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Corona-Einschränkungen: Mehrheit der Deutschen fühlt sich beim Shoppen unwohl

Corona-Einschränkungen  

Mehrheit der Deutschen fühlt sich beim Shoppen unwohl

Von Florian Schmidt, Mauritius Kloft

16.05.2020, 12:20 Uhr
Corona-Einschränkungen: Mehrheit der Deutschen fühlt sich beim Shoppen unwohl. Eine Frau kommt mit Mundschutz aus einem Geschäft: Viele Verbraucher nerven die Hygieneregeln beim Einkaufen. (Quelle: imago images/Xinhua)

Eine Frau kommt mit Mundschutz aus einem Geschäft: Viele Verbraucher nerven die Hygieneregeln beim Einkaufen. (Quelle: Xinhua/imago images)

Maske auf, Abstand halten und auf Einlass warten: Das Einkaufen in der Corona-Krise hat sich verändert. Doch stört das auch die Kunden? Ja, zeigt eine exklusive Umfrage für t-online.de.

Nach dem Corona-Lockdown haben in ganz Deutschland die meisten Geschäfte wieder geöffnet – der Kundenansturm blieb jedoch bis zuletzt aus. Neben der finanziellen Unsicherheit, die besonders Verbraucher in Kurzarbeit haben, dürften dazu auch die strengen Hygienemaßnahmen in den Geschäften sowie die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus beim Shoppen beitragen.

Das jedenfalls legt das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online.de nahe. Demnach fühlt sich die Mehrheit der Deutschen beim Einkaufen wegen der Corona-Einschränkungen unwohl. 54 Prozent der Befragten beantworteten eine entsprechende Frage mit Ja – 41 Prozent gaben an, dass sie sich nicht unwohl fühlten (siehe Grafik).

Der Effekt ist dabei in den ostdeutschen Bundesländern größer als in Westdeutschland. Unter den ostdeutschen Umfrageteilnehmern fühlen sich 60 Prozent unwohl, weil sie etwa eine Maske tragen oder Abstand zu anderen Kunden halten müssen. In Westdeutschland hingegen sind es 52,4 Prozent.

Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Fühlen Sie sich durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie beim Einkaufen unwohl?  (Quelle: t-online.de)Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Fühlen Sie sich durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie beim Einkaufen unwohl? (Quelle: t-online.de)

Grundsätzlich jedoch scheinen die meisten Menschen Verständnis für die Maßnahmen zu zeigen. Auf die Frage, ob sie das Schlangestehen vor Läden nervt, antworteten 48,1 Prozent aller Teilnehmer mit Nein und nur 46,2 Prozent mit Ja. Die übrigen blieben unentschieden.

Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Nervt es Sie, wenn Sie vor einem Geschäft wegen den Maßnahmen zur Pandemie anstehen müssen, um hereinzukommen? (Quelle: t-online.de)Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Nervt es Sie, wenn Sie vor einem Geschäft wegen den Maßnahmen zur Pandemie anstehen müssen, um hereinzukommen? (Quelle: t-online.de)

Wenig überraschend und doch auffällig dabei: Jüngere Menschen nervt das Warten auf den Einlass mehr als ältere. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gaben 52,5 Prozent an, dass sie das Anstehen stört, unter den 30- bis 39-Jährigen waren es sogar 59,6 Prozent. Teilnehmer, die älter als 65 Jahre sind, nerven die Schlangen deutlich weniger. Unter ihnen antworteten nur 36,8 Prozent mit Ja – dafür 56,8 Prozent mit Nein.

Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Fühlen Sie sich durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie beim Einkaufen unwohl? (Quelle: t-online.de)Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Fühlen Sie sich durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie beim Einkaufen unwohl? (Quelle: t-online.de)

Eine ebenfalls große Rolle spielt der Umfrage zufolge, ob im Haushalt der Befragten Kinder leben – die sie womöglich zum Shoppen oder Einkaufen mitnehmen. Unter den Kinderlosen gaben nur 51,1 Prozent an, dass sie sich beim Einkaufen unwohl fühlten. Auch sind von ihnen nur 42,6 Prozent genervt vom Anstehen. Diejenigen, die Kinder haben, fühlen sich mit einem Anteil von 58,8 Prozent beim Einkauf unwohl und sind vom Schlangestehen deutlich eher genervt (54,6 Prozent).

Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Nervt es Sie, wenn Sie vor einem Geschäft wegen den Maßnahmen zur Pandemie anstehen müssen, um hereinzukommen? (Quelle: t-online.de)Civey-Umfrage im Auftrag von t-online.de: Nervt es Sie, wenn Sie vor einem Geschäft wegen den Maßnahmen zur Pandemie anstehen müssen, um hereinzukommen? (Quelle: t-online.de)

Für Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, sind diese Zahlen wenig überraschend. "Die Shopping-Lust leidet sichtlich unter den Hygiene- und Abstandsregelungen", sagte er t-online.de. "Die meisten Kunden gehen sehr gezielt einkaufen und verweilen möglichst kurz in den Geschäften."

Handelsverband fordert Kaufanreize für Verbraucher

Das werde für zahlreiche Händler zum Problem. "Viele Geschäftskonzepte setzen auf Spontankäufe und auf Kunden, die gerne durch die Innenstädte bummeln", sagte er. "Shopping als Freizeitbeschäftigung und Event funktioniert derzeit kaum."

Dass die Menschen ihr Einkaufsverhalten durch die Corona-Krise ändern, zeigte erst vor Kurzem eine Untersuchung des Beratungsunternehmens McKinsey. Demnach will jeder dritte Verbraucher künftig weniger Geld für Luxusprodukte oder überflüssige Einkäufe ausgeben und jeder vierte beim Einkauf künftig grundsätzlich mehr auf den Preis achten.

Genth fordert deshalb, Anreize zu schaffen, damit die Menschen wieder mehr einkaufen. Ohne staatliche Hilfen werde sich das Bild vieler Innenstädte nachhaltig verändern. "Die Stadtzentren werden ohne den Handel unattraktiv und öde", so Genth. "Sobald die Pandemie noch besser unter Kontrolle ist, muss die Bundesregierung die Konsumstimmung wieder ankurbeln. Dafür sollte sie an alle Einwohner in Deutschland Corona-Schecks in Höhe von 500 Euro herausgeben."

Verhaltensökonom: Konsumschecks nicht nötig

Verhaltensökonom Felix Kölle von der Universität Köln sieht das kritisch. "Anreize oder Konsumschecks sind nicht nötig", sagte er t-online.de. Zwar beobachte auch er, dass sich die Einkaufsgewohnheiten der Menschen in den vergangenen Wochen verändert haben. Allerdings geht Kölle davon aus, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein wird.

"Viele Menschen sind mit Blick auf eine Ansteckung mit Corona weiterhin wachsam", sagte er. Die Folge: Sie nehmen sich gezielt vor, weiterhin weniger in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein. Gehen sie dann doch einkaufen, fühlten sie sich nicht wohl. "Über kurz oder lang aber rechne ich damit, dass sich die Menschen nicht an ihre Vorsätze halten und wieder mehr einkaufen und konsumieren werden", sagte Kölle und zieht den Vergleich zu klassischen Neujahrsvorsätzen.

"Mehr Sport zu treiben, oder mit dem Rauchen aufzuhören, halten viele Menschen auch nur über einen begrenzten Zeitraum durch", so Kölle. "Ähnlich verhält es sich in der Corona-Krise: Zwar sagen jetzt viele, dass sie künftig weniger einkaufen wollen, dass sie beim Shoppen ein mulmiges Gefühl haben. Aber die Realität wird schon bald anders aussehen." 

Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat für das Ergebnis der exklusiven t-online.de-Umfrage die Antworten von 5.033 Befragten im Zeitraum vom 13. bis 15. Mai berücksichtigt. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung über 18 Jahre, der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beläuft sich auf jeweils 2,5 Prozent.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Civey-Umfrage für t-online.de
  • McKinsey-Studie
  • Gespräch mit Felix Kölle
  • Gespräch mit Stefan Genth
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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