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Trotz Corona-Krise: Aus diesen drei Gründen steigen die Aktienkurse

Kurse trotzen Corona  

Drei Gründe für den Höhenflug an der Börse

04.06.2020, 15:58 Uhr
Erstmals seit Monaten übersprang der Dax die 12.000er Marke

Deutliche Pluszeichen am Dienstag an der Frankfurter Börse. Erstmals seit drei Monaten übersprang der Dax wieder die 12.000er Marke. Auch der EuroStoxx50 gewann deutlich. (Quelle: Reuters)

Börsen im Aufwind: Erstmals seit drei Monaten übersprang der Dax wieder die 12.000er Marke. (Quelle: Reuters)


An der Börse herrscht Hochstimmung. Die starken Kursverluste beim Dax sind zur Hälfte bereits wettgemacht. Und das obwohl die Corona-Krise weiter andauert. Dafür gibt es Gründe.

Staatliche Hilfspakete in Milliarden-Höhe, sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit, ein Plus von 500.000 Arbeitslose im Vergleich zum Vorjahr, Tausende Firmen, die von der Insolvenz bedroht sind: So schlecht wie jetzt ging es der deutschen Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Für das laufende zweite Quartal rechnen Experten mit einem starken Einbruch der Wirtschaftsleistung von bis zu 14 Prozent, und auch aufs gesamte Jahr betrachtet steht Deutschland eine tiefe Rezession ins Haus. Einer Prognose der Bundesregierung zufolge schrumpft das Bruttoinlandsprodukt als Gradmesser der wirtschaftlichen Leistung in Deutschland dieses Jahr um 6,3 Prozent. Das Münchner Ifo-Institut rechnete jüngst sogar mit einem Minus von 6,6 Prozent.

Und die Börse? Tut so, als gebe es all diese Zahlen nicht. Der Deutsche Aktienindex (Dax) eilte in den vergangenen Tagen von Plus zu Plus. Die exorbitanten Einbrüche der Aktienkurse vom Februar und März – sie wirken fast vergessen.

Dax verlor in der Corona-Krise fast 40 Prozent seines Werts

Nachdem der Dax am Montag erstmals seit Anfang März wieder oberhalb von 12.000 Punkten notierte, stabilisierte sich der Index am Dienstag bei einem Wert von 12.487. Damit haben die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands die Hälfte ihrer coronabedingten Kursverluste wieder wettgemacht. Am Mittwoch sank der Dax leicht ab, verharrte jedoch immer noch bei rund 12.400 Punkten.

Zur Erinnerung: Den allerhöchsten Stand in seiner Geschichte erreichte der Dax am 18. Februar, unmittelbar vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa. Damals lag er bei einem Rekordwert von 13.789 Punkten. Was folgte, war ein Crash, der seinesgleichen suchte: Binnen eines Monats verlor der Dax fast 40 Prozent, fand seinen Tiefpunkt am 18. März bei 8.441 Punkten.

Seitdem aber ging es wieder – mehr oder weniger – steil bergauf, der Wert des Dax' stieg um fast 50 Prozent. Viele Analysten sprechen angesichts dieser Entwicklung auch von einer "V-förmigen" Erholung. Gemeint ist damit ein starker Kursabsturz, auf den kurze Zeit später ein ebenso starker Anstieg folgt.

Die Börse entkoppelt sich von der Wirtschaft

Zu erwarten war das nicht. Das Gros der Analysten hatte angesichts der eingangs erwähnten Konjunkturdaten vielmehr mit einem längeren Kurs-Tal, also länger anhaltenden niedrigeren Aktienwerten, gerechnet.

Davon aber kann derzeit keine Rede sein: Die Finanzmärkte, so scheint es, haben sich so weit von der Realwirtschaft, also der tatsächlichen Produktion der Unternehmen, entfernt wie lange nicht. Auch jetzt trauen viele Investoren der Aktien-Rally, dem sogenannten Bullen-Markt, deshalb noch nicht.

Dennoch gibt es für die Entwicklung der vergangenen Tage, teils mehr, teils weniger gute Gründe. Die drei wichtigsten sind:

  • Staatliche Hilfspakete in Milliarden-Höhe sorgen für Zuversicht
  • Die Zentralbanken fluten die Märkte mit billigem Geld
  • Der Herdentrieb drängt viele Großanleger und Fondsmanager zum Kauf

t-online.de erklärt, was es damit auf sich hat – und erläutert, was das für Anleger heißt.

1. Die staatlichen Hilfspakete

Es sind gewaltige Summen, mit denen nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier momentan jonglieren. Auch in Brüssel, auf EU-Ebene, und in den USA, der weltgrößten Volkswirtschaft, schnürt die Politik ein Hilfspaket nach dem anderen, damit die Unternehmen in der Corona-Krise, für die sie nichts können, am Leben bleiben.

Allein ein spezieller Schutzschirm, den Bundestag und Bundesrat im Rekordtempo durchgewunken haben, hat ein Volumen von 600 Milliarden Euro. Hinzu kommen Soforthilfen für kleine und mittelgroße Unternehmen.

Das gerade von der Großen Koalition auf den Weg gebrachte Konjunkturpaket über 130 Milliarden Euro ist da noch gar nicht mit drin. Zusätzlich bezuschusst die Bundesagentur für Arbeit über das Kurzarbeitergeld die Löhne von Millionen Arbeitnehmern, die so ihre Jobs behalten, statt gefeuert zu werden.

Ihr Ziel haben die Regierungen erreicht. Bis auf wenige Ausnahmen haben die meisten Firmen die Corona-Krise mit dem beispiellosen Lockdown und der Unterbrechung von Lieferketten bislang relativ gut überstanden – auch wenn es, wie im Falle der Lufthansa, dafür größere Anstrengungen des Staates brauchte.

  • Die Folge an den Finanzmärkten: Viele Anleger schöpfen Hoffnung, dass mit den Lockerungen des Lockdowns das Schlimmste bereits überstanden ist, dass auch im Falle einer zweiten Welle der Staat alles Erdenkliche tut, um pleitebedrohte Firmen zu retten. Und da an der Börse sprichwörtlich die Zukunft gehandelt wird, also Erwartungen für die weitere Entwicklung der Börsenkonzerne, greifen viele Investoren und Anleger schon jetzt zu.

2. Das billige Geld

Auf der ganzen Welt sorgen zusätzlich die Zentralbanken dafür, dass es am wichtigsten Schmierstoff der Wirtschaft nicht fehlt: Geld. In bislang ungekanntem Ausmaß haben die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB), aber auch zahlreiche andere nationale Zentralbanken – im übertragenen Sinne – die Notenpresse angeworfen.

Konkret heißt das: Sie kaufen im großen Stile Staatsanleihen auf, zum Teil auch Kreditpapiere von Unternehmen, damit insbesondere die Regierungen flüssig bleiben. Die EZB etwa pumpt über ihr neu aufgelegtes Anleihen Kaufprogramm PEPP (Engl.: "Pandemic Emergency Purchase Programme", "Pandemie-Notfall-Kaufprogramm") 750 Milliarden Euro in die Märkte.

Zudem halten die Zentralbanken den sogenannten Leitzins, zu dem sich Banken bei ihnen Geld leihen können, niedrig. Derzeit etwa können sich die europäischen Banken zum Nulltarif bei der EZB verschulden, müssen also keine Zinsen zahlen. Teilweise ist der Zins sogar negativ, das heißt: Die EZB schenkt den Banken Geld, indem sie ihre Kredite später nicht vollständig abbezahlen müssen.

Das war zwar schon vor der Corona-Krise so. Angesichts der wirtschaftlichen Lage aber wirkt die in den vergangenen Jahren diskutierte "Zinswende", also die Rückkehr zu einem allgemein höheren Zinslevel in den kommenden Jahren, sehr unwahrscheinlich.

  • Die Folge an den Finanzmärkten: Das Wachstum der weltweiten Geldmenge bleibt nicht ohne Folgen. Das Geld landet früher oder später auch bei Anlegern und Großinvestoren, die schon jetzt auf großen Cash-Reserven sitzen. Für sie und auch für Kleinanleger werden Aktien nun noch attraktiver. Denn andere Formen der Geldanlage, wie etwa fest-verzinste Anleihen, versprechen ob der niedrigen Zinsen deutlich geringere Erträge, genannt Renditen – und das langfristig. Deshalb decken sie sich mit Aktien ein, was die Entkoppelung von Realwirtschaft und Börse noch beschleunigt.

3. Der Herdentrieb

Der womöglich wichtigste Faktor für die jüngsten Kursanstiege hat einen psychologischen Ursprung. Zwar ist oft davon die Rede, dass "die Börse" verrückt spiele. Tatsächlich aber stehen hinter allen Kursschwankungen stets Menschen, die durch den Kauf oder Verkauf von Aktien die Preise der Anteilsscheine beeinflussen.

Entgegen der landläufigen Theorie der Volkswirtschaftslehre handeln diese Menschen dabei nicht gänzlich rational, sondern lassen sich im hohen Maße auch von Emotionen leiten. Ein vorherrschendes Gefühl dieser Tage hört dabei auf die englische Abkürzung "Fomo", "Fear of Missing Out", zu Deutsch: die Angst, etwas zu verpassen.

Umgemünzt auf den Aktienmarkt heißt das: Obwohl viele Anleger und Investoren die eigentlich schlechten Konjunkturdaten kennen, sie insgeheim um die Gefahr einer zweiten Virus-Welle wissen, lassen sie sich vom Optimismus der Herde leiten – weil sie Angst haben, zum falschen Zeitpunkt zuzuschlagen, später womöglich mehr für ihre Aktien zu zahlen.

Verstärkt wird der Herdentrieb dabei durch Großinvestoren und Fondsmanager, die große Summen verwalten. Um das Geld ihrer Anleger in Sicherheit zu bringen, haben sie beim Absturz der Kurse Ende Februar im großen Stil Aktien verkauft und verfügen jetzt über viel Cash. Damit ihnen die Anleger später nicht vorwerfen können, Verluste gemacht zu haben.

  • Die Folge an den Finanzmärkten: Die Angst vor dem Verpassen drängt mehr Menschen zum Kauf. Auch wenn sie eigentlich glauben, dass die Börsen überhitzt ist, statten sie sich jetzt mit Aktien aus, um ebenfalls an den Kursgewinnen teilzuhaben. Das wiederum treibt die Preise noch weiter nach oben. Die Hoffnung, die alle Investoren und Anleger verbindet ist, dass es kein böses Erwachen in Form eines weiteren Crashs gibt.

Privatanleger sollten nicht voll ins Risiko gehen

Sollten Kleinanleger deshalb nun auch sofort zuschlagen und im großen Stile Aktien kaufen? Diese Frage bewerten – je nach Glaube an weitere Kursanstiege – Experten unterschiedlich. Fakt ist: Die Entscheidung darüber muss jeder für sich selbst treffen.

Aufgrund der hohen Unsicherheit, die die Corona-Krise ausgelöst hat, ist es aber noch mehr als sonst ratsam, nicht ins volle Risiko zu gehen. Denn den perfekten Einstiegszeitpunkt an der Börse zu finden, ist selbst für Profis nahezu unmöglich.

Wer jetzt über den Kauf von Aktien nachdenkt, sollte deshalb schrittweise vorgehen. Am besten ist es, den Anlagebetrag auf mehrere Tranchen verteilen – zum Beispiel mithilfe eines Sparplans, der monatlich in passive Aktienfonds, genannt ETFs, investiert.

Auf diese Weise nämlich lässt sich das Risiko verringern, mit einem großen Betrag auf den falschen Zeitpunkt zu setzen: Fallen die Kurse wenig später wieder, bekommen Anleger beim Kauf der nächsten Tranche deutlich mehr für ihr Geld.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Analyse
  • Bundesministerium der Finanzen
  • Handelsblatt
  • Manager Magazin
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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