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Corona in Deutschland: 30.000 Euro Bußgeld für Verkauf von Antikörpertests

Apotheken gewarnt  

30.000 Euro Bußgeld für Verkauf von Corona-Antikörpertests

21.04.2020, 13:51 Uhr
Corona in Deutschland: 30.000 Euro Bußgeld für Verkauf von Antikörpertests. Eine Apotheke in München: Neben Desinfektionsmitteln interessieren viele Kunden auch die neuen Corona-Antikörpertests. (Quelle: dpa/Sven Hoppe)

Eine Apotheke in München: Neben Desinfektionsmitteln interessieren viele Kunden auch die neuen Corona-Antikörpertests. (Quelle: Sven Hoppe/dpa)

Nicht nur im Netz, auch in manchen Apotheken können Kunden inzwischen Antikörpertests für Corona kaufen. Die Abgabe dieser Tests ist aber eigentlich nicht erlaubt, wie ein internes Apotheker-Schreiben zeigt.

Die Aufregung um die neuen Corona-Antikörpertests spitzt sich weiter zu. Apotheker, die einen solchen Test an Kunden verkaufen, droht jetzt eine Geldbuße in Höhe von 30.000 Euro. Das geht aus einem internen Schreiben des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz hervor, das t-online.de vorliegt.

Der Grund: Bei den derzeit verkäuflichen Tests handelt es sich um Präparate, die gemäß der Medizinprodukte-Abgabeverordnung nicht für gewöhnliche Patienten geeignet sind – sondern ausschließlich für professionelles medizinisches Personal. Gemeint sind damit zum Beispiel Ärzte.

Wörtlich heißt es in dem schriftlichen Hinweis, der am Montag Tausende Apotheker erreichte: "Insbesondere eine Abgabe an Laien ist untersagt. Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass die Anwendung von Tests an Patienten in der Apotheke ebenfalls unzulässig ist."

Die neuen Antikörpertests sind umstritten

Anders als etwa bei Diabetes-Tests, die Apotheker an Kunden anwenden können, reicht es also nicht aus, dass ein Apotheker beim Testen unterstützt. Das Schreiben endet mit einer Warnung: "Die Verletzung des Abgabeverbots kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 30.000 Euro geahndet werden."

Die Antikörpertests, die inzwischen auf dem Markt sind und Rückschlüsse auf eine durchstandene Erkrankung am Coronavirus SARS-Cov-2 zulassen sollen, gelten als hoch umstritten. Die Schnelltests versprechen den Anwendern binnen weniger als 100 Minuten Gewissheit darüber, ob sie oder er das neue Virus hatte und wegen der gebildeten Antikörper möglicherweise schon immun ist.

Jedoch raten viele Experten wie der Virologe Christian Drosten vom Kauf eines solchen Tests für 30 bis 60 Euro ab, da sie nicht verlässlich sind. Nahezu alle Tests könnten "falsch positive" Ergebnisse liefern, dem Patienten also signalisieren, dass er immun ist – obwohl er womöglich nur eine normale Erkältung hatte, die durch eine andere Art des Coronavirus ausgelöst wurde, auf die der Test ebenfalls anschlägt.

Pharmaunternehmen entwickeln im Eiltempo neue Tests

Diese Ansicht vertritt auch Ursula Sellerberg, Sprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda). "Wir halten die Apotheken in Deutschland deshalb dazu an, die neuen Tests erst gar nicht zu verkaufen", sagte sie im Gespräch mit t-online.de.

Die Tests seien noch nicht spezifisch genug. "Und sie lassen sich eben nicht so einfach interpretieren wie ein Schwangerschaftstest. Bis es Tests gibt, die auch für Laien geeignet sind, wird es noch dauern."

Wie lange, lässt sich derzeit kaum sagen. In der Branche sprechen einige davon, dass es bereits im Mai so weit sei. Andere rechnen erst zum Ende des Sommers mit zuverlässigen Schnelltests. Fakt ist: Zahlreiche Pharmafirmen wittern angesichts der Verunsicherung wegen des Coronavirus das große Geschäft und entwickeln im Eiltempo neue Tests.

Tests benötigen keine behördliche Zulassung

Dass diese zügig auf den Markt kommen, liegt auch daran, dass die Hersteller die Präparate keiner staatlichen Behörde zur Begutachtung vorlegen müssen. "Anders als bei Arzneimitteln, die einer strengen Kontrolle unterliegen, reicht es, wenn eine europäische Zertifizierungsstelle grünes Licht gibt", so Sellerberg.

Wie wenig zuverlässig die Schnelltests sind, zeigten jüngst auch die Forscher um den Bonner Virologen Hendrik Streeck mit ihrer Studie im nordrhein-westfälischen Heinsberg. Dort, wo es sehr früh einen großen Ausbruch des Coronavirus gab, belegten sie, dass die Antikörpertests im Vergleich zu herkömmlichen PCR-Tests deutlich schlechtere Ergebnisse liefern.

Wie viele Menschen derzeit bereits einen der neuen Antikörpertests gekauft und angewendet haben, lässt sich laut Abda nicht sagen. Klar ist: Viele Apotheken haben sich beim Pharma-Großhändler bereits mit den neuen Tests eingedeckt.

Ausschließen lasse sich deshalb nicht, dass einige Apotheken die Tests auch schon verkauft hätten, sagte Sellerberg. Das größere Geschäft mit den Tests machten jedoch wahrscheinlich Online-Händler.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Schreiben des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz

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