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Präsident des Mittelstandsverbandes mahnt: "Müssen zurück zum Markt"

Mittelstands-Präsident  

"Wir müssen so schnell wie möglich zurück zum Markt"

Von Saskia Leidinger

08.05.2020, 11:32 Uhr
Präsident des Mittelstandsverbandes mahnt: "Müssen zurück zum Markt". Mario Ohoven: Der Präsident des Mittelstandsverbandes fordert ein baldiges Ende staatlicher Intervention. (Quelle: imago images)

Mario Ohoven: Der Präsident des Mittelstandsverbandes fordert ein baldiges Ende staatlicher Intervention. (Quelle: imago images)

Die Bundesregierung hat in der Corona-Krise schnelle Hilfe für Firmen zugesagt. Doch einige Unternehmen befanden sich schon länger in der Krise. Mittelstandspräsident Mario Ohoven fordert nun die Rückkehr zum Markt.  

Angesichts der Corona-Staatshilfen besteht nach Aussage des Mittelstandverbandes (BVMW) die Gefahr, dass auch Firmen von Zuwendungen und Krediten profitieren, die vor der Corona-Krise eigentlich insolvent gegangen wären.

"Wer von staatlichen Transfers abhängig ist, konnte vor der Krise nicht überleben, und dies wird auch nach der Krise so sein", sagte BVMW-Präsident Mario Ohoven t-online.de. "Deshalb müssen wir so schnell wie möglich wieder weg von staatlichen Interventionen und zurück zum Markt kommen."

Die mittelständische Wirtschaft leidet besonders schwer unter der Corona-Krise. Zu ihr zählen unter anderem Tausende Hotels, Gaststätten, aber auch viele Zulieferer, etwa für die Autoindustrie. Einer internen Erhebung des BVMW zufolge benötigten über die Hälfte der Klein- und Mittelbetriebe direkte Finanzhilfen, viele befänden sich in einer "existenzielle Notlage".

Unternehmen halten nur noch vier Wochen durch

Zuletzt hatten deshalb Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) ein umfassendes Programm zur Rettung kleiner und mittelständischer Unternehmen aufgelegt. Insgesamt stellt der Bund 50 Milliarden Euro Soforthilfe bereit.

Ohoven warnte im Gespräch mit t-online.de dennoch vor drohenden Insolvenzen. "Es ist fünf vor Zwölf", sagte er. "Wir wissen aus einer Umfrage unseres Verbandes, dass die meisten Unternehmen bei einem harten Lockdown im Höchstfall noch vier Wochen durchhalten können." 

Obwohl die Bundesregierung Einzelhandelsgeschäfte wieder geöffnet hat und auch die Öffnung der Gastronomiebetriebe in Aussicht stellt, sei die Krise für die Unternehmen in Deutschland damit noch nicht vorbei. "Die Lage bleibt insgesamt weiter sehr kritisch, nicht nur für Gastrobetriebe und den Einzelhandel", sagte Ohoven. "Im Durchschnitt aller Branchen sind 50 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit – das sagt alles." 

Vermögensabgabe gefährde Wachstum

Der BMVW-Präsident fordert deshalb konkrete Entlastungen für die Wirtschaft. Entscheidend sei, dass im Mittelstand das Vertrauen in den Markt und damit auch für langfristige Investitionen zurückkehre. "Dafür benötigen wir eine politische Reformagenda: Weniger Steuern und Abgaben, mehr Flexibilität, zum Beispiel bei der Arbeitszeit", so Ohoven.

Kontraproduktiv seien hingegen Vorschläge wie der jüngste von SPD-Chefin Saskia Esken, die eine Sonderabgabe für Reiche vorschlagen hatten. "Was wir mit Sicherheit nicht brauchen, sind zusätzliche Belastungen der Unternehmen", sagte Ohoven. "Wer in dieser Situation etwa eine Vermögensabgabe fordert, gefährdet Wachstum und Wohlstand."

Stattdessen brauche es zusätzliche Erleichterungen für die Unternehmen. "Die Politik sollte endlich den Solidaritätszuschlag für alle abschaffen – und zwar rückwirkend zum 1. Januar", sagte er. Der Verbandsvertreter bekräftigte ferner eine bereits erhobene Forderung nach einer Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrages von einem auf zwei Jahre. Zudem sollten den Unternehmen im März vorausgezahlte Steuern zurückerstattet werden.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit BMVW-Präsident Mario Ohoven

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