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Boni und Abfindungen: Deutsche Bahn wegen Entgelten für Vorstände unter Druck


Trotz verfehlter Ziele  

Bahn zahlte Vorständen 30 Millionen Euro Abfindung

30.04.2020, 14:00 Uhr
Boni und Abfindungen: Deutsche Bahn wegen Entgelten für Vorstände unter Druck . Verkehrsminister Andreas Scheuer und Richard Lutz, Vorstandschef der Deutschen Bahn. Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler kritisiert die Entgelte beim Staatskonzern. (Quelle: imago images)

Verkehrsminister Andreas Scheuer und Richard Lutz, Vorstandschef der Deutschen Bahn. Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler kritisiert die Entgelte beim Staatskonzern. (Quelle: imago images)

Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn hat seit 2009 rund 30 Millionen Euro ausgegeben, um Vorstandsmitglieder mit goldenem Handschlag zu verabschieden. Das stößt nun auf heftige Kritik.

Die Deutsche Bahn hat seit 2009 rund 30 Millionen Euro für Abfindungen von Mitgliedern des Vorstands ausgegeben. 14 der 15 zuletzt ausgeschiedenen Vorstände verließen den Staatskonzern demnach vorzeitig mit einem goldenen Handschlag, zeigen Zahlen des Finanzministeriums und Recherchen von t-online.de.

Für den Zeitraum 2009 bis 2018 hat der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Sven-Christian Kindler, vom Finanzministerium erstmals alle Zahlungen an die Vorstände zusammenstellen lassen. In der Auswertung noch nicht enthalten ist eine Trennung mit Abfindung zum Jahresende 2019.

Die Aufstellung zeigt, dass in den zehn Jahren bis 2018 13 von 14 ausgeschiedene Vorstandsmitglieder 28,3 Millionen Euro an Abfindungen erhielten. Kindler hat da "keinerlei" Verständnis. "Es sind die Steuerzahler, die den Bahn-Vorständen ihr Ausscheiden vergolden."

Rüdiger Grube ist Spitzenverdiener unter Bahn-Managern

Aus den Unterlagen gehen sowohl die Höhe der Abfindungen als auch Gehälter und Boni hervor. Spitzenverdiener war demnach Rüdiger Grube. Er bekam in seiner Zeit als Vorstand zwischen 2009 und 2017 insgesamt 19,87 Millionen Euro. Dann trat er von der Konzernspitze zurück. 2,25 Millionen Euro Abfindung flossen.

Auch der Bundesrechnungshof rügte Ende 2019 die Zahlung.  Das Geld sei zu unrecht geflossen, kritisierte die Kontrollbehörde. Grube habe einseitig gekündigt, der Betrag sei deshalb zu hoch, so die Prüfer. 

Kindler sagte im Gespräch mit t-online.de, insbesondere die Zahlungen an Grube seien deshalb "stark kritikwürdig". Der Bund müsse die Abfindung zurückverlangen, und Verkehrsminister Andreas Scheuer müsse für eine "Vorstandsvergütung mit Maß und Mitte bei der Bahn sorgen." 

Bonus-Vergütungen zu hoch?

Kindler kritisiert nicht nur die hohen Abfindungen, sondern auch die jährlich geleisteten Bonuszahlungen. Im Zeitraum von zehn Jahren erhielten die Bahn-Chefs 41,6 Millionen Euro Vorstandsbezüge plus 47,1 Millionen Euro jährliche Bonus-Leistungen. Damit waren die Boni höher als die fixe Vergütung.

Kindler hält das für völlig überzogen. "Boni hätten gar nicht gezahlt werden dürfen, wenn es nach Leistung und Zielerreichung des Unternehmens gegangen wäre", sagt er. Die Bahn habe in den letzten Jahren nahezu alle Ziele verfehlt.

Der Bundesrechnungshof nannte die wirtschaftliche Lage der DB AG in einem Sonderbericht im vergangenen Jahr "besorgniserregend". Die Fahrgastzahlen sind zwar seit 2009 von 1,9 Milliarden auf 2,6 Milliarden Reisende im Jahr 2019 gestiegen, die Schulden aber ebenfalls von 15 auf 24 Milliarden Euro geklettert – bei einem Umsatz von 44,4 Milliarden. Ausfall und Verspätung von Zügen bereiteten der Bahn zudem anhaltend Probleme.

Fahrgastverband sieht Verantwortung bei der Politik 

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht eine Gesamtverantwortung für die Misere der Bahn. "Der Misserfolg hat viele Väter, und die sitzen zum erheblichen Teil in der Politik", sagte der Bundesvorsitzende Detlef Neuß t-online.de. "Die Rahmenbedingungen durch den Bund als Eigentümer haben es Vorständen sehr schwer gemacht." Mit Bahnprivatisierung und dem zunächst geplanten Börsengang sei der Teller in Tausend Einzelteile zerschlagen worden, "die Nachfolger müssen noch heute die Teile wieder zusammenbringen." Vorstände seien da auch Bauernopfer gewesen.

Tatsache ist: Kaum ein Vorstandsmitglied blieb bis zum Vertragsende im Amt. 

Wieder muss ein Vorstand gehen

Die goldenen Handschläge bei der Bahn haben System. Jüngster Fall: Zum Jahresende 2019 musste Finanz- und Logistikvorstand Alexander Doll gehen. Die DB kostete die Trennung nach anderthalb Jahren 1,5 Millionen Euro, berichtete die "Rheinische Post".

Doll hatte Bahnchef Richard Lutz und dessen Co Ronald Pofalla sowie Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gegen sich – eine "bösartige Intrige", wie der "Tagesspiegel" schrieb. In der Branche gilt der Fall als Beispiel für den Rauswurf eines als Erneuerers und von Mitarbeitern geschätzten Managers, wegen politischer Ränkespiele. 

Bahn verweist auf Geschäftsbericht

Die Deutsche Bahn wollte die Kritik an den Zahlungen auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies auf die Regelungen zur Vergütungssystematik im Geschäftsbericht. Dort heißt es, dass die Bonuszahlungen sich aus dem Erreichen von Unternehmenszielen und individueller Ziele errechnen. Die Angemessenheit der Vergütung werde regelmäßig damit abgeglichen, was andere im Konzern verdienen und auch daran, was in der Wirtschaft an Vorstände gezahlt werde.

Zum Vergleich: Der dreiköpfige Vorstand von RWE, der etwa in gleicher Höhe wie die DB AG Umsätze verzeichnet, bekam 2018 mit 6,9 Millionen Euro etwas weniger als der Bahnvorstand. 

Grundgehälter bei der Bahn
Das verdienen Mitarbeiter der Deutschen Bahn in einigen ausgewählten Berufen.
Zugbegleiter: 2.319,46 – 2.889,75 Euro
Bordgastronom: 2.154,29 – 2.402,69 Euro
Lokomotivführer: 2.548,00 – 3.607,00 Euro
Baugeräteführer: 2.574,74 – 3.329,06 Euro

Eine Unternehmensberatung empfahl Ende 2019 in einem internen Gutachten der Bahn sogar eine deutliche Anhebung der Vorstandsbezüge. Der Aufsichtsrat sollte zustimmen, die Grundvergütung für Einsteiger in den Bahn-Vorstand um mehr als 40 Prozent zu erhöhen. "Obszön und niemandem zu vermitteln angesichts des Zustands der Bahn", kommentierte damals Linken-Parteichef Bernd Riexinger.

Unter dem Eindruck der öffentlichen Empörung zog Verkehrsminister Andreas Scheuer schnell die Bremse, der Aufsichtsrat blockierte. Das Grundprinzip "erst bessere Ergebnisse, dann bessere Vergütung‘" stehe für ihn ganz oben, erklärte Scheuer da. 

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