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Corona-Konjunkturpaket: 300 Euro Kinderbonus – was sind die Auswirkungen?

130 Milliarden Euro  

Das bringt das Konjunkturpaket für Verbraucher und die Wirtschaft

Von Mauritius Kloft, Florian Schmidt

05.06.2020, 13:21 Uhr
Wirtschaftsminister Altmaier präsentiert Konjunkturprogramm

Das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket wird nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier helfen, die schwerste Rezession der Nachkriegszeit zu überwinden. (Quelle: Reuters)

"Setzen Stabilitätsanker im Sturm": Wirtschaftsminister Peter Altmaier präsentiert das größte Konjunkturprogramm in der deutschen Geschichte. (Quelle: Reuters)


Senkung der Mehrwertsteuer, Kinderbonus, E-Auto-Prämie: Die Liste an Hilfen für Verbraucher, Firmen und Kommunen ist lang. Doch was bringt wirklich etwas?

Es hat zwei volle Tage gebraucht, bis die Spitzen der Großen Koalition vor die Presse traten und ein Konjunkturpaket gigantischen Ausmaßes präsentierten: Mit 130 Milliarden Euro wollen sie die deutsche Wirtschaft aus der Corona-Krise führen.

Mehrwertsteuersenkung, Überbrückungshilfen für besonders betroffene Firmen, Prämien für E-Autos: Das sind nur drei der insgesamt 57 Maßnahmen für die deutsche Wirtschaft.

Doch was davon kommt auch wirklich beim Verbraucher an? Was bringt coronagebeutelten Unternehmen wirklich etwas? Eine Übersicht.

Temporäre Mehrwertsteuersenkung

Der Mehrwertsteuersatz soll vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 von 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkt werden. Der ermäßigten Satz, der etwa für Lebensmittel und Bücher gilt, sinkt in derselben Zeit von aktuell 7 Prozent auf 5 Prozent.

  • Was bringt das für mich?

Da der Staat bei allen Umsätzen weniger einstreicht, werden Waren und Dienstleistungen in Deutschland potenziell billiger. Voraussetzung dafür ist, dass die Anbieter, Produzenten und Händler die geringere Steuer in Form niedrigerer Preise auch an die Verbraucher "weiterreichen".

Theoretisch möglich wäre es nämlich auch, dass die Händler die Preise unverändert lassen – und dafür weniger Umsatzssteuer ans Finanzamt abführen. In diesem Fall würden nur sie durch höhere Gewinnmargen von der Steuersenkung profitieren, die Verbraucher gingen leer aus, der Kaufanreiz würde verpuffen.

Wahrscheinlich ist jedoch, dass viele Händler die geringere Steuer durchaus weiterreichen. Möglich ist gar, dass sie den Effekt durch Werbeangebote noch verstärken, um Kunden in die Läden zu locken. Ihr Kalkül: Lieber verdienen sie an mehr Kunden etwas weniger als an weniger Kunden etwas mehr.

Kommt es so, gilt: Ärmere Menschen profitieren stärker als reichere von der Steuersenkung. Denn sie geben einen größeren Teil ihres Einkommens für notwendige Dinge des Alltags aus, zum Beispiel Lebensmittel.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Idealerweise: Mehr Konsum und dadurch mehr Wachstum. Die Idee dahinter ist einfach. Niedrigere Preise sollen die Menschen zum Einkaufen bringen. Das Problem, das viele Ökonomen dabei sehen: Die Senkung der Umsatzsteuer ist zeitlich begrenzt.

In Erwartung steigender Preise, sobald die Mehrwertsteuer im Januar wieder bei 19 Prozent liegt, droht der Konsum Anfang nächstes Jahr wieder zusammenzubrechen. Eine mögliche Folge: die Krise wird nur verschoben.

Das betont auch der Wirtschaftsweise Volker Wieland. Mit Blick auf die Steuersenkung sagte er: "Anlass für dauerhaft mehr Investitionen und Beschäftigung gibt sie nicht. Der Strohfeuereffekt ist relativ hoch."

300 Euro Kinderbonus

Geplant ist ein einmaliger Kinderbonus von 300 Euro pro Kind für jedes Kind, der dann gemeinsam mit dem Kindergeld ausgezahlt werden soll. Der Bonus muss versteuert werden, er wird aber nicht auf die Grundsicherung angerechnet.

  • Was bringt das für mich?

Das hängt davon ab, ob Sie Kinder haben, für die Sie noch Kindergeld beziehen. Haben Sie keine, gehen Sie leer aus – andernfalls bekommen Sie je Kind 300 Euro. Dieses Geld können Sie ohne Zweckbindung ausgeben, damit etwa Rechnungen für Lebensmittel begleichen, die wegen des ausgefallenen Schulessens gestiegen sind.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Durch den Kinder-Bonus werden Familien entlastet, die aufgrund des Lockdowns höhere Kosten haben, zum Beispiel für die Kinderbetreuung. Wie bei der Mehrwertsteuersenkung ist das gewünschte Ergebnis, dass sich Eltern mit Kindern mehr leisten können, der Konsum ebenfalls gestärkt wird.

Ökonomisch betrachtet dürfte dieser Effekt relativ gering ausfallen, da es sich lediglich um eine Einmalzahlung handelt. Zudem gilt als wahrscheinlich, dass viele Eltern das Geld eher beiseite legen oder damit höhere Ausgaben in den bereits vergangenen Wochen nur ausgleichen.

Senkung der EEG-Umlage

Die sogenannte EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom-Anlagen soll ab 2021 durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt abgesenkt werden. Diese Umlage droht vor dem Hintergrund der Corona-Krise stark anzusteigen.

Der Grund: Die Netzbetreiber kaufen den Ökostrom von den Erzeugern ab und verkaufen ihn an der Strombörse weiter. Da die Einnahmen von der Strombörse nicht ausreichen, um die Stromerzeuger zu bezahlen, gibt es die EEG-Umlage. Diese steigt also, wenn der Börsenstrompreis sinkt. Genau das ist in den vergangenen Monaten passiert: Der Börsenstrompreis, der ohnehin schon am sinken war, ist wegen geringer Nachfrage in der Corona-Krise weiter gefallen.

Die Ökostromumlage soll nun 2021 bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde liegen und 2022 bei 6 Cent – derzeit liegt die Umlage, die Bürger über die Stromrechnung bezahlen, bei 6,76 Cent.

  • Was bringt das für mich?

Der Strompreis wird voraussichtlich etwas sinken – vor allem jedoch wird er nicht stark ansteigen, wie es Experten zuletzt befürchteten. Allerdings dürfte der Preis nicht viel niedriger sein als bislang.

So rechnete das Vergleichsportal Check24 aus, dass eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.250 Kilowattstunden 2021 etwa elf Euro sparen, im Jahr darauf betrage die Ersparnis 21 Euro. Für Singlehaushalte mit einem Jahresverbrauch von 1.500 Kilowattstunden ergebe sich eine Entlastung von vier Euro im kommenden Jahr und von acht Euro in 2022.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Auch Firmen profitieren von den geringeren Strompreisen – und das noch sogar noch stärker als Verbraucher. Denn je höher der Stromverbrauch, umso eher schlägt eine Abgabenänderung zu Buche.

Viele Unternehmen dürften also Geld sparen, das sie idealerweise für Investitionen nutzen können. Allerdings gibt es hier auch einen Haken: Denn große, stromintensive Unternehmen können sich bereits von der EEG-Umlage befreien lassen. Für sie ergibt sich keine Ersparnis.

Hilfen für Kommunen

Den Kommunen drohen hohe Steuerausfälle, weil vor allem die Gewerbesteuer als wichtigste Einnahmequelle einbricht. Diese Ausfälle sollen nun von Bund und Ländern zusammen ausgeglichen werden.

  • Was bringt das für mich?

Auf den ersten Blick nur wenig, es handelt sich um einen indirekten Effekt. Durch die Übernahme der fehlenden Gewerbesteuereinnahmen sollen die Gemeinden handlungsfähig bleiben – und mehr investieren.

Sofern das auch geschieht und die Kommunen ihr Geld in Schulen, Spielplätze oder neue Straßen stecken, haben auch die Bürger vor Ort etwas davon. Sie können sich dann, so die Hoffnung, etwa über die Sanierung eines Schwimmbads freuen.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Für die Unternehmen hat der Ausgleich der Steuerausfälle ebenfalls nur einen indirekten Effekt. Auch für sie kommt es darauf an, dass die Städte und Gemeinden investieren und ihre wiedergewonnenen Handlungsspielräume nutzen. Tun sie das, etwa indem sie Geld in die Infrastruktur stecken, profitieren davon auch lokale Firmen.

E-Auto-Prämie

Zwar einigten sich Spitzen von Union und SPD nicht auf eine Kaufprämie für Benziner und Dieselautos – dafür aber auf deutlich höhere Prämien für Elektroautos. Die Förderung des Bundes für die bestehende "Umweltprämie" soll befristet bis Ende 2021 für E-Fahrzeuge mit einem Nettolistenpreis von bis zu 40.000 Euro von 3.000 auf 6.000 Euro steigen. Dazu kommt eine Förderung der Hersteller. Wie Experten die Entscheidung bewerten, erfahren Sie hier.

Die Koalition plant außerdem, zusätzlich 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Ladenetzes für E-Autos sowie in die Förderung von Forschung bei der Batteriezellfertigung zu stecken. Für Zukunftsinvestitionen der Hersteller und der Zulieferindustrie soll für die Jahre 2020 und 2021 ein "Bonus-Programm" in Höhe von zwei Milliarden Euro aufgelegt werden.

  • Was bringt das für mich?

Das kommt darauf an, ob Sie ohnehin mit dem Kauf eines E-Autos liebäugeln – oder es jetzt planen. Diese könnten durch die Förderung nun deutlich günstiger werden. Allerdings ist es auch möglich, dass die Autohersteller ihre eigenen Prämien für Elektroautos nun zurückfahren – und sich der Preis für Verbraucher am Ende kaum ändert.

Die Hoffnung der Politik ist auch, durch die Förderung insgesamt mehr Menschen zum Kauf eines E-Autos zu bewegen. Diese sind häufig in der Anschaffung teurer – dafür im Verbrauch aber deutlich günstiger als Benziner oder Dieselfahrzeuge.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Idealerweise einen Innovationsschub für die Autoindustrie, mehr aber auch nicht. Denn die Produktion von Elektroautos steckt in Deutschland noch weitgehend in den Kinderschuhen – anders als etwa in China.

Die großen Autobauer VW, Daimler und BMW hatten deshalb bis zuletzt auf eine Kaufprämie auch für Benziner getrommelt. Durch eine solche allgemeine Subvention aller Antriebstechniken wäre der stimulierende Effekt für die Autoindustrie und ihre Zulieferer größer gewesen.

Geld für Bahn und ÖPNV

Die Deutsche Bahn bekommt wegen Einnahmeausfällen in der Corona-Krise milliardenschwere Finanzhilfen. Der Bund will dem bundeseigenen Konzern weiteres Eigenkapital in Höhe von fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Geplant sind außerdem Hilfen von 2,5 Milliarden Euro für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV).

  • Was bringt das für mich?

Bestenfalls ein deutlich verbessertes Angebot an Zügen, schlimmstenfalls gar nichts. Die Hoffnung aus der Politik ist, dass die Deutsche Bahn das Geld "in die Modernisierung, den Ausbau und die Elektrifizierung des Schienennetzes und das Bahnsystem" steckt.

Für die Verbraucher kann das am Ende heißen, dass die Züge moderner sind – oder es generell mehr Bahnverbindungen gibt. Möglich ist aber auch, dass das Geld versiegt, weil die Bahn es nicht für neue Investitionen nutzt.

Dasselbe gilt für den ÖPNV: Wahrscheinlich werden die einzelnen Betriebe, die Busse oder U-Bahnen in den Städten bereitstellen, das Geld nur fürs tägliche Geschäft nutzen – und weniger um neue Investitionen anzustoßen. Das liegt auch daran

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Wie bei den Hilfen für Kommunen gilt auch in diesem Fall: Alles hängt davon ab, wie stark die Bahn und die Nahverkehrsanbieter das Geld nutzen, um etwa neue Züge zu kaufen oder Schienen zu erneuern.

Nur wenn die Verkehrsunternehmen das Geld auch investieren, kann ein sogenannter Multiplikatoreffekt entstehen. Das heißt, die von der Bahn beauftragten Firmen nutzen das Geld ihrerseits, um etwa neue Jobs zu schaffen, was wiederum zu weniger Arbeitslosen führen und dadurch zu mehr Konsum führen könnte.

"Sozialgarantie 2021"

Infolge der Corona-Krise steigen die Ausgaben in allen Sozialversicherungen. Um eine Steigerung der Lohnnebenkosten zu verhindern, plant die Koalition eine "Sozialgarantie 2021". Die Sozialversicherungsbeiträge sollen bei maximal 40 Prozent stabilisiert werden, durch milliardenschwere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Dies soll die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer schützen und Arbeitgebern Verlässlichkeit bringen.

  • Was bringt das für mich?

Wenn Sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, müssen Sie dank der Garantie keine Angst haben, dass Sie künftig mehr Ihres Einkommens für Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abdrücken müssen. Zwar bleibt Ihnen nicht mehr Netto vom Brutto als bisher. Allerdings müssen Sie auch nicht damit rechnen, dass es künftig weniger wird.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Auch Unternehmen hilft die Garantie, da sie die Hälfte der Beiträge zur Sozialversicherung für die Arbeitnehmer zahlen. Die Firmen können sich so darauf verlassen, dass die Beiträge nicht weiter steigen – und dementsprechend planen.

"Überbrückungshilfen" für Firmen

Besonders belastete Branchen und Betriebe bekommen eine zusätzliche Unterstützung in Milliardenhöhe. Geplant sind "Überbrückungshilfen" im Umfang von maximal 25 Milliarden Euro. Ziel ist es, eine Pleitewelle bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu verhindern, deren Umsätze weggebrochen sind. Die Überbrückungshilfe soll für die Monate Juni bis August gewährt werden.

Sie soll gelten für Branchen wie das Hotel- und Gaststättengewerbe, Clubs und Bars, Reisebüros, Schausteller, aber auch Profisportvereine der unteren Ligen. Erstattet werden sollen fixe Betriebskosten bis zu einem Betrag von 150.000 Euro für drei Monate. Geplant ist auch ein Programm zur Milderung der Corona-Auswirkungen im Kulturbereich, und zwar in Höhe von einer Milliarde Euro.


Geplant sind daneben steuerliche Entlastungen für Firmen. So wird der sogenannte steuerliche Verlustrücktrag erweitert. Betriebe können damit aktuelle krisenbedingte Verluste schon im laufenden Jahr mit Gewinnen aus dem Vorjahr verrechnen – das soll die Liquidität stärken. 

  • Was bringt das für mich?

Zunächst nicht viel, direkt zu spüren bekommen Verbraucher die Hilfen nicht. Indirekt aber dürften Tausende Arbeitnehmer durchaus davon profitieren. Im Ernstfall nämlich bewahren die Kredite Firmen vor der Insolvenz und ihre Angestellten damit vor einem möglichen Rauswurf. Zudem können die Kredite dafür sorgen, dass etwa Ihr Lieblingsladen oder das Kino um die Ecke die Krise überstehen.

  • Was bringt das für die Wirtschaft?

Sehr viel! Insbesondere die Erweiterung des steuerlichen Verlustrücktrages kann vielen Firmen über den Berg helfen. Denn dadurch steht ihnen deutlich mehr Geld zur Verfügung, dass sie zur Bildung von Rücklagen verwenden können. Ebenso sind die Kredite ein gutes Mittel, um den Unternehmen kurzfristig Liquidität zu verschaffen, die sie vor der Pleite bewahrt.

Was Wirtschaftsminister Peter Altmaier zum neuen Konjunkturprogramm zu sagen hat, sehen Sie oben im Video, oder wenn Sie hier klicken.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Eckpunktepapier 3. Juni 2020
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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