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Thyssenkrupp macht Milliardenverlust im ersten Halbjahr

Einbußen im Stahlgeschäft  

Thyssenkrupp macht Milliardenverlust

12.05.2020, 10:57 Uhr | dpa

Thyssenkrupp macht Milliardenverlust im ersten Halbjahr. Die Konzernzentrale von Thyssenkrupp. (Quelle: dpa/Jochen Tack)

Die Konzernzentrale von Thyssenkrupp. (Quelle: Jochen Tack/dpa)

Der Industriekonzern Thyssenkrupp steckt schon länger in der Krise. Neue Quartalszahlen zeigen jetzt, dass das Unternehmen weiter deutliche Verluste einfährt. Doch ausgerechnet eine zum Verkauf stehende Abteilung sorgt für leichte Stabilisierung.

Der in der Krise steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp THYSSENKRUPP AG O.N. Aktie ist im zweiten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahrs 2019/20 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht.

Die negativen Folgen der Corona-Pandemie belasteten vor allem das Automobil- sowie das Stahlgeschäft. Dazu machten sich Kosten für die Neuausrichtung bemerkbar. Besserung ist dabei nicht in Sicht.

"Die Corona-Pandemie stellt uns vor gewaltige Herausforderungen", sagte Konzernchefin Martina Merz am Dienstag in Essen über die Zahlen. Noch sei das ganze Ausmaß der Krise für die Geschäfte von Thyssenkrupp nicht vollständig absehbar. "Aber bereits jetzt wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen sehr tiefe Spuren hinterlassen werden."

Thyssenkrupp sichert sich weitere Kredite

Der finanzielle Spielraum, den sich Thyssenkrupp durch den milliardenschweren Verkauf des Aufzuggeschäfts an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven erhofft hat und auch dringend benötigt, wird Merz zufolge wegen der Corona-Pandemie "deutlich" eingeschränkt.

Der Verkauf soll bis Ende des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) abgeschlossen werden, dabei hat Thyssenkrupp inzwischen acht kartellrechtliche Freigaben ohne Auflagen erhalten.

Um die Zeit bis zum Abschluss zu überbrücken, hat sich das finanzschwache Unternehmen einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW sowie weiterer Banken gesichert. Mehr dazu lesen Sie hier.

1,3 Milliarden Euro Verlust

Die Neuausrichtung hin zu einem vom Stahlgeschäft dominierten Konzern treibt Thyssenkrupp weiter voran. "Wir haben einen klaren Plan für die Zukunft erarbeitet und werden die Eckpfeiler dem Aufsichtsrat in der kommenden Woche vorstellen", kündigte Merz an.

Die eingeleiteten Restrukturierungen seien auf einem guten Weg. "Corona bremst zwar die Entwicklung, aber wir drücken weiter aufs Tempo." Im zweiten Quartal fielen dabei nochmals deutlich höhere Verluste an als zum Jahresauftakt.

So summierte sich das Minus im Konzern auf 948 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von 173 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte. Im ersten Halbjahr häufte Thyssenkrupp insgesamt einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro an.

Verluste im Stahlgeschäft

Der Umsatz sank in den drei Monaten per Ende März im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro. Der Auftragseingang fiel um 8 Prozent auf 9,5 Prozent.

Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) musste Thyssenkrupp einen Verlust von 80 Millionen Euro hinnehmen, nach einem Gewinn von 240 Millionen Euro im Vorjahr.

Stabilisierend wirkte sich dabei ausgerechnet das zum Verkauf stehende Aufzuggeschäft aus. Im fortgeführten Geschäft, bei dem die Aufzüge bereits herausgerechnet sind, lag der bereinigte operative Verlust bei 266 Millionen Euro, was maßgeblich auf hohe Verluste im Stahlgeschäft zurückzuführen war.


Für das zweite Halbjahr ist keine Besserung in Sicht – im Gegenteil. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft dürfte deutlich zurückgehen. Das bereinigte Ebit wird ohne das Aufzuggeschäft "stark negativ erwartet".

Im dritten Quartal sei ein Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich "wahrscheinlich" und "bis zu gut 1 Milliarde Euro nicht auszuschließen".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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