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Reformhaus erwägt Verkaufsstopp von Rapunzel-Produkten

Umstrittene Äußerungen  

Weitere Läden erwägen Verkaufsstopp für Rapunzel-Produkte

20.05.2020, 13:46 Uhr
Reformhaus erwägt Verkaufsstopp von Rapunzel-Produkten. Joseph Wilhelm, Gründer und Chef von Rapunzel Naturkost: Seine Aussagen zur Corona-Krise riefen Kritik hervor. (Quelle: dpa/Rolf Schultes)

Joseph Wilhelm, Gründer und Chef von Rapunzel Naturkost: Seine Aussagen zur Corona-Krise riefen Kritik hervor. (Quelle: Rolf Schultes/dpa)

Der Skandal um die umstrittenen Corona-Aussagen vom Rapunzel-Chef schlägt weiter Wellen. Jetzt könnten die Rapunzel-Produkte auch aus deutschen Reformhaus- und Bioladen-Ketten verschwinden.

Neuer Ärger für den Hersteller der Naturkost-Marke Rapunzel: Nachdem die Schweizer Apotheke Coop Vitality die Produkte des bayrischen Naturkostherstellers aus dem Sortiment nehmen will, erwägen nun auch deutsche Ketten, Rapunzel aus ihrem Sortiment zu nehmen.

Hintergrund dafür sind umstrittene Äußerungen von Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm über die Corona-Pandemie. Unter anderem bezeichnete er Mundschutzmasken in Texten auf der Webseite als "Maulkörbe".

Der Vorstand der Genossenschaft der Reformhäuser, Rainer Plum, kritisierte Wilhelm im Gespräch mit t-online.de. "Ich distanziere mich hiermit ganz eindeutig und vollständig von Thesen und Aussagen, die die Leugnung des Coronavirus und seiner gesundheitlichen Auswirkungen als Grundlage haben. Meine Aufgabe als Vorstand der Reformhaus eG und Arbeitgeber ist es, meiner Sorgfaltspflicht gewissenhaft nachzukommen."

Reformhaus prüft Verkauf von Rapunzel-Produkten

Deshalb prüfe sein Unternehmen einen Verkaufsstopp der entsprechenden Produkte, Streichaufstriche, Nudeln, Müsli oder Schokolade. "Wir prüfen derzeit, ob unsere selbstständigen Mitglieder Rapunzel-Produkte weiter verkaufen werden", sagte Plum am Dienstag. "Nach Rücksprache mit unseren Mitgliedern und der Firma Rapunzel werden wir für die Reformhaus-Genossenschaft eine entsprechende Stellungnahme abgeben", so Plum. 

Deutschlandweit gibt es rund 900 reine Reformhäuser, die in der "neuform Vereinigung Deutscher Reformhäuser e.G." organisiert sind. Die Läden werden in der Regel von einzelnen Inhabern geführt, die auch über das Sortiment entscheiden.

Auch die Alnatura-Gruppe sieht die Äußerungen von Wilhelm kritisch. "Wir beobachten die Situation und haben Rapunzel um Stellungnahme gebeten", teilte eine Alnatura-Sprecherin auf t-online.de-Anfrage mit.

"Denn's"-Bioläden sehen keinen Grund für Auslistung

Die Dennree-Gruppe, Betreiber der "Denn's"-Bioläden, hingegen sieht das etwas anders. Unternehmenssprecher Lukas Nossol sagte am Mittwoch auf t-online.de-Anfrage: "Rapunzel ist unser Partner der ersten Stunde."

Mögliche Änderungen des Sortiments treffe das Unternehmen nicht leichtfertig und suche mit den Partnern grundsätzlich erst das Gespräch. "Auch mit Rapunzel sind wir im Austausch und sehen momentan keinen Grund, die Produkte auszulisten." Eine t-online.de-Anfrage an die Berliner Bioladen-Kette "Bio Company" blieb bislang unbeantwortet.

Impfung "nur über meine Leiche"

Rapunzel-Geschäftsführer Wilhelm nicht nur von "Maulkörben" gesprochen, sondern auch die Gefahr des Coronavirus heruntergespielt. So schrieb er: "Viren und Epidemien werden sich auch künftig mit Impfungen und mit Zwangsmaßnahmen nicht verhindern lassen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie sind Teil des biologischen Lebens auf unserer Erde und leisten ihren Beitrag zur Weiterentwicklung desselbigen und der menschlichen Anatomie und Psyche." Eine Impfung gegen das Virus gehe "nur über meine Leiche".

Nach Boykottaufrufen in sozialen Medien hat sich Wilhelm entschuldigt und die Texte löschen lassen, weil manche Aussagen "rückwirkend überzogen erschei­nen, auch mir." Sie seien aus persönlicher Betroffenheit geschrieben. "Denn ich habe weder mich noch meine Kinder je impfen lassen", heißt es in einem Statement auf der Firmen-Webseite.

Auch Vegan-Koch Hildmann verbreitet Verschwörungstheorien

Wilhelm ist nicht der einzige, der mit Bioprodukten sein Geld verdient und gleichzeitig mit Verschwörungstheorien Aufsehen erregt. Auch der Vegan-Koch Attila Hildmann, der besonders auf Youtube und Instagram präsent ist, fiel zuletzt mit rechtspopulistischen Thesen und Verschwörungstheorien auf.

Über ihn sagt Plum: "Ich kenne sowohl Wilhelm als auch Hildmann." Es gebe zwischen beiden deutliche Unterschiede. "Hildmann ist mittlerweile ein Verschwörungstheoretiker – während Wilhelm nur stark verunsichert schien." Aber beide müssten mögliche Konsequenzen aus ihren Aussagen tragen.

Bei Hildmann hätte die Reformhaus-Genossenschaft an die einzelnen Häuser bereits eine Empfehlung ausgesprochen, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Auch viele Biomärkte haben dies getan.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Rainer Plum
  • Gespräch mit Alnatura-Sprecherin
  • Gespräch mit Dennree-Gruppe
  • taz.de
  • rnd.de
  • spiegel.de
  • reformhaus.de
  • rapunzel.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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