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Dax-Abschied: SAP hätte mit Jennifer Morgan ein Zeichen setzen können

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SAP hätte mit Jennifer Morgan ein Zeichen setzen können

21.04.2020, 19:47 Uhr
Dax-Abschied: SAP hätte mit Jennifer Morgan ein Zeichen setzen können. Jennifer Morgan ist seit Oktober 2019 Co-Chefin von SAP: Sie verlässt das Unternehmen zum 30. April. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Jennifer Morgan ist seit Oktober 2019 Co-Chefin von SAP: Sie verlässt das Unternehmen zum 30. April. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Erstmals ist mit Jennifer Morgan im Oktober eine Frau Vorstandschefin eines Dax-Konzerns geworden. Jetzt verlässt sie den Posten beim Software-Riesen SAP schon wieder. Das ist schade.

Eine Pressemitteilung um Mitternacht markierte den Schlusspunkt: Jennifer Morgan verlässt Deutschlands wertvollste Aktiengesellschaft SAP. Mitten in der Corona-Krise. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Führung und Verlässlichkeit gefragt sind. Die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns – sie blieb nur sechs Monate.

Irritierend an dem Vorgang ist, dass tatsächlich die Pandemie des Coronavirus als schwammige Begründung für den Ausstieg der 49-Jährigen herhalten muss. "Mehr denn je verlangt die aktuelle Situation von Unternehmen schnelles, entschlossenes Handeln und eine klare, hierbei unterstützende Führungsstruktur", heißt es in der Mitteilung von SAP.

Auch SAP-Co-CEO Christian Klein, der den Konzern jetzt allein führt, betonte in einer Telefonschalte am Dienstag vor Journalisten: Es habe nicht am persönlichen Verhältnis gelegen – sondern an der Krise, die das Virus ausgelöst habe.

Die Entscheidung ist ein Zeichen von Schwäche

Nicht nur für Außenstehende wirkt das seltsam. Denn noch vor einem halben Jahr, als Morgan und Klein die Führung des Unternehmens gemeinsam übernommen hatten, pries der Konzern das Modell Doppelspitze als bestens bewährt und langfristigen Plan. Und jetzt soll es perdu sein?

Für ein Unternehmen wie SAP ist das ein Zeichen von Schwäche. Sicherlich, ein multinationaler Konzern, der wie SAP weltweit operiert, braucht eine klare Führung. Und ja, in der Corona-Krise, wo viele Firmen ihre Investitionen zurückschrauben und den Einkauf neuer Software von SAP vertagen, gilt dies einmal mehr.

Dass die Abstimmung an der Spitze aber gerade einem Software-Riesen nicht gelingen mag, der sich als agiles Unternehmen sieht, genügend Segmente hat, die sich zwei Chefs aufteilen können und nicht zuletzt über alle Arten der digitalen Kommunikation verfügt, wirkt dennoch befremdlich. Selbst Versicherungsfirmen, die als verstaubt, starr und papierlastig gelten, arbeiten in der Corona-Krise überwiegend digital. Hier funktioniert die Abstimmung auch.

Auch Frauen können Unternehmen lenken

Was zur entscheidenderen Frage führt. Einer, die man leider immer noch stellen muss: Warum übernimmt Klein jetzt das Zepter – und nicht etwa Morgan? Kann die gewünschte klare Führung etwa nur von einem Mann ausgehen?

Die Antwort sollte jedem klar sein. Selbstverständlich kann eine Frau einen Konzern mindestens genauso gut führen wie ein Mann. Und Morgan konnte es auch. Sonst wäre sie bei SAP nie so weit nach oben gekommen. Trotzdem hat sich der Konzern nun erneut für einen Mann entschieden, genau wie alle anderen 29 Dax-Konzerne auch.

Vom Applaus, den SAP im Oktober erntete, als Morgan die Co-Spitze übernahm, bleibt damit wenig übrig. Der Glaube, den viele Beobachter mit der damaligen Entscheidung verbanden, war, dass der Konzern mit Morgan an der Spitze etwas vom amerikanischen Spirit nach Europa bringt. Dort ist es nicht allzu besonders, dass Frauen Führungspositionen innehaben, zumindest in der Wirtschaft. Diese Hoffnung aber ist nun – erst einmal – passé. Schade.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • SAP-Pressemitteilung

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