Sie sind hier: Home > Finanzen > Corona-Krise >

Historischer Preissturz: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ölpreis

Nach Preissturz  

Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum negativen Ölpreis

21.04.2020, 16:38 Uhr
Historischer Preissturz: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ölpreis. Ölförderung in Kalifornien: Der Ölpreis ist wegen der Corona-Krise jüngst stark gefallen. (Quelle: imago images/Cavan Images)

Ölförderung in Kalifornien: Der Ölpreis ist wegen der Corona-Krise jüngst stark gefallen. (Quelle: Cavan Images/imago images)

Das Coronavirus trifft die Ölmärkte. Der Preis für amerikanisches Öl ist in den Minusbereich gefallen, auch die Nordseesorte Brent wird immer billiger. Was heißt das für die Weltwirtschaft – und was für Verbraucher?

Es sind nie da gewesene Entwicklungen, die der Rohölmarkt derzeit vollzieht: Zum Wochenbeginn stürzten die Preise für die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) erstmals in der Geschichte ins Negative auf einen Preis von minus 37,63 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Das heißt: Wer Öl hat und es loswerden will, musste dafür Geld bieten. Auslöser für den dramatischen Preissturz sind die eingebrochene Nachfrage in der Corona-Krise sowie ein technischer Effekt: sogenannte Termingeschäfte, die aus dem "schwarzen Gold" zumindest kurzfristig eine schwere finanzielle Last werden ließen.

Bei Termingeschäften zahlen Händler im Voraus einen bestimmten Preis für Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich geliefert werden soll. Verträge für die US-Sorte WTI mit Liefertermin Mai können noch bis diesen Dienstag gekündigt werden.

Geringe Nachfrage wegen der Corona-Krise

Dieser Termin fällt nun mitten in die Corona-Krise: Weltweit ist der Fahrzeug- und Flugverkehr eingebrochen, Fabriken wurden geschlossen. Die Nachfrage nach Öl ist historisch niedrig, die Ölpreise sind schon seit Wochen gefallen.

Deshalb einigten sich das Ölkartell Opec und seine Kooperationspartner vergangene Woche auf eine Kürzung ihrer Ölproduktion. Das Kartell will seine Produktion zunächst im Mai und Juni um rund zehn Millionen Barrel pro Tag kürzen – um den Angebotsüberschuss zu unterbinden und so die Preise zu stabilisieren.

Auch der Preis für Öl der Nordseesorte Brent rauschte wegen der Corona-Krise in den Keller und lag zeitweise bei unter 20 US-Dollar. Doch nicht nur die eingebrochene Nachfrage wird zum Problem: Die Öllager sind mittlerweile fast voll, das Öl muss zu Spottpreisen verscherbelt werden.

Doch was heißt das für die globale Wirtschaft? Und was bedeutet der Preisverfall für mich als Verbraucher? t-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet der Preisverfall für die Weltwirtschaft?

Für die Weltwirtschaft hat der historische Preisverfall erst einmal geringe Auswirkungen. Der Grund: Der Preis für Terminkontrakte ist zwar gefallen. Allerdings handeln damit größtenteils ohnehin nur Spekulanten, die kein Interesse daran haben, das Öl auch real zu kaufen.

Deshalb haben auch Produzenten, die auf das Rohöl angewiesen sind, wenig davon, dass der Preis so niedrig ist. Denn sie nehmen Rohöl meist in längerfristigen Verträgen ab. Ohnehin betraf der starke Preisverfall bislang nur das Leichtöl der Sorte WTI. Das ist vorwiegend für den amerikanischen Markt relevant – jedoch nicht für die globale Wirtschaft.

Allerdings fällt auch der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent. Zeitweise lag er sogar unter dem Wert von 20 US-Dollar und somit auf dem tiefsten Stand seit 2002. Diese Sorte wiederum könnte einen entscheidenden Einfluss auf die Weltwirtschaft haben, da sie auch abseits der USA genutzt wird.

Produzenten benötigen weniger Rohöl

Und durch die Corona-Krise bleibt die Nachfrage nach Rohöl weiter im Keller: Zahlreiche Produzenten benötigen momentan weniger Öl, weil sie ihre Betriebe stark heruntergefahren haben oder sogar schließen mussten.

Ein geringerer Preis wird also keine Entlastung für die Produzenten bringen, wie auch Thilo Schaefer, Leiter des Kompetenzfelds Umwelt, Energie, Infrastruktur am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), erläutert. "Das wird keinen wirklichen Effekt bringen", sagte er auf t-online.de-Anfrage.

Der Preisverfall könne die anderen negativen Effekte der Corona-Krise bei Weitem nicht ausgleichen, sagte Schaefer. "Ohnehin gilt, dass niemand sagen kann, wie lange die Krise noch dauert." Langfristig habe ein niedriger Ölpreis zudem mehr negative als positive Folgen, so der Ökonom: "Die Produzenten akzeptieren eher einen höheren Ölpreis als die dauerhaften Folgen der Corona-Krise."

Läutet der Preisverfall das Ende des Öl-Zeitalters ein?

Nein. Denn die weltweite Industrie hängt noch stark vom Öl und seinen Erzeugnissen ab. So wird Öl nicht nur zu Benzin oder Kerosin weiterverarbeitet und als Brennstoff in Autos oder Flugzeugen benutzt. Viele Unternehmen und Menschen heizen noch mit Öl, auch Kunststoffe basieren auf Rohöl. Zudem wird Öl auch als Schmierstoff in zahlreichen Maschinen gebraucht.

Zwar gab es in den vergangenen Jahren aufgrund des enormen CO2-Ausstoßes durch die Ölverarbeitung- und nutzung einen Trend zu nachhaltigen Energieträgern. "Das wird in den nächsten Jahren das Öl aber nicht ersetzen können", sagte Schaefer im Gespräch mit t-online.de.

Darauf deutet der auch der Auslöser für den Nachfrageeinbruch hin: Dieser ist eben nicht der Trend zur einer ökologisch nachhaltigeren Wirtschaft und damit verbundenen Verteuerungen durch Steuererhöhungen oder Ähnliches. Tatsächlich ist die Ursache für den massiven Nachfragerückgang ein sogenannter exogener Schock – die Corona-Krise.

Was heißt es für die USA?

Für die USA wird der Preisverfall des WTI-Öls zu einem handfesten Problem. Denn: Die USA haben sich in den vergangenen Jahren vom Ölimporteur zum -exporteur gewandelt. Das konnten sie vor allem durch die Fracking-Technologie, mit der Erdöl aus Schiefergestein herausgepresst wird.

Die Förderkosten sind aber so hoch, dass sich das Geschäft nur ab einem bestimmten Ölpreis lohnt – das wäre ab etwa 45 US-Dollar pro Barrel der Fall. Zum Vergleich: Momentan steht der Preis für einen Juni-Terminvertrag bei rund 16 Dollar pro Barrel, Tendenz sinkend.

Viele Förderunternehmen in den USA geraten jetzt also in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie keinen Gewinn mehr erwirtschaften. Denn die Produktion lässt sich nicht von jetzt auf gleich stoppen. Als Reaktion darauf hat US-Präsident Donald Trump deshalb nun angekündigt, die strategischen Reserven des Staates auffüllen zu wollen.

Analysten bewerten das als positives Signal. "Es darf aber nicht bei diesem Lippenbekenntnis bleiben", sagte Gabor Vogel, Rohstoffanalyst bei der DZ Bank auf t-online.de-Anfrage. Trump müsse nun eingreifen, um den Preis zu stabilisieren. "Sonst droht den USA eine Systemkrise am Ölmarkt." Und die wiederum hätte auch negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. 

Wird der Preis an der Tankstelle weiter fallen?

Ja, wahrscheinlich schon. Das aber hängt nicht direkt mit dem Preisverfall des WTI-Öls aus den USA zusammen. Denn das ist nur auf dem amerikanischen Markt von Relevanz. Für Europa und Deutschland ist die Nordseesorte Brent entscheidend. Dieser Preis ist auch gefallen – jedoch nicht unter null.

Hier hatte der Wechsel vom Mai- auf den Juni-Kontrakt schon vor einiger Zeit stattgefunden. Der Preis für diesen Terminvertrag verlor am Montag 2,51 Dollar oder knapp neun Prozent auf 25,57 Dollar. Am Dienstag beschleunigte sich diese Entwicklung noch: Der Preis fiel zeitweise unter 20 US-Dollar – auf den niedrigsten Stand seit 2002.

"Auch beim Brent zeigt sich die massive Unsicherheit an den Ölmärkten", sagte DZ-Bank-Analyst Vogel im Gespräch mit t-online.de. An den Tankstellen könnte der Preis also noch fallen. Am 1. Januar lag der Preis laut Mineralölwirtschaftsverband noch bei 1,431 Euro je Liter für Benzin der Sorte E10 und 1,323 Euro für Diesel. Am Montag waren es nur noch 1,161 beziehungsweise 1,079.

Allerdings ist hier auch eine Grenze gesetzt, erläutert IW-Ökonom Schaefer und meint damit die Steuern und Abgaben, die auf den Benzin- und Dieselpreis zu zahlen sind. "An der Tankstelle werden Sie kein Geld zurückbekommen", sagte er.

Welche Bedeutung hat all das für mich als Anleger?

Wenig bis keine. Denn die Terminverträge sind sehr kompliziert – und deshalb für Privatanleger nicht geeignet. "Anders als bei Aktien ist ein Investment in Rohöl für Anleger schwer zu durchblicken – und mit einigen Tücken behaftet", sagte Analyst Vogel auf t-online.de-Anfrage.

Privatanleger sollten sich diese Anlageobjekte – wenn überhaupt – sehr genau anschauen. "Die einfachsten Produkte halten oftmals nicht das, was sie versprechen."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Thilo Schaefer
  • Gespräch mit Gabor Vogel
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal