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Wirtschaft schrumpft – Deutschland rutscht in eine Rezession

Historische Zahlen  

Wirtschaft schrumpft – Deutschland rutscht in eine Rezession

25.05.2020, 12:29 Uhr | mak, dpa, rtr

Wirtschaft schrumpft – Deutschland rutscht in eine Rezession. Ein Mitarbeiter an einer Schleifmaschine (Symbolbild): Die deutsche Wirtschaft ist geschrumpft. (Quelle: dpa/Patrick Pleul/zb)

Ein Mitarbeiter an einer Schleifmaschine (Symbolbild): Die deutsche Wirtschaft ist geschrumpft. (Quelle: Patrick Pleul/zb/dpa)

Jetzt ist es offiziell: Deutschland befindet sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus in einer Rezession. Die Wirtschaftsleistung ist im ersten Quartal stark zurückgegangen. Und auch der Ausblick ist düster.

Export, Privatkonsum und Unternehmensinvestitionen brechen in der Corona-Krise ein: Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit erste Daten. Noch schlechter dürfte Ökonomen zufolge das zweite Quartal ausfallen.

Der Einbruch zum Jahresanfang war der stärkste Rückgang im Quartalsvergleich seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung. Obwohl die Ausbreitung des Coronavirus die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar nicht wesentlich beeinträchtigte, "seien die Auswirkungen der Pandemie damit bereits für das erste Quartal 2020 gravierend", erklärten die Statistiker.

Die Schließung zahlreicher Geschäfte ab Mitte März zur Eindämmung der Pandemie bremste den Privatkonsum. Die Konsumausgaben der Verbraucher brachen im ersten Vierteljahr um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Der Privatkonsum ist eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur und macht gut die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Der Export von Waren und Dienstleistungen verringerte sich im ersten Quartal um 3,1 Prozent.

BIP
Das Bruttoinlandsprodukt gibt an, wie viel in einem Land in einem bestimmten Zeitraum produziert wurde und wie viele Dienstleistungen angeboten worden sind. Damit ist das BIP das wichtigste Maß, um zu zeigen, wie eine Wirtschaft wächst oder schrumpft. Sinkt das BIP zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer "technischen Rezession".

Viele Unternehmen schrauben Investitionen zurück

Unternehmen investierten deutlich weniger in Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen (minus 6,9 Prozent). Gestiegene Bauinvestitionen (plus 4,1 Prozent) und Konsumausgaben des Staates (plus 0,2 Prozent) verhinderten einen noch stärkeren Absturz.

Im März hatte sich die Pandemie in Europa ausgebreitet. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben in großen Teilen zum Erliegen. Bereits im Schlussquartal 2019 war die deutsche Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zurückgegangen.

Noch heftiger werden die Folgen der Krise nach Einschätzung von Ökonomen im zweiten Vierteljahr sein. "Die Wirtschaftsleistung dürfte nochmals erheblich niedriger ausfallen als im Durchschnitt des schon gedrückten ersten Vierteljahres", hieß es im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Diverse Prognosen im Markt gehen von einem Einbruch des deutschen BIP um bis zu 14 Prozent aus.

Schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Für das Gesamtjahr rechnete die Bundesregierung zuletzt mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft Europas dürfte demnach um 6,3 Prozent schrumpfen, obwohl es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen soll. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das BIP um 5,7 Prozent gesunken.

Ökonomen und Verbände erwarten teilweise einen noch tieferen Einbruch. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag befürchtet nach seiner jüngster Prognose einen BIP-Rückgang von zehn Prozent im Gesamtjahr. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet mit einem Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung von neun Prozent in diesem Jahr.

Für 2021 erwartet das IW ein BIP-Wachstum von acht Prozent. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass es nicht zu einem zweiten Lockdown komme. "Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre das der Super-GAU", sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Die Bundesregierung will Anfang Juni ein Konjunkturprogramm beschließen. Ziel ist es, die Wirtschaft im Zuge der schrittweisen Lockerung der Corona-Beschränkungen anzukurbeln. In der schwarz-roten Koalition wird aber um die richtigen Inhalte sowie die Kosten gestritten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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