Sie sind hier: Home > Finanzen > Corona-Krise >

Wegen Corona-Krise: Galeria Karstadt Kaufhof will Hälfte der Filialen schließen

Kaufhauskette in der Krise  

Galeria Karstadt Kaufhof will knapp die Hälfte der Filialen schließen

17.05.2020, 16:07 Uhr | mak, rtr, dpa

Wegen Corona-Krise: Galeria Karstadt Kaufhof will Hälfte der Filialen schließen. Zwei Filialen der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof: Es droht die Schließung von bis zu 80 Häusern. (Quelle: dpa/Birgit Reichert)

Zwei Filialen der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof: Es droht die Schließung von bis zu 80 Häusern. (Quelle: Birgit Reichert/dpa)

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will bis zu 80 Filialen dichtmachen. Das wäre knapp die Hälfte aller Häuser. Zahlreiche Stellen könnten abgebaut werden. Doch es gibt noch Hoffnung.

Bei der im Schutzschirmverfahren befindlichen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof droht der Kahlschlag: Bis zu 80 der derzeit noch gut 170 Filialen des Konzerns könnten bei der anstehenden Sanierung geschlossen werden.

Das sieht der erste Entwurf eines Sanierungskonzeptes für den kränkelnden Handelsriesen vor, der am Freitag dem Gesamtbetriebsrat und Gläubigervertretern vorgelegt wurde. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus dem Unternehmensumfeld.

Zuvor hatten die "Wirtschaftswoche" und der "Spiegel" berichtet, ebenso die Nachrichtenagentur Reuters. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" rechnen Insider mit dem Abbau von insgesamt rund 5.000 Vollzeitstellen bei dem Unternehmen.

Es gibt noch Hoffnung für die Warenhauskette

Allerdings gibt es noch einen Hoffnungsschimmer: Die Zahl der bedrohten Filialen könne sich noch reduzieren, wenn die Vermieter und andere Beteiligte zu Zugeständnissen bereit seien, hieß es in informierten Kreisen. Finale Beschlüsse gebe es jedenfalls noch keine.

Welche Häuser genau von einer Schließung bedroht sind, dazu gab es zunächst keine Angaben. Der Konzern wollte sich nicht äußern.

Die Geschäftsleitung hatte die Mitarbeiter bereits Anfang der Woche auf die Schließung von Warenhäusern und einen Abbau von Stellen eingestimmt. In einem Brief der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter hatte es geheißen, der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz gingen davon aus, "dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden".

Sanierungskonzept soll bis Ende Juni stehen

Neben vielen anderen teilweise einschneidenden Maßnahmen könne es auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen, hieß es weiter. Beide arbeiteten an einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Warenhauskonzern, bis Ende Juni solle der Plan fertig sein.

"Galeria Karstadt Kaufhof hat während der Zeit der Komplettschließung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren", hieß es in dem Schreiben. Die Umsätze der vergangenen acht Wochen, darunter das wichtige Ostergeschäft, fehlten, der Rückstand sei nicht aufzuholen. "Insgesamt dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu einer Milliarde Euro erhöhen", räumte die Geschäftsleitung ein.

Warenhauskette seit Anfang April in Schutzschirmverfahren

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft in der Corona-Krise ums Überleben. Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Der Konzern gehört der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko.

Angesichts der jetzigen Schließungspläne warnte Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er der dpa.

Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte wäre ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen. Portz appellierte an den Warenhauskonzern sowie die Kommunen und die Vermieter, gemeinsame Lösungen zu suchen, um ein Überleben der Kaufhäuser zu sichern.

Verdi stemmt sich gegen Schließungspläne

Die Gewerkschaft Verdi warnte ebenfalls, eine solch dramatische Schließungswelle werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern bedroht.

"Denn die Warenhäuser in den Städten sind Ankerstandorte. Sie sind der Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. 

Sie kündigte harten Widerstand gegen die Schließungspläne an und verlangte dabei Unterstützung von der Politik. "Hier sind alle gefordert, von den Bürgermeistern bis hin zur Bundespolitik."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters und dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal