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Export-Einbruch in Deutschland: Was bedeutet das für mich?

Fragen und Antworten  

Wer vom Exporteinbruch besonders hart betroffen ist

Von Florian Schmidt, Mauritius Kloft

09.06.2020, 15:25 Uhr
Deutscher Export im April stark eingebrochen

Die Corona-Krise stellt nicht nur die Gesundheitssysteme auf eine harte Probe, vielerorts leidet ebenfalls die Exportwirtschaft – auch in Deutschland. (Quelle: dpa)

Historischer Absturz: Im April sind die Zahlen der Exporte aus Deutschland stark eingebrochen (Quelle: dpa)


Noch nie sind die deutschen Exporte so stark gesunken wie jetzt in der Corona-Krise. Das hat schwerwiegende Folgen – für Unternehmen, aber auch für Verbraucher. Welche das sind, lesen Sie hier.

Der deutsche Export ist im April infolge der Corona-Krise dramatisch eingebrochen. Der Wert der Warenausfuhren sank gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,1 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Das Schließen von Grenzen gerade auch im europäischen Binnenmarkt, die weltweite Verhängung von Handels- und Reisebeschränkungen sowie enorme Störungen in der See- und Luftfracht führten zu einem drastischen Rückgang der Ausfuhren. Die Importe verringerten sich um 21,6 Prozent auf 72,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresmonat.

Doch was bedeutet dieser Exportrückgang eigentlich? Welche Branchen sind besonders betroffen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Warum ist der Einbruch der Exporte so bedeutsam?

Weil Deutschland ein Exportland ist. Viele Jahre war Deutschland sogar "Exportweltmeister", heute führen lediglich China und die USA mehr Waren und Dienstleistungen aus als die deutsche Volkswirtschaft. Für den Arbeitsmarkt in Deutschland heißt das: Rund jeder vierte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt an den Exporten.

Der jüngste Einbruch der Exporte ist dabei historisch. Seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950 hat es nie einen solch starken Exportrückgang gegeben. Selbst zur Zeit der Finanzkrise betrug der stärkste Rückgang lediglich 28,2 Prozent – im April 2009 im Vergleich zum Vorjahresmonat.Entwicklung der deutschen Exporte nach Quartalen. (Quelle: t-online.de)Entwicklung der deutschen Exporte nach Quartalen. (Quelle: t-online.de)

Auslöser dafür ist eine einmalige Störung der Weltwirtschaft durch die Coronavirus-Pandemie. Sie sorgte dafür, dass es sowohl einen Angebots- als auch einen Nachfrageschock gibt – und das weltweit. Das heißt: Es werden weniger Güter exportiert, da die Nachfrage aus anderen Ländern zurückgeht. Gleichzeitig ist auch der Import eingebrochen: Auch deutsche Unternehmen standen still oder mussten ihre Investitionen zurückschrauben, weil die Fabriken in vielen Ländern geschlossen waren.

In welchen Zielländern sind die Exporte besonders eingebrochen?

Besonders stark fielen die Exporte in Länder, deren Wirtschaft ähnlich stark wie die deutsche von der Corona-Krise getroffen wurde. Und das sind – mit etwas Zeitversatz – fast alle Staaten der Welt. Die Folge für die Exportwirtschaft: Unternehmen und Verbraucher aus Ländern, denen es wirtschaftlich schlecht geht, müssen in Krisenzeiten sparen – auch an Produkten "made in Germany".

Erschwerend kommt hinzu, dass die globalen Handelsströme durch die Pandemie unterbrochen wurden. Viele Flugzeuge blieben am Boden, Containerschiffe im Hafen. Wichtige Zulieferungen aus anderen Ländern kamen deshalb nicht in Deutschland an.

Besonders stark gingen die Exporte nach Frankreich (minus 48,3 Prozent), Italien (minus 40,1 Prozent) sowie in die USA (minus 35,8 Prozent) zurück. Allerdings gab es auch Staaten, in denen der Exportrückgang noch schlimmer war – zumindest prozentual betrachtet. Das waren beispielsweise europäische Zwergstaaten wie Andorra oder San Marino.Die wichtigsten Exportländer von Deutschland. (Quelle: t-online.de)Die wichtigsten Exportländer von Deutschland. (Quelle: t-online.de)

Auffällig ist: Die Exporte nach China sanken lediglich um 12,6 Prozent, also weniger stark als im Schnitt. Ein Grund dafür ist, dass das Coronavirus in China ausbrach, die chinesische Wirtschaft früher als andernorts wieder anlief. 

Welche Branchen trifft es am stärksten – welche am wenigsten?

Der größte Verlierer ist die deutsche Autoindustrie: Hier betrug der Rückgang der Ausfuhren 73,6 Prozent im Vergleich zum April 2019. In absoluten Zahlen heißt das: Exportierten deutsche Unternehmen vergangenes Jahr im April noch Autos und andere Kraftfahrzeuge im Wert von knapp 19 Milliarden Euro, waren es in diesem April nur noch knapp fünf Milliarden Euro.

Auch der Maschinenbau ist stark betroffen. Hier betrug der Rückgang an Exporten 29,6 Prozent im Vergleich zum April 2019. Doch es gibt sogar Branchen, die noch stärker betroffen sind.

Andere, kleinere Branchen trifft es prozentual betrachtet sogar noch deutlich stärker. So wurden 75,5 Prozent weniger Kunstgegenstände im April exportiert als noch vor einem Jahr. Doch das Handelsvolumen ist hier auch deutlich geringer – und die Bedeutung für die deutsche Wirtschaft ebenso.

Wieder andere Firmen und Branchen konnten ihre Exporte dagegen sogar steigern. So wurden rund zehn Prozent mehr pharmazeutische Erzeugnisse, also Medizin, exportiert als noch vor einem Jahr.

Was bedeutet das für mich?

Das hängt davon ab, ob Sie selbst in einem der direkt betroffenen Sektoren arbeiten oder nicht. Rund 28 Prozent der deutschen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Export ab – in der Industrie ist sogar mehr als jeder zweite Job betroffen. Verdienen Sie Ihr Geld etwa in der Autoindustrie oder im Maschinenbau, erklären die Zahlen also, weshalb Sie oder Ihre Kollegen in den vergangenen Wochen in Kurzarbeit geschickt wurden.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat noch keine Krise zuvor Ihren Betrieb so stark getroffen wie die aktuelle. Und die Aussichten sind nicht gut: Voraussichtlich werden Sie auch in den kommenden Monaten noch stark unter den Auswirkungen der Export-Krise leiden, womöglich droht Ihnen der Verlust Ihres Jobs.

Doch auch, wenn Sie nicht Angestellter in einer solchen Branche sind, werden Sie die Auswirkungen – mit etwas Zeitverzug – aller Voraussicht nach zu spüren bekommen. Denn Deutschland ist ein Exportland (siehe oben). Brechen die Exporte ein, trifft das mittelfristig auch Firmen, die für die Exportindustrie arbeiten – zum Beispiel Werbeagenturen, die Aufträge aus der chemischen Industrie erhalten. Auch hier drohen folglich Stellenstreichungen, sollten sich die Exporte nicht erholen.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Aussichten für das laufende Jahr sind düster. So erwarten der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jeweils ein Exportminus von rund 15 Prozent für 2020. "Der Stopp von großen Teilen des Welthandels hat dramatische Folgen für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland in diesem Jahr", erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier am Dienstag.

Allerdings könnte es sein, dass sich der Export mit der Wirtschaft wieder erholt – und den absehbaren Rückgang im kommenden Jahr wettmacht, wie der Ökonom Jens Südekum im Gespräch mit t-online.de erläuterte. "Einzige Hoffnung ist, dass die Exporte nächstes Jahr genauso schnell wieder ansteigen", sagte er. "Aber ob das wirklich so sein wird, daran darf man Zweifel haben."


Ändern würde daran auch das jüngst beschlossene Programm der Bundesregierung wenig, das die Wirtschaft ankurbeln soll. "Das kann auf die Schnelle kein heimisches Konjunkturpaket ausgleichen – und schon gar nicht für die extrem vom Export abhängige Automobilindustrie", so Südekum weiter.

Nicht ausgeschlossen ist, dass deshalb die Bundesregierung weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Exportindustrie beschließt. In dem zuletzt beschlossenen Konjunkturpaket hatte sie auf die von der Autobranche lautstark geforderte Kaufprämie für sämtliche Wagen verzichtet.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Statistisches Bundesamt
  • Gespräch mit Jens Südekum
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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