Mit der Regelung verfolgt die Bundesregierung vor allem das Ziel, das Leben in den Innenstädten schrittweise zu normalisieren." So könne in Geschäften auch besser kontrolliert werden, wie viele Menschen dort einkaufen.

Wie groß sind 800 Quadratmeter überhaupt?

Geschäfte mit einer Fläche von 800 Quadratmetern sind bereits relativ groß. Öffnen dürfen etwa mittelgroße Schuhgeschäfte mit nur einem Stockwerk. Laut dem Ökonomen Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) könnten etwa klassische Tedi-Filialen oder Läden des Schuhhändlers Deichmann wieder aufmachen. Handelsfachmann Kenning ergänzte: "Die Regelung betrifft vor allem inhabergeführte, mittelständische Geschäfte in Mittelzentren oder in ländlichen Strukturen."

Dürfen Geschäfte, die größer sind, öffnen?

Eigentlich nicht. Geschäfte mit einer Fläche von mehr als 800 Quadratmetern dürfen noch nicht wieder aufmachen. Das betrifft vor allem große Warenhäuser und Bekleidungsgeschäfte in den Innenstädten – zum Beispiel "Peek und Cloppenburg" oder die Kaufhäuser der "Galeria Karstadt Kaufhof"-Gruppe.

Es ist jedoch möglich, dass Geschäfte mit einer Fläche von mehr als 800 Quadratmetern einen Teil ihrer Fläche absperren – und dann öffnen. Kenning sagte dazu: "Denkbar wäre, dass große Häuser versuchen werden, nur zum Beispiel die Etage im Erdgeschoss für die Kunden zu öffnen."

In diesem Fall wäre es möglich, dass man nur in der Damenabteilung beispielsweise shoppen gehen könnte. Wie das jedoch umgesetzt würde, sei im Einzelfall zu prüfen.

Shopping-Malls, die insgesamt größer als 800 Quadratmeter sind, sind häufig ohnehin noch geöffnet, sofern es dort einen Supermarkt oder Discounter gibt. "Ich gehe davon aus, dass die anderen Geschäfte dort ebenfalls öffnen dürfen", sagte IW-Ökonom Rusche. Die genaue Ausgestaltung liege jedoch bei den Bundesländern.

Was sagt der Handel zu der Vereinbarung?

Der Handel kritisierte die Regel. Dieser Schritt führe zu "Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheiten", klagte etwa der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Mittwoch. Es gebe aus Sicht des Handels kein Sachargument für eine stufenweise Öffnung der Läden in der Corona-Krise. Abstands- und Hygieneregeln könnten sowohl in kleinen als auch in großen Geschäften eingehalten werden.

Handelsexperte Peter Kenning begrüßte die Regelung und widersprach der Kritik des Handelsverbands. Natürlich könne es durch die Regelung dazu kommen, dass das Bild in den Innenstädten zweigeteilt sei. "Dieser Eingriff in den Wettbewerb sollte in Kauf genommen werden, um die Gesundheit der Menschen zu gewährleisten."

Die Discounter KiK und Tedi sowie die Modekette Gerry Weber lobten die Entscheidung von Bund und Ländern. Auch Ökonom Rusche sagte: "Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung." Bald sollten jedoch unter Auflagen die nächsten folgen.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Christian Rusche
  • Gespräch mit Peter Kenning
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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