Sie sind hier: Home > Finanzen > Corona-Krise >

Milliarden-Konjunkturpaket: Das sagen Deutschlands Ökonomen

Milliarden gegen Corona  

Das sagen Deutschlands Ökonomen zum Konjunkturpaket

04.06.2020, 13:40 Uhr
130 Milliarden Euro: Regierung einigt sich auf Konjunkturpaket

21 Stunden diskutierte die große Koalition über ihr "Zukunftspaket". Jetzt hat sich die Regierung auf ein 130 Milliarden Euro schweres Paket geeinigt. (Quelle: Reuters)

Die Kanzlerin gibt die Marschrichtung vor: Die Regierung hat sich auf ein umfassendes Konjunkturpaket geeinigt. (Quelle: Reuters)


Mit 130 Milliarden will die Bundesregierung die coronagebeutelte Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Ökonomen sind sich fast einig: Die Koalition hat einen großen Wurf geschafft. Doch es gibt auch Kritik.

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat das milliardenschwere Konjunkturpaket begrüßt, das die Bundesregierung am späten Mittwochabend vorstellte. "Auch wenn das Konjunkturpaket überraschend groß ausfällt, ist es angesichts der beispiellosen Wirtschaftskrise nötig – und auch fiskalisch verantwortbar", sagte Hüther t-online.de.

Er lobt vor allem die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer, den Kinderbonus und die Übernahme der fehlenden Gewerbesteuereinnahmen von Kommunen. "Diese konjunkturellen Elemente geben wichtige Impulse und sorgen für soziale Balance", so Hüther. "Nun gilt es, die strukturellen Ansätze auszubauen, um weitere Wachstumsperspektiven zu eröffnen."

Auch andere Ökonomen beurteilten das Paket positiv. Der Ökonom und Universitätsprofessor Jens Südekum spielte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter vor allem auf die Mehrwertsteuersenkung an, die viele überrascht habe.

"Strohfeuereffekt ist relativ hoch"

Volker Wieland, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, dagegen sieht gerade die Mehrwertsteuersenkung kritisch: "Das ist eine klassische Konjunkturmaßnahme, die jedoch erfahrungsgemäß hauptsächlich einen Verschiebungseffekt auslöst." Die Mitglieder des Sachverständigenrates werden auch als "Wirtschaftsweisen" bezeichnet.

"Anlass für dauerhaft mehr Investitionen und Beschäftigung gibt sie nicht. Der Strohfeuereffekt ist relativ hoch", sagte Wieland der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem bringe die Senkung der Mehrwertsteuer wenig für die Branchen, die weiterhin durch coronabedingte Einschränkungen betroffen seien und nur eine beschränkte Anzahl von Kunden bedienen können.

Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, sagte im Deutschlandfunk: "Das Konjunkturpaket ist sicherlich in der Lage, die Rezession zu dämpfen, abschaffen kann man sie natürlich nicht. Das ganze wird der Bevölkerung sicherlich auch Mut machen und den Unternehmen und die Stimmung ein bisschen verbessern." 

"Die Krise ist noch lange nicht überwunden"

Er glaubt aber nicht daran, dass das Paket alleine reichen wird, die Wirtschaft, die in der Pandemie schwere Einbußen erlitten hat, wieder auf die Beine zu stellen. "Die Krise selbst ist doch so massiv, dass man sie damit nicht so leicht aus der Welt schaffen kann. Die Krise ist noch lange nicht überwunden."

Sehr viel hänge indes davon ab, ob es eine zweite Infektionswelle geben wird. "Ich fürchte wir sind in einer Krise, die längere Zeit anhält – sicherlich bis weit ins nächste Jahr."

Andere Ökonomen sehen das Paket noch kritischer. So schrieb Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), auf Twitter: "Das Konjunkturpaket hat viele gute und richtige Elemente, auch wenn eine Entschuldung der Kommunen und eine Stärkung der öffentlichen Investitionen fehlen."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Michael Hüther
  • Twitter
  • Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal