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Corona-Maßnahmen: Maskenpflicht im ICE? Die Bahn sorgt für Verwirrung

Informationschaos beim Staatskonzern  

Maskenpflicht im ICE? Die Bahn sorgt für Verwirrung

14.05.2020, 14:39 Uhr
Corona-Maßnahmen: Maskenpflicht im ICE? Die Bahn sorgt für Verwirrung. Eine Frau mit Mundschutz am Bahnhof (Symbolbild): Nach wie vor fehlt es an einer einheitlichen Maskenregel für den Fernverkehr. (Quelle: imago images/Michael Weber)

Eine Frau mit Mundschutz am Bahnhof (Symbolbild): Nach wie vor fehlt es an einer einheitlichen Maskenregel für den Fernverkehr. (Quelle: Michael Weber/imago images)

Maske auf oder ab? Im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist diese Frage noch immer nicht geklärt. Seine Kunden informiert der Staatskonzern wenig eindeutig. Die Ursache des Problems liegt in der Politik.

Die Widrigkeiten des Föderalismus bekommen jetzt auch Bahn-Kunden zu spüren. Jüngstes Beispiel: die Maskenpflicht in ICE- und IC-Zügen. Zwar gilt inzwischen in sämtlichen Bundesländern im Nahverkehr eine Maskenpflicht, also in Regionalzügen und S-Bahnen. Im Fernverkehr aber fehlt es an einer einheitlichen Regelung.

In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen etwa müssen Fahrgäste auf Beschluss der Landesregierungen ausdrücklich auch im Fernverkehr eine Mund- und Nasenbedeckung tragen. In Brandenburg und Berlin hingegen umfassen die jüngsten Corona-Verordnungen lediglich den Nahverkehr. Wer also mit dem ICE von Köln nach Berlin unterwegs ist, kann die Maske theoretisch hinter der Grenze zwischen Niedersachsen und Brandenburg absetzen und muss sie bis zur Ankunft in der Bundeshauptstadt nicht mehr aufsetzen.

Umso größer ist unter Fernreisenden deshalb die Verwirrung, die die Bahn während der vergangenen Tage auf ihrem Internetauftritt gestiftet hat. Bis vor wenigen Tagen legte sie ihren Kunden dort in einem Corona-Hinweis das Tragen einer Atemschutzmaske lediglich nahe. Wörtlich hieß es bis zum 10. Mai auf der Startseite der Bahn: "Unsere dringende Empfehlung: Tragen Sie eine Mund-Nase-Bedeckung in öffentlichen Verkehrsmitteln".

Wenig transparente Kundeninformationen

Von dieser Empfehlung ist jetzt, keine zwei Tage später, nichts mehr zu lesen. Die Bahn hat die ersten drei Worte ihrer "Information zu Corona" einfach gestrichen. Nunmehr liest sich der Hinweis mehr wie ein Befehl. Auch wenn auf der DB-Startseite nicht direkt von einer Maskenpflicht die Rede ist, richtet sich die Bahn nun doch mit den Worten "Tragen Sie eine Mund-Nase-Bedeckung in öffentlichen Verkehrsmitteln" an ihre Kunden.

Noch deutlicher wird die Bahn auf einer speziellen Frage-und-Antworten-Seite. Auf die Frage, ob Reisende eine Atemschutzmaske tragen müssen, heißt es dort: "Das Bedecken von Mund und Nase ist aktuell in allen Fern- und Regionalverkehrszügen Pflicht" – obwohl das je nach Streckenabschnitt und Bundesland gar nicht stimmt.

Wie kam es dazu? Und vor allem: Was gilt denn jetzt – eine "dringende Empfehlung", oder eine Pflicht zum Maskentragen, die womöglich sogar Konsequenzen bei Nichtbefolgen nach sich zieht?

Kein Kommentar seitens der Bahn

Die Bahn druckst auf t-online.de-Nachfrage herum. Offiziell kommentieren will der Staatskonzern die geänderte Kundenansprache nicht. Stattdessen teilt eine Sprecherin mit Blick auf eine jüngst getroffene Übereinkunft der Bundesländer mit: "Die DB setzt die behördlichen Vorgaben um. Die Länder haben sich auf die Einführung einer Maskenpflicht im Fernverkehr bundesweit verständigt."

Entsprechend gebe es sowohl online als auch in den Zügen Hinweise für Reisende, in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske zu tragen. Die Hinweise würden auf der Webseite bahn.de/corona fortlaufend aktualisiert.

"Grundsätzlich ist die Ahndung von Verstößen gegen staatlich verordnete Maßnahmen eine Aufgabe der jeweils zuständigen Behörden", so die Bahnsprecherin weiter. "Was die Einhaltung der Maskenpflicht angeht, sind wir auf die Kooperation und die gegenseitige Rücksichtnahme aller Fahrgäste angewiesen. Falls ein DB-Mitarbeiter auf einen Fahrgast aufmerksam wird, der keinen Schutz trägt, wird er diesen auf die Tragepflicht hinweisen." Die Bahn sei als Unternehmen jedoch nicht befugt, Verstöße gegen staatliche Vorschriften zu sanktionieren.

"Die Kommunikation ist mehr als mäßig"

Also viel Lärm um nichts? Nicht für Karl-Peter Naumann, Pressesprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Hamburg. Er empfindet die Kundenansprache der Bahn als sehr unbefriedigend. "Die Kommunikation der Bahn ist mal wieder mehr als mäßig", sagte er t-online.de. "Wir hätten uns eine transparentere Form der Kundeninformation gewünscht."

Gleichzeitig räumt auch er ein, dass die Bahn nicht schuld sei an der Ursache des Problemes. Diese trage die Politik. "Es muss eine einheitliche Regelung für den Fernverkehr her – und zwar schnell", so Naumann. Es sei "absurd", dass Reisende je nach Bundesland, das der Zug durchquert, die Maske auf oder absetzen könne.

Geht es nach dem Willen von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), soll es eine genau solche Regelung innerhalb der nächsten Tage geben. Zuletzt hatte sein Ministerium gemeinsam mit der Verkehrswirtschaft eine entsprechende Empfehlung für eine generelle Maskenpflicht in sämtlichen Verkehrsmitteln, vom Taxi bis zum ICE, erarbeitet. Die Zustimmung der Länder gibt es – allerdings müssen sie die Regelung nun jeweils noch verabschieden.

Schutzmasken für 1,50 Euro im Bordbistro

Dieses Vorhaben hatte jüngst der Fernverkehrschef der Bahn, Michael Peterson, gut geheißen. "Wir begrüßen die Pläne der Bundesregierung und der Länder zur Einführung einer bundesweiten Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Personenverkehr", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Kunden, die bei Reiseantritt über keinen Mund- und Nasenschutz verfügten, können einen solchen ab sofort in den Bordbistros der ICEs erwerben. Der Preis für die dünnen Masken: 1,50 Euro.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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