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Lufthansa: Probleme der Airline sind mit Staatshilfe noch lange nicht gelöst

Hauptversammlung im Corona-Modus  

Die Probleme der Lufthansa sind mit Staatshilfe noch nicht gelöst

05.05.2020, 19:16 Uhr | mak, dpa, AFP

Lufthansa: Probleme der Airline sind mit Staatshilfe noch lange nicht gelöst. Lufthansa-Maschinen parken auf dem Frankfurter Flughafen: Der Luftfahrtkonzern ist im Ausnahmezustand. (Quelle: AP/dpa/Michael Probst)

Lufthansa-Maschinen parken auf dem Frankfurter Flughafen: Der Luftfahrtkonzern ist im Ausnahmezustand. (Quelle: Michael Probst/AP/dpa)

Auf der ersten digitalen Hauptversammlung der Lufthansa wurde klar: Die Baustellen der deutschen Airline sind mit Geld vom Staat nicht geschlossen – im Gegenteil. Möglich ist, dass die Probleme dann erst richtig losgehen.

Die Lufthansa ist wegen der Corona-Krise im Ausnahmezustand. Das wurde auch auf der ersten digitalen Hauptversammlung in der Geschichte des Dax-Konzerns am Dienstag deutlich. Unverschuldet sei man in eine existenzielle Krise gestürzt, versichert Vorstandschef Carsten Spohr den Aktionären, die für 2019 trotz eines Milliardengewinns auf ihre Dividende verzichten müssen.

Im kommenden Jahr sieht es nicht besser aus. Keine 65 Tage habe es in der Corona-Krise gedauert, bis der Konzern beim Flugaufkommen wieder auf das Niveau von 1955 zurückgeworfen wurde. "Das ist bitter. Das ist niederschmetternd. Das tut weh", sagte Spohr. Aus der Krise will er dennoch als Gewinner hervorgehen.

Über allem hängt die Frage nach Hilfen des deutschen Staats – denn nur der scheint noch in der Lage, mit einer Multimilliardenspritze Europas größten Luftverkehrskonzern vor der Insolvenz zu retten. Die Gespräche mit Berlin sind kompliziert und vor allem noch nicht abgeschlossen.

Spohr zeigte sich zuversichtlich, dass die Verhandlungen mit der Bundesregierung über ein Rettungspaket für die angeschlagene Airline "in Kürze zu einem erfolgreichen Abschluss" führen werden. "Niemand im Unternehmen" habe ein Interesse daran, "dass diese Gespräche scheitern", versicherte Spohr. In den Verhandlungen geht es Presseberichten zufolge um ein Paket in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Euro.

In Schutzschirmverfahren soll Lufthansa nicht

Der Konzernchef sagte vor den Aktionären, es sei "juristisch aus Gründen der unternehmerischen Vorsicht geboten", auch die Insolvenz oder ein Schutzschirmverfahren zu prüfen. "Wir sind gleichwohl weiterhin davon überzeugt, dass wir angesichts der Gespräche mit der deutschen Regierung nicht auf diese Alternative zurückgreifen müssen."

Umstritten ist in der Politik, ob und wenn ja welche Mitspracherechte der Staat für eine Milliardenhilfe bei der Lufthansa bekommen soll. Spohr selbst hatte vor einem zu großen Staatseinfluss auf sein Unternehmen gewarnt.

Auch die Konditionen, zu denen das Geld fließt, werden offenbar noch verhandelt. Laut "Spiegel" verlangt die Bundesregierung eine Garantiedividende von neun Prozent, Aktionärsschützer nannten das "Wucher".

800 Millionen Euro fließen jeden Monat ab

Eines ist jedoch klar: Das Geld rinnt den Lufthanseaten sehr schnell aus den Händen. 800 Millionen Euro Bar-Reserven fließen jeden Monat trotz umfassender Kurzarbeit ab, ohne dass die Einnahmen nennenswert wieder steigen.

Weitere 1,8 Milliarden Euro stehen auf der Kippe, weil die EU bei abgesagten Flügen auf sofortigen Erstattungen statt Gutscheinen besteht. Unvorteilhafte Kerosin-Sicherungsverträge führen ebenfalls in diesem Jahr zu einem Verlust von rund einer Milliarde Euro.Lufthansa-Chef Carsten Spohr: "Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen" (Quelle: dpa/Oliver Roesler/Lufthansa)Lufthansa-Chef Carsten Spohr: "Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen" (Quelle: Oliver Roesler/Lufthansa/dpa)

Erst Mitte Juni will Spohr langsam mehr Flieger in die Luft bringen, je nach Nachfrage und "rein reaktiv" nach den Einreisebestimmungen der Staaten. Erst im Jahr 2023 hält der Manager ein neues Gleichgewicht für den globalen Luftverkehr für wahrscheinlich, mit dem deutlichen Risiko, dass er kleiner ausfallen wird als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Das Vertrauen der Passagiere will Lufthansa mit einer umfassenden Maskenpflicht, nicht aber mit freien Mittelsitzen zurückgewinnen. Das sei wegen der vertikalen Luftströmung in der Kabine gar nicht notwendig.

Kleinere Lufthansa – 10.000 Stellen weniger

Es werde künftig eine deutlich kleinere Lufthansa geben mit 100 Flugzeugen und 10.000 Stellen weniger, aber weiterhin mit einem Multi-Drehkreuzsystem aus Frankfurt, München, Brüssel, Wien und Zürich. Spohr muss daran festhalten, wenn er auch Staatshilfen aus den Heimatstaaten der Konzernairlines Brussels, Austrian und Swiss erhalten will.

Pünktlich machte am Dienstag die Schweiz als erstes betroffenes Land einen Haken unter das Kreditprogramm von 1,5 Milliarden Euro, das zu 85 Prozent vom Staat verbürgt ist. In Belgien und Österreich stehen wie in Deutschland die Entscheidungen noch aus.

Der Lufthansa-Chef warnte bei den anstehenden Staatshilfen vor einer zu hohen Schuldenlast. "Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen." Spohr fürchtet eine Schieflage im internationalen Wettbewerb mit Airlines aus China oder den USA, die ihre ohnehin ertragsstarken Carrier mit 50 Milliarden Dollar stützen.

Der Staatskredit für die Air France ist bereits genehmigt, die Alitalia verstaatlicht. Mittelfristig erwarte er eine Konsolidierung der Branche, sagte Spohr. Kurzfristig verzögere sich dies allerdings wegen der Staatseingriffe.

Lufthansa-Aufsichtsratschef: "Es gibt auch eine Zeit nach Corona"

"Es gibt auch eine Zeit nach Corona", hat Aufsichtsratschef Kley im Zusammenhang mit Spohrs Arbeitsbelastung gesagt. Um dorthin zu gelangen, führt der Konzern umfangreiche Verhandlungen mit Flugzeugherstellern, Leasinggebern, Lieferanten und Dienstleistern.

Mit den Gewerkschaften wird über Gehaltsverzicht und "innovative Teilzeitmodelle" verhandelt, mit denen möglichst viele Menschen an Bord gehalten werden sollen. Die Langstreckenflüge in Düsseldorf stehen auf dem Prüfstand und der neue Flughafen BER in Berlin steht nicht im Mittelpunkt neuer Wachstums-Szenarien. Das zumindest hat sich nicht geändert.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP


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