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Lufthansa-Aktie steigt aus dem Dax ab: Was genau bedeutet das für mich?

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Lufthansa-Aktie steigt ab aus dem Dax: Was bedeutet das für mich?

22.06.2020, 09:04 Uhr
Lufthansa-Aktie steigt aus dem Dax ab: Was genau bedeutet das für mich?. Lufthansa-Maschine im Landeanflug: Die Aktie des Luftfahrtkonzerns steigt aus dem Dax ab. (Quelle: imago images/Jörg Halisch)

Lufthansa-Maschine im Landeanflug: Die Aktie des Luftfahrtkonzerns steigt aus dem Dax ab. (Quelle: Jörg Halisch/imago images)

Die Lufthansa spielt ab heute nicht mehr in der ersten Börsenliga mit: Sie fliegt aus dem deutschen Leitindex, dem Dax. Doch was heißt das eigentlich genau?

Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa Detailseite muss den Platz in der ersten deutschen Börsenliga räumen. Seit Montag werden die Aktien der größten Fluggesellschaft Deutschlands im MDax der mittelgroßen Werte gehandelt.

Freuen kann sich darüber der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen Detailseite, der an die Stelle der Lufthansa rückt. Für die Fluggesellschaft hingegen ist der Abstieg aus dem Dax ein historisches Ereignis. Denn sie zählte zum Kreis der 15 Gesellschaften, die seit dem Start des Dax am 1. Juli 1988 ununterbrochen in dem Index gelistet waren. Nach fast genau 32 Jahren ist damit nun Schluss – zumindest vorerst.

Doch warum ist die Lufthansa abgestiegen? Wer hat darüber entschieden? Und was heißt das für Privatanleger? t-online.de klärt die wichtigsten Fragen und Antworten um den Dax-Abstieg der Lufthansa.

Wer entscheidet über das Auf- und Absteigen der Aktien?

Über die Zusammensetzung des Dax wacht der sogenannte "Arbeitskreis Aktienindizes". Diesem Gremium gehören Vertreter von Deutscher Börse und verschiedenen Banken an.

Sie entscheiden anhand von zwei Kriterien über das Auf- und Absteigen der Aktien:

  1. Börsenumsatz: Dieser gibt Aufschluss darüber, wie viele Aktien des Konzerns gehandelt werden.
  2. Marktkapitalisierung: Sie gibt an, wie viel ein Unternehmen letztlich wert ist. Um sie zu errechnen, muss man alle im Umlauf befindlichen Aktien mit dem Aktienkurs multiplizieren.

Beide Kennzahlen spielen bei zwei Auf- und Abstiegsmöglichkeiten eine zentrale Rolle: Im Standardfall, der sogenannten "Regular-Exit"-Regel, steigt ein Unternehmen aus dem Dax ab, wenn es nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 größten Unternehmen zählt. Gleichzeitig muss es ein Unternehmen aus dem MDax geben, das nach beiden Kriterien mindestens auf Platz 35 liegt. Dieses würde dann in den Dax aufsteigen.

Die Ausnahmeregel, die sogenannte "Fast-Exit"-Regel, bedeutet, dass eine Aktie aus dem Dax fällt, wenn sie bei einem der beiden Kriterien schlechter rangiert als auf Platz 45. Dafür rückt dann eine Aktie aus dem Mittelwerte-Index MDax auf, die bei dem Börsenwert mindestens auf den 35. Platz kommt.

Normalerweise entscheidet der Arbeitskreis nur einmal im Jahr, im September, über eine neue Zusammensetzung des Aktienindex. Es ist aber auch möglich, den Dax im März, Juni und Dezember anzupassen. Das geht dann nur über die Fast-Exit-Regel – wie jetzt im Falle der Lufthansa.

Warum ist die Lufthansa abgestiegen?

Einen Abstieg an der Börse ist mit dem Abstieg in der Bundesliga vergleichbar: Vereine, die zu schlecht spielen, fliegen raus. So war es auch bei der Lufthansa. In diesem Fall galt die sogenannte Fast-Exit-Regel. Der Kurs der Lufthansa-Aktie war im Sog der Corona-Krise eingebrochen. 

Wegen des gefallenen Aktienkurses ist auch die Marktkapitalisierung, also die Summe aller Aktien im Umlauf mal dem Kurswert, sowie der Börsenumsatz gesunken. So beträgt die Marktkapitalisierung bei der Lufthansa aktuell nur noch etwa 4,83 Milliarden Euro. Deshalb entschied der "Arbeitskreis Aktienindizes" bereits Anfang Juni darüber, die Lufthansa aus dem Dax zu nehmen.

Warum ist es überhaupt so wichtig, im Dax zu sein?

Das hat vor allem mit Prestige zu tun. Denn: Der Dax ist der wichtigste deutsche Aktienindex. Er wird deshalb auch als Leitindex bezeichnet. Gerade für internationale Investoren spielt er deshalb eine entscheidende Rolle. Denn diese schauen häufig nur nach Aktien von Firmen, die im Dax notiert sind – und nicht in den Mittel- oder Nebenwerteindizes MDax oder SDax. Mehr Investoren bedeuten grundsätzlich auch mehr Geld – denn je begehrter eine Aktie ist, umso höher ist ihr Preis, und damit der Marktwert des Unternehmens.

Auch für Anleger ist der Dax von Bedeutung. Denn viele von ihnen investieren ihr Geld über spezielle Aktienfonds, sogenannte ETFs oder auch Indexfonds, in Aktien. Diese bilden stets einen Aktienindex nach, legen das Geld also automatisch in alle Unternehmen an, die in einem Aktienindex gelistet sind. Wer etwa in einen Dax-ETF investiert, also einen Indexfonds, der nur den Dax nachbildet, war bislang auch Anteilseigner der Lufthansa. Künftig taucht die Airline nicht mehr in einem solchen ETF auf (siehe unten).

Was bedeutet der Abstieg für mich als Privatanleger?

Das kommt darauf an, ob Sie bereits Lufthansa-Aktien besitzen oder nicht. In ersterem Fall kann es sein, dass der Kurs in naher Zukunft erst einmal noch etwas fällt. Denn das Unternehmen wird nun an Bedeutung verlieren – und damit auch an Investoren-Interesse (siehe oben).

Wenn Sie noch keine Lufthansa-Papiere besitzen, könnte sich ein Investment hingegen bald lohnen. Denn: Es ist gut möglich, dass sich die Aktie des Konzerns in der zweiten Börsenliga wieder erholt – gerade wenn es für den Konzern wirtschaftlich bergauf geht. Wann dies aber der Fall ist, ist noch völlig offen.

Was heißt das für meinen Dax-ETF?

Ganz einfach: Die Lufthansa-Aktie wird nicht mehr in Ihrem ETF zu finden sein. Stattdessen findet sich dann das Wertpapier der Deutsche Wohnen im Dax-ETF wieder.

Wenn Sie weiterhin noch in den Lufthansa-Konzern investieren möchten, müssten Sie extra Papiere dazu kaufen – risikoärmer würde das aber mit einem ETF funktionieren, der den MDax nachbildet. Dann haben Sie neben der Lufthansa noch Konzerne wie Thyssenkrupp oder Commerzbank in Ihrem Indexfonds.

Was bedeutet es für die Wirtschaft, dass die Lufthansa nicht mehr im Dax vertreten ist?

Erst einmal wenig. Denn der Abstieg der Lufthansa ist nur das Ergebnis der schlechten wirtschaftlichen Situation der Lufthansa. Viele Anleger haben sich deshalb von der Aktie abgewandt.


Auf den zweiten Blick aber zeigt es aber, dass die Luftfahrtbranche in der deutschen Wirtschaft an Bedeutung verliert. Wegen Klimabewegungen und Umweltauflagen geriet die Branche bereits vor Corona unter Druck. Immobilienunternehmen wie Deutsche Wohnen, die von niedrigen Zinsen stark profitieren, konnten in den vergangenen Jahren dagegen ihr Geschäft stark ausbauen – und hohe Gewinne einfahren.

Wann steigt die Lufthansa wieder auf?

Im Grunde ist die Frage einfach zu beantworten: Sobald ihr Börsenwert und der Handelsumsatz an der Börse es wieder zulassen – und es einen Partner gibt, mit dem die Lufthansa tauschen kann. Doch bis das soweit ist, muss sie sich wirtschaftlich erst einmal erholen. Wie schnell das passiert, ist offen.

Was bedeutet der Aufstieg der Deutsche Wohnen für mich als Mieter?

Zunächst einmal gar nichts – sofern Sie nicht gleichzeitig Aktien des Unternehmens halten. Den Aufstieg in die erste Börsenliga verbucht die Deutsche Wohnen als Erfolg, der zeigt, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Die Aktie des Unternehmens ist nach der Entscheidung der Deutschen Börse im MDax stark gestiegen.

Da der Konzern wegen seiner Marktmacht allerdings sehr umstritten ist und in Berlin auch eine Petition für die Enteignung des Konzerns läuft, könnte es aber sein, dass das Papier wieder unter Druck gerät. Es gilt: In der ersten Börsenliga stehen die Unternehmen auch eher unter Beobachtung – und die Deutsche Wohnen muss sich hier erst einmal beweisen.

Kritiker der Deutschen Wohnen gehen zudem davon aus, dass die Aktionäre künftig noch eher als zuletzt eine höhere Dividende erwarten. Ihre Befürchtung: Die Deutsche Wohnen könnte ihre Mieter stärker zur Kasse bitten, um ihre Gewinne zu erhöhen. Ob es dazu wirklich kommt, bleibt allerdings abzuwarten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Analysten
  • finanzen.net
  • boerse.ard.de
  • boerse.de
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen



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