Sie sind hier: Home > Finanzen > Corona-Krise >

Corona-Fälle in Schlachtbetrieben: Drohen in Deutschland leere Fleischregale?

Infizierte in Schlachtbetrieben  

Drohen wegen Corona in Supermärkten leere Fleischregale?

11.05.2020, 18:34 Uhr | sle, dpa, rtr, t-online.de

Corona-Fälle in Schlachtbetrieben: Drohen in Deutschland leere Fleischregale?. Fast leere Fleischtheke in den USA: Bei Frischem Hackfleisch kommt es in Teilen der USA zu Engpässen. (Quelle: dpa/Mark Reinstein)

Fast leere Fleischtheke in den USA: Bei Frischem Hackfleisch kommt es in Teilen der USA zu Engpässen. (Quelle: Mark Reinstein/dpa)

In den USA führen geschlossene Fabriken zu Engpässen bei bestimmten Fleischprodukten. Jetzt musste auch in NRW ein Schlachthof wegen Corona-Fällen vorübergehend schließen. Drohen auch in Deutschland leere Regale?

Nicht nur für Liebhaber von Steaks und Schnitzeln rückte diese Nachricht die Fleischindustrie in den Fokus der Aufmerksamkeit: Nachdem 249 Mitarbeiter positiv auf das neue Coronavirus getestet wurden, musste ein Schlachtbetrieb im westfälischen Coesfeld vorübergehend schließen. 

Damit ist nun auch in Deutschland die Fleischproduktion direkt vom Coronavirus betroffen. Zuvor wurde bereits in den USA eine Übertragung des Coronavirus an Mitarbeiter in Schlachtbetrieben befürchtet. Viele amerikanische Schlachtbetriebe sind in deswegen seit Wochen geschlossen.

In Amerika führte das mancherorts bereits zu Engpässen an frischen Fleischprodukten und zu leeren Fleischtheken. Angesichts der jüngsten Meldungen aus NRW fragen sich nun auch deutsche Verbraucher: Drohen jetzt auch in Deutschland leere Fleischregale?

Keine Versorgungsengpässe in Deutschland

t-online.de hat beim Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie nachgefragt. Der gibt vorerst Entwarnung. "In den USA war die Situation eine andere", teilte Geschäftsführer Thomas Vogelsang mit. "In Deutschland ist die Versorgung weiter gewährleistet."

Auch sei unwahrscheinlich, dass Fleisch absehbar aufgrund der Produktionsausfälle teurer werde. "Höhere Preise sind gegenwärtig kein Thema", versicherte Vogelsang. 

Die Engpässen in den USA haben mehrere Ursachen. Zum einen stieg die Nachfrage nach Fleisch an, nachdem seitens der Industrie vor leeren Supermarktregalen gewarnt wurde. Zum anderen stieg der Export von Schweinefleisch aus den USA nach China. Mehr als 95.000 Tonnen Schweinefleisch wurden im März exportiert. Das ist der zweithöchste gemessene Wert in der Geschichte der Handelsbeziehung beider Länder.

Branche mit Umsatzsteigerung gegenüber 2019

Nur im Dezember 2019 wurde noch mehr Schweinefleisch exportiert – damals waren es mehr als 100.000 Tonnen. Durch die afrikanische Schweinepest musste zu diesem Zeitpunkt die Schweinefleischproduktion in China um ein Drittel zurückgefahren werden.

US-Präsident Donald Trump hat mittlerweile angekündigt, die Fleischbetriebe wieder öffnen zu wollen. In Deutschland hingegen wurde bis zuletzt auch während es Lockdowns weiter produziert.

"Viele Unternehmen der Fleischwarenindustrie haben während der Corona-Krise ihre Produktion deutlich hochgefahren und haben auch dank des hohen Einsatzes der Mitarbeiter trotz Krise die Versorgung der Bevölkerung aufrecht erhalten", sagte Vogelsang t-online.de. Manche Betriebe mussten allerdings Umsatzeinbußen hinnehmen, da die Nachfrage seitens der Gastronomie wegfiel.

45,7 Milliarden Euro setzten die Fleischbetriebe 2019 laut Statistischem Bundesamt um, fast acht Prozent mehr als im Vorjahr. Gut 80 Prozent des Umsatzes wurden in Deutschland selbst generiert, 20 Prozent entfielen auf das Auslandsgeschäft.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Schlachthöfe und fleischverarbeitende Betriebe stehen wegen möglicher Verstöße gegen Infektionsschutzmaßnahmen derzeit in der Kritik. Bundesarbeitsministers Hubertus Heil (SPD) forderte die Bundesländer am Freitag in einem Brief "eindringlich" auf, angesichts der neuen Corona-Fälle den Arbeitsschutz für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft und in der Fleischindustrie streng zu kontrollieren, wie NDR und WDR berichteten. 

"Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Situation in Sammelunterkünften und beim Personentransport zu legen", zitieren die Sender Heil. Er verwies auf Berichte über "unhaltbare Zustände beim betrieblichen Infektionsschutz".

Thomas Vogelsang wies die Kritik zurück: "Die Unternehmen der Fleischindustrie sind systemrelevant und können nicht einfach in der Krise die Produktion stoppen, wie es die Automobilindustrie getan hat." Es sei deshalb auch nicht überraschend, dass es Infektionen bei Mitarbeitern gebe.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal