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Corona-Krise: Deutsche nehmen wesentlich höhere Kredite auf

Neue Studie zur Corona-Krise  

Deutsche nehmen wesentlich höhere Kredite auf

05.05.2020, 07:01 Uhr
Corona-Krise: Deutsche nehmen wesentlich höhere Kredite auf. Eine Frau schaut sich Autos an: In der Corona-Krise nehmen die Deutschen seltener einen Kredit für den Autokauf auf. (Quelle: imago images/Deutzmann)

Eine Frau schaut sich Autos an: In der Corona-Krise nehmen die Deutschen seltener einen Kredit für den Autokauf auf. (Quelle: Deutzmann/imago images)

Während der Corona-Krise steigt das Volumen der Privatkredite in Deutschland stark an. Allerdings nutzen die Verbraucher das Geld nicht, um Autos zu kaufen. Zudem bevorzugen die Banken bestimmte Kunden.

In der Corona-Krise nehmen die Deutschen mehr Geld per Kredit auf, als dies vorher der Fall war. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervor, die t-online.de vorab vorliegt. Demnach stieg der durchschnittliche Kreditbetrag im März gegenüber dem Vorjahresmonat um elf Prozent von 13.971 Euro (2019) auf 15.676 Euro (2020) an.

"Das ist eine außergewöhnliche Veränderung", sagte ein Verivox-Sprecher t-online.de. "Normalerweise ändert sich dieser Betrag nur maximal im einstelligen Prozentbereich." Auffällig ist demnach auch der starke Anstieg im Vergleich zum Vormonat Februar. Binnen eines Monats stieg die durchschnittliche Kreditsumme hier um 7,5 Prozent.

Für die Auswertung hat Verivox eine große Zahl von Krediten ausgewertet, die Nutzer vor und nach Beginn der Corona-Krise Ende Februar über das Portal beantragt haben. Um saisonale Effekte herauszurechnen, haben die Analysten die Zahlen von März nicht nur ins Verhältnis zu jenen aus dem Februar gesetzt, sondern auch in Relation zu vergleichbaren Zahlen vom März 2019.

Kreditwachstum bei Besserverdienern besonders hoch

Besonders drastisch wuchs der durchschnittliche Betrag im Jahresvergleich bei der Gruppe von Nutzern mit einem Nettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro: Der Anstieg von 19.145 Euro (2019) auf einen durchschnittlichen Darlehensbetrag von 26.864 Euro (2020) bedeutet ein prozentuales Plus von mehr als 40 Prozent.

Diese Zahl sei jedoch mit Vorsicht zu betrachten, so der Verivox-Sprecher. Denn der Anteil dieser Einkommensgruppe an der Gesamtzahl aller genehmigten Kredite liegt nur bei rund drei Prozent: "Damit fällt diese Gruppe statistisch stärker ins Gewicht."

Der Anteil der Gutverdiener unter den Kreditnehmern jedoch stieg gegenüber dem Vorjahr an: Belief sich ihr Prozentsatz in den Verivox-Zahlen vom März 2019 noch auf 13,2 Prozent der genehmigten Kredite, waren es jüngst 17,2 Prozent. Das heißt: In der Corona-Krise vergeben die Banken Kredite tendenziell eher an Kunden, die eine höhere Bonität haben.

Ärmere und Selbstständige kommen schwieriger an Kredit

Die meisten Menschen allerdings, die einen Kredit aufnehmen, finden sich in der Einkommensgruppe, die mehr als 1.000 Euro und weniger als 2.000 Euro verdienen. Sie nahmen im Schnitt eine Summe in Höhe von 12.086 Euro auf und damit etwas mehr als 2019, als es 11.672 Euro waren. Nutzer in dieser Einkommensgruppe kamen zuletzt jedoch eher schwieriger an einen Kredit, wie Verivox herausgefunden hat.

Auch hier liegt der Grund bei den Kreditinstituten, die in der Krise weniger Risiken eingehen wollen. "Banken setzen bei der Kreditvergabe heute noch stärker auf Sicherheit als vor der Krise", so Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. "Sie bauen das Geschäft mit einkommensstarken Kreditnehmern in sicheren Jobs aus und legen dafür bei einigen Berufsgruppen und Branchen strengere Maßstäbe an."

Das Sicherheitsbedürfnis der Banken zeigt sich dabei auch anhand der Berufsgruppen, die über das Portal einen Kredit beantragt haben. Demnach stieg der Anteil der Kredite für Beamten an der Gesamtzahl aller genehmigten Darlehen besonders stark, nämlich um 21 Prozent – der Anteil der Selbstständigen fiel dagegen um 13 Prozent.

Verbraucher kaufen mit Krediten weniger Autos

Auch die Verwendungszwecke der Kredite haben sich durch die Corona-Krise verändert: So nahmen im März 2019 noch rund 13 Prozent einen Kredit für den Kauf eines Autos auf. Im März 2020 waren es nur noch gut acht Prozent.

"In der Krise müssen die Verbraucher sparen", sagte Maier. "Dafür nehmen Kreditnehmer die Optimierung ihrer Finanzen nun stärker in den Blick." Der Anteil der Kredite, die für eine Umschuldung genutzt werden sollen, stieg von knapp 62 auf 66,7 Prozent. "Viele nutzen das anhaltende Zinstief dafür, laufende Kredite mit einem günstigeren Darlehen abzulösen", so Maier.

Verwendete Quellen:
  • Verivox
  • Gespräch mit Verivox-Sprecher

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