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Historischer Absturz: Deutsche Exporte im April mehr als 30% eingebrochen

Corona-Krise  

Deutsche Exporte brechen im April um mehr als 30 Prozent ein

09.06.2020, 11:00 Uhr | fls, dpa, rtr

Deutscher Export im April stark eingebrochen

Die Corona-Krise stellt nicht nur die Gesundheitssysteme auf eine harte Probe, vielerorts leidet ebenfalls die Exportwirtschaft – auch in Deutschland. (Quelle: dpa)

Historischer Absturz: Im April sind die Zahlen der Exporte aus Deutschland stark eingebrochen (Quelle: dpa)


Die Auswirkungen der Corona-Krise schlagen sich in der Ausfuhrstatistik nieder. Im April sanken die für die deutsche Wirtschaft wichtigen Exporte um mehr als 30 Prozent. 

Die deutschen Exporte sind wegen der Corona-Rezession bei vielen wichtigen Handelspartnern so drastisch eingebrochen wie noch nie. Der Wert der Warenausfuhren sank gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,1 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Gegenüber dem Vormonat März gingen die Exporte im April um 24,0 Prozent zurück. Dies sei der "größte Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im August 1990". Auch die Importe brachen im Rekordtempo ein: Sie sanken um 16,5 Prozent zum Vormonat und damit zum dritten Mal in Folge.

"Das kann kein Konjunkturpaket ausgleichen"

Hoffnungen auf eine grundlegende Trendwende gibt es derzeit nicht: Die Industrieaufträge aus dem Ausland brachen im April um 28,1 Prozent ein, da sich wichtige Abnehmerländer wie die USA wegen der Corona-Krise in einer Rezession befinden und damit weniger Waren made in Germany nachgefragt werden. Insgesamt verkauften die deutschen Unternehmen im April Waren im Wert von 75,7 Milliarden Euro ins Ausland – fast ein Drittel weniger als im Vorjahresmonat.

Auch der Ökonom Jens Südekum, Professor für internationale Volkswirtschaftslehre an der Universität Düsseldorf, betrachtet die Entwicklung mit Sorgen. "Das war der größte monatliche Exportrückgang seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950", sagte Südekum am Dienstag t-online.de.

Jens Südekum ist  Professor internationale Volkswirtschaft an der Universität Düsseldorf. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)Jens Südekum ist Professor internationale Volkswirtschaft an der Universität Düsseldorf. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

"Das kann auf die Schnelle kein heimisches Konjunkturpaket ausgleichen – und schon gar nicht für die extrem vom Export abhängige Automobilindustrie", so der Ökonom. "Einzige Hoffnung ist, dass die Exporte nächstes Jahr genauso schnell wieder ansteigen. Aber ob das wirklich so sein wird, daran darf man Zweifel haben.“

China-Exporte gingen moderat zurück

Die gesamte Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession. Die EU-Kommission sagt für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent voraus und damit den stärksten Einbruch in der Nachkriegszeit.

Je nach Handelspartner waren die Exporte unterschiedlich stark beeinträchtigt: Die Ausfuhren nach China gingen im April 2020 vergleichsweise moderat um 12,6 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zurück. Das Coronavirus war zuerst in der Volksrepublik festgestellt worden und hatte dort zeitweise zu drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens geführt.

Im März hatte sich die Pandemie dann in Europa und den Vereinigten Staaten ausgebreitet. Die Exporte in die besonders betroffenen Länder Frankreich (minus 48,3 Prozent), Italien (minus 40,1 Prozent) und USA (minus 35,8 Prozent) brachen gegenüber dem Vorjahresmonat ein.

Welthandel könnte bis zu 32 Prozent zurückgehen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet mit einem Rückgang der Exporte im Gesamtjahr um mindestens 15 Prozent. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet ein Minus von 15 Prozent bei der Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen. Da das wirtschaftliche Wachstum bei nahezu allen Handelspartnern dramatisch einbreche, werde auch die Nachfrage nach "made in Germany" deutlich sinken, erläuterte der BDI.

Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) könnte der Welthandel in diesem Jahr um 13 bis 32 Prozent zurückgehen, je nach Verlauf der Corona-Pandemie. Schon 2019 hatte der Welthandel mit Waren stagniert, belastet von internationalen Handelskonflikten und der Abkühlung der globalen Konjunktur.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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