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Corona-Krise in Deutschland: Deutlich weniger Minijobber wegen Covid-19

Keine Kurzarbeit möglich  

Deutlich weniger Minijobber durch Corona-Krise

12.05.2020, 20:40 Uhr
Corona-Krise in Deutschland: Deutlich weniger Minijobber wegen Covid-19. Ein Kellner steht vor leeren Tischen (Symbolbild): Besonders im Gastgewerbe war die Zahl der Minijobber wegen der Corona-Krise stark rückläufig. (Quelle: imago images/Overstreet)

Ein Kellner steht vor leeren Tischen (Symbolbild): Besonders im Gastgewerbe war die Zahl der Minijobber wegen der Corona-Krise stark rückläufig. (Quelle: Overstreet/imago images)

Viele Restaurants und Geschäfte mussten im Lockdown schließen. Deshalb haben zahlreiche Firmen die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt – und mussten sie nicht kündigen. Für Minijobber sieht es aber düster aus.

Die Corona-Krise hat zu einem erheblichen Rückgang bei den Minijobs in Deutschland geführt. Ende März seien im gewerblichen Bereich noch knapp 6,38 Millionen Beschäftigte mit 450-Euro-Jobs in Deutschland gemeldet gewesen. Das sind fast 220.000 oder 3,3 Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres, berichtet die Minijob-Zentrale am Dienstag in Bochum.

"Diese Entwicklung hat uns sehr überrascht", sagte Wolfgang Buschfort, Sprecher der Minijob-Zentrale, im Gespräch mit t-online.de. "Mit einem solchen Rückgang haben wir jetzt noch nicht gerechnet."

Der Grund: Minijobber hätten ebenfalls eine Kündigungsfrist von vier bis sechs Wochen. Dementsprechend hätte es eigentlich erst im April zu einem Rückgang kommen können, die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmen in Deutschland gab es schließlich erst ab Anfang März.

Arbeitgeber haben möglicherweise gegen Kündigungsfristen verstoßen 

"Wir gehen jetzt davon aus, dass viele Minijobber gekündigt worden sind, bevor die Krise so richtig losging", so Buschfort. Auch könne es sein, dass viele Arbeitgeber mit Beschäftigten eine Vereinbarung getroffen hätten, sodass die Kündigungsfrist nicht beachtet werden musste.

Doch die Minijob-Zentrale hat noch eine weitere Vermutung: "Wir schließen nicht aus, dass Arbeitgeber geringfügig Beschäftigte gekündigt haben, auch ohne die Fristen einzuhalten."

Diese Kündigungen seien jedoch unzulässig. In diesem Fall sollten sich die Minijobber an die zuständige Gewerkschaft wenden – oder einen Rechtsanwalt nehmen.

Minijobber bekommen kein Kurzarbeitergeld

Als Minijobber werden häufig geringfügig Beschäftigte bezeichnet, also Mitarbeiter, die maximal bis 450 Euro im Monat verdienen – oder nur kurz beschäftigt sind. Der Arbeitgeber muss meist pauschale Beiträge in die Kranken-, Unfall und Rentenversicherung abführen sowie Steuern bezahlen. Die Minijobber zahlen in der Regel nur einen möglichen Beitrag zur Rente.

Sie sind jedoch nicht über die Arbeitslosenversicherung versichert. Deshalb haben geringfügig Beschäftigte auch keinen Anspruch auf die Zahlung von Kurzarbeitergeld. Für viele Betriebe stellen sie deshalb einen enormen Kostenfaktor dar – gerade wenn es keine Einnahmen gibt.

Starker Rückgang im Gastgewerbe

Besonders stark war deshalb auch der Rückgang der Minijobber im Gastgewerbe: Hier verloren 11,1 Prozent der Mitarbeiter ihren Job. "Gerade hier hätten wir damit gerechnet, dass mehr Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis eingestellt werden." Im Verarbeitenden Gewerbe gab es 6,3 Prozent weniger Minijobber als im März 2019.

Nur in der Land- und Forstwirtschaft und im Baugewerbe stieg die Zahl an. Dieser Anstieg sei jedoch saisonbedingt, so die Minijob-Zentrale. Daran habe die Corona-Krise bislang wenig geändert.

Bald könnten noch mehr Minijobber arbeitslos werden

Die Zukunftsprognose ist jedoch insgesamt düster: "Wir werden erheblich mehr arbeitslose Minijobber in den kommenden Wochen sehen", so Buschfort. Das lasse sich aus den Zahlen vom April und den Tagen im Mai ablesen.

Doch die Zahl hätte noch größer ausfallen können, so Buschfort. Der Grund: Viele Arbeitgeber hätten bereits Sozialversicherungsbeiträge gestundet, sagte er. Ein kostenfreies Stunden dieser Beiträge hatte die Bundesregierung in der Corona-Krise möglich gemacht.

"Rund 100.000 Stundungsanträge von Arbeitgebern haben uns bislang erreicht." Doch ein Antrag umfasse meist alle geringfügig Beschäftigten eines Betriebs. "So sind wahrscheinlich hunderttausende, womöglich sogar eine Million Minijobber vor einer Entlassung bewahrt worden." Genau erfasst werde das jedoch nicht.

Die Minijob-Zentrale ist die zentrale Einzugs- und Meldestelle für alle geringfügigen Beschäftigungen in Deutschland. Sie gehört dem Verbund der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See an.

Verwendete Quellen:
  • Quartalsbericht Minijob-Zentrale
  • Gespräch mit Wolfgang Buschfort
  • minijob-zentrale.de
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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