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Experte: Mehrwertsteuersenkung wird bei Verbrauchern kaum ankommen

Konjunkturpaket  

Experte: Niedrigere Steuer kommt bei Kunden kaum an

10.06.2020, 12:10 Uhr
Experte: Mehrwertsteuersenkung wird bei Verbrauchern kaum ankommen. Frau beim Einkaufen: Laut einem Handelsexperten werden Geschäfte die gesunkene Mehrwertsteuer nicht an Verbraucher weitergeben. (Quelle: imago images/MedienServiceMüller)

Frau beim Einkaufen: Laut einem Handelsexperten werden Geschäfte die gesunkene Mehrwertsteuer nicht an Verbraucher weitergeben. (Quelle: MedienServiceMüller/imago images)

Die große Koalition will den Mehrwertsteuersatz senken. Die Hoffnung: Die Preise sollen sinken, die Menschen mehr kaufen. Das wird nicht passieren, schätzt ein Handelsforscher.

Die Senkung der Mehrwertsteuer wird nach Einschätzungen von Experten kaum bei den Verbrauchern ankommen. Der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz, sagte im Gespräch mit t-online.de: "Ich gehe davon aus, dass die Kunden vor allem bei Lebensmitteln etwas weniger zahlen müssen. Bei allen anderen Konsumgütern ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass die Händler die Steuersenkungen zwangsläufig an die Verbraucher weitergeben. Der Steuersenkungseffekt wird häufig durch Rabattaktionen überlagert."

Das liege auch daran, dass für viele Händler die Umsetzung der Regelung sehr kompliziert und teuer sei. "Jetzt rächt sich, dass mittelständische Geschäfte der Digitalisierung häufig hinterher hinken", so Hudetz. Sie müssten für Preisanpassungen buchstäblich neue Preistafeln drucken, die Preise in den Computersystem händisch anpassen. "Das kostet oft Zeit und bisweilen auch Geld", so Hudetz.

Die Große Koalition hatte als Teil eines 130 Milliarden Euro teuren Konjunkturpakets beschlossen, beide Mehrwertsteuersätze zu senken – von 19 auf 16 Prozent sowie den ermäßigten Satz von 7 auf 5 Prozent. Gelten sollen die neuen Steuersätze vom 1. Juli bis 31. Dezember. Union und SPD wollen damit die durch die Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogene Konjunktur wieder ankurbeln.

Experte: Händler versuchen, wieder Gewinne einzufahren

Die Händler könnten die zusätzliche Marge, die durch die Mehrwertsteuersenkung entstehe, momentan gut gebrauchen, so der IFH-Geschäftsführer. "Wichtig ist bei vielen Händlern angesichts der wirtschaftlich schwierigen Situation, nicht nur die Fixkosten zu decken, sondern auch zu versuchen, wieder Gewinne einzufahren", sagte er.

Zuletzt hatten bereits Aldi, Rewe und Kaufland angekündigt, ihre Preise anzupassen. Das jedoch werde sich laut Hudetz kaum im Geldbeutel bemerkbar machen. "Beim Lebensmittelkauf ist die Ersparnis je Produkt gering." Außerdem gelte, dass sich niemand automatisch fünf Joghurts mehr kaufen, nur weil diese einen Cent günstiger seien.

Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln. (Quelle: t-online/IFH Köln)Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln. (Quelle: IFH Köln/t-online)

Für den Elektrohandel hingegen schätzt Hudetz, dass die Geschäfte die Steuersätze nicht in Form niedriger Preise an die Kunden weiterreichen werden. "Hier ist der Preiskampf besonders groß – bei Konkurrenz wie Amazon oder Ebay", sagte er. "Die Rabattschlachten sorgen dafür, dass die Preise ohnehin fallen und geben den Händlern kaum Spielraum."

"Einkaufsstimmung ist vielfach noch immer im Keller"

Bei aller Kritik – ein Patentrezept zur Stimulierung des Konsums hat auch Hudetz nicht. "Die Einkaufsstimmung ist vielfach noch immer im Keller", sagte er. Zu beobachten sei derzeit ein "Such-Kauf-Modus", also dass Verbraucher eher ihren Einkaufszettel abarbeiten würden anstatt sich beim Einkaufen inspirieren zu lassen.

"Für den stationären Handel ist der Inspirationsmodus aber entscheidend", so Hudetz. Dass sich die Menschen nicht in diesem Modus befänden, liege vor allem an der Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Außerdem habe sich das Einkaufserlebnis durch die Beschränkungen und die Maskenpflicht stark geändert, weshalb viele Menschen wenig Lust aufs Shoppen hätten.

Hinzu käme noch, dass zahlreiche Menschen wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit oder sogar arbeitslos und deshalb verunsichert seien. "Es wird sicher viele Menschen geben, die mit einem Großeinkauf lieber warten, bis sie weniger Sorgen um die Zukunft haben", so Hudetz.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Kai Hudetz
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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