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Wirtschaft in der Corona-Krise: Wie ein Konjunkturprogramm dem Klima hilft

Wirtschaft in der Corona-Krise  

Wie ein Konjunkturprogramm auch dem Klima helfen kann

Von Juliane Wellisch

27.04.2020, 20:36 Uhr
Wirtschaft in der Corona-Krise: Wie ein Konjunkturprogramm dem Klima hilft. Kohlekraftwerk Boxberg: Insbesondere die Stromversorgung bietet Möglichkeiten zu Innovationen. (Quelle: imago images/photothek)

Kohlekraftwerk Boxberg: Insbesondere die Stromversorgung bietet Möglichkeiten zu Innovationen. (Quelle: photothek/imago images)

Die Wirtschaft braucht Hilfen, um die Folgen der Corona-Krise zu bewältigen. Gleichzeitig wollen sich Unternehmen für die Klimakrise wappnen. Drei Beispiele für Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz.

Die Corona-Pandemie zwingt die Menschen in Deutschland zu umfassenden Einschränkungen, die auch die Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Vielerorts sind Produktionsstätten geschlossen, Fließbänder stehen still und der Handel ist eingeschränkt. Laut ifo-Institut hat die Hälfte der deutschen Unternehmen Kurzarbeit beantragt – die Regierung hatte zuvor den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert und ein Hilfspaket insbesondere für kleinere Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler aufgesetzt.

Doch dabei handelt es sich um kurzfristige Maßnahmen. Um die drohende Wirtschaftskrise abzuwenden oder zumindest abzufedern, wird nun über umfassende Konjunkturprogramme diskutiert. In einer gemeinsamen Erklärung fordern 68 große deutsche Unternehmen, diese klimafreundlich auszurichten.

Insbesondere die Industrie verursacht einen hohen Anteil an Treibhausgasen. Konjunkturprogramme könnten hier ansetzen und klimafreundliche Technologien fördern. Dabei sind drei Bereiche sowohl hinsichtlich Wettbewerbsfähigkeit als auch Klimaschutz besonders interessant: Stromerzeugung, Stahlproduktion sowie CO2-Abscheiden und -Speicherung.

Beim Stromverbrauch liegt die Industrie vorn

Im Jahr 2019 entfielen 45,7 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland auf die Industrie, weitere 27,4 Prozent auf die Bereiche Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Nur knapp ein Viertel des Stroms (24,6 Prozent) wurde durch Privathaushalte in Anspruch genommen. Dabei machen Erneuerbare Energien etwa ein Drittel der Stromerzeugung in Deutschlands aus (Stand 2018).

Will die Industrie auf eine klimafreundliche Energieversorgung umstellen, bedarf es daher einerseits mehr und andererseits bezahlbarem Öko-Strom. Nur so können Unternehmen gegenüber Konkurrenten im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben.

Dabei könnten die Investitionen in erneuerbare Energien mit politischen Anreizen verbunden werden. Energieintensive Industrien genießen beispielsweise bisher umfassende Ausnahmen bei der EEG-Umlage. Diese könnten nach und nach abgeschafft – und im Gegenzug Maßnahmen und Technologien gefördert werden, die zu einem geringeren Stromverbrauch führen.

Stahlindustrie sucht nach CO2-armer Produktion

Bei der Stahlherstellung etwa wird sehr viel CO2 ausgestoßen. Der größte Anteil fällt dabei nicht etwa durch das Befeuern der Hochöfen an. Vielmehr muss aus dem Rohstoff Eisenerz der enthaltene Sauerstoff gelöst werden, um den höherwertigen Stahl zu erhalten. Dazu wird Kohlenstoff genutzt. Dieser verbindet sich mit Sauerstoff zu CO2 und gelangt in die Atmosphäre. Dort beschleunigt es zusammen mit anderen klimaschädlichen Gasen wie Methan den Treibhauseffekt und damit die Klimakrise.

Statt mit Kohlenstoff besteht aber auch die Möglichkeit, mittels Wasserstoffs den Sauerstoff zu binden. Dabei entsteht kein CO2, sondern harmloser Wasserdampf. Allerdings kommt Wasserstoff in der Natur nur in Verbindungen wie etwa Wasser vor und muss erst mittels Elektrolyse hergestellt werden.

Das ist ein energieintensiver Prozess und erst dann klimafreundlicher als die Verwendung von Kohlenstoff, wenn bei der Isolierung des Wasserstoffs weniger CO2 anfällt als bei der konventionellen Stahlproduktion. Dazu muss bei der Elektrolyse Strom aus erneuerbaren Energien verwendet wird. Ende 2019 ist im österreichischen Linz eine Pilotanlage in Betrieb gegangen, die Wasserstoff ausschließlich mit Ökostrom produziert. Auch deutsche Unternehmen forschen in diese Richtung.

Wasserstoffpilotanlage: Mit Wasserstoff kann bei vielen industriellen Prozessen CO2 eingespart werden. (Quelle: voestalpine)Wasserstoffpilotanlage: Mit Wasserstoff kann bei vielen industriellen Prozessen CO2 eingespart werden. (Quelle: voestalpine)

Gleichzeitig laufen Projekte, die das in der Stahlproduktion anfallende CO2 sowie andere Hüttengase wie Methan, beispielsweise für die Herstellung von Düngemitteln weiterverwenden und den Ausstoß dieser Treibhausgase damit reduzieren. Allerdings ist keine dieser Technologien bisher für den großindustriellen Einsatz bereit und es bedarf weiterer Forschung und Geldmittel.

CO2-Speicherung – Chance für Klima und Wirtschaft

Nicht nur bei Produktion von Stahl fällt viel CO2 an, sondern insbesondere Kohlekraftwerke stoßen erhebliche Mengen des Treibhausgases aus. Auch dort sowie im Bereich des Verkehrs gibt es Bemühungen, das Gas abzuscheiden und weiterzuverwenden (Carbon capture and utilization – CCU), etwa um E-Fuels herzustellen.

Das hat jedoch den Nachteil, dass das CO2 über kurz oder lang doch in der Atmosphäre landet. Zudem wird bei der Produktion der alternativen Kraftstoffe ebenfalls viel Energie verwendet. Hinzu kommt: Kraftwerke mit einer solchen CCU-Technik sind weniger effizient.

Eine Alternative ist daher die CO2-Speicherung. Dabei wird das Gas verflüssigt und tief in die Erde eingeleitet. Mit entsprechenden Technologien könnte auch CO2, das sich bereits in der Atmosphäre befindet, dieser entzogen und verwahrt werden. Für die Industrie sind entsprechende technologische Vorstöße vor allem hinsichtlich der CO2-Zertifizierung interessant.

WWF fordert klimafreundliches Konjunkturprogramm

Denn wenn sie durch die Speicherung des Kohlenstoffdioxids den Ausstoß klimaschädlicher Gase reduzieren können und dies bei der Zertifizierung auch anerkannt wird, verringern sich die Kosten für die sonst notwendigen CO2-Zertifikate. Das wiederum erhöht langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.


Auch Umweltschutzorganisationen wie der WWF fordern, Konjunkturprogramme jetzt mit dem Klimaschutz zu verbinden. Neben der expliziten Förderung von klimafreundlichen Technologien sollen demnach umweltschädliche Programme ausgeschlossen werden.

Die Organisation appelliert zugleich an die Politik, bestehende Umweltstandards jetzt nicht zugunsten der Wirtschaft zu opfern. Das gilt nicht zuletzt auch auf europäischer Ebene. Denn Deutschland ist auf Importe aus anderen Ländern angewiesen. Werden dort laufenden Klimaschutzmaßnahmen zurückgefahren oder gänzlich aufgegeben, wären die deutschen Bemühungen umsonst.

Verwendete Quellen:

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