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Corona-Krise: Wirtschaftsforscher rechnen mit noch heftigerer Rezession

Corona-Krise  

Wirtschaftsforscher fordern weitere staatliche Konjunkturhilfen

11.06.2020, 09:25 Uhr
Corona-Krise: Wirtschaftsforscher rechnen mit noch heftigerer Rezession. DIW-Chef Marcel Fratzscher: Sein Institut rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr um 9,4 Prozent schrumpft. (Quelle: imago images/teutopress)

DIW-Chef Marcel Fratzscher: Sein Institut rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr um 9,4 Prozent schrumpft. (Quelle: teutopress/imago images)

Kommt alles noch viel schlimmer? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht von einem verheerenden Einbruch der Wirtschaft aus – und fordert ein weiteres Konjunkturpaket. 

Die deutsche Wirtschaft dürfte wegen der Corona-Krise stärker einbrechen als die meisten Ökonomen bislang angenommen haben. In einer neuen Prognose geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt als Gradmesser der Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 9,4 Prozent gegenüber 2019 sinken wird.

Die Bundesregierung hatte zuletzt noch ein Minus von 6,3 Prozent angenommen. Nach dem zuletzt auf den Weg gebrachten Konjunkturpaket seien deshalb weitere staatliche Investitionen in Höhe von rund 192 Milliarden Euro notwendig, so die Forscher.

Das DIW selbst war in seiner Frühjahrsprognose im März noch von einem Schrumpfen der Wirtschaft von 0,1 Prozent ausgegangen. "Noch nie haben wir unsere Prognose binnen drei Monaten so stark angepasst", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher am Donnerstag bei einer Video-Pressekonferenz vor Journalisten. 

Der Einbruch der deutschen Wirtschaft werde in diesem Jahr deutlich drastischer sein als während der Finanzkrise vor gut zehn Jahren "Wir müssen realisieren, dass die Einschnitte schmerzlich sind und der Neustart nur sehr langsam vonstattengehen wird", sagte Fratzscher. "Wir werden uns auf Rückschläge einstellen müssen."

Wie stark die Corona-Krise die Unternehmen in Deutschland trifft, zeigte sich jüngst auch in der Exportstatistik. Um beispiellose 31,1 Prozent gingen die Ausfuhren von Waren "Made in Germany" im April verglichen mit dem Vorjahresmonat zurück – noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Einbruch der für Deutschland so wichtigen Exportindustrien so stark wie jetzt.

Diese Entwicklung hatten bei ihrer Berechnung auch die DIW-Forscher im Blick. Trotzdem gehen sie davon aus, dass es eine Erholung der Wirtschaft gibt. Wichtigste Voraussetzung dafür: Es darf nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommen. Gelinge das, wachse die Wirtschaftsleistung durch die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zwar bereits ab dem dritten Quartal wieder – jedoch nur "sehr schleppend".

"Längere Durststrecke"

Im Ökonomensprech heißt das: Anstelle eines sogenannten V-Szenarios, bei dem die Wirtschaft rasant einbricht, anschließend aber ebenso schnell wieder wächst, ist nun ein U-Szenario wahrscheinlicher. Gemeint ist damit, dass die wirtschaftliche Leistung eine längere Zeit unten bleibt, ehe sie zu neuem Wachstum zurückfindet. 

Das hat auch Folgen für den Arbeitsmarkt. Dort sehen die Aussichten nach der aktuellen DIW-Prognose düster aus: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland werde um rund 500.000 Menschen wachsen. Im Jahresdurchschnitt wären dann 2,7 Millionen Arbeitnehmer ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent entspreche.

Auch mit Blick auf die globale Wirtschaft gibt es laut DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen kaum Anlass zum Aufatmen. "Wir können nur hoffen, dass sich die Absatzmärkte für Produkte 'Made in Germany' schnell erholen", sagte er. "Danach sieht es aber augenblicklich nicht aus. Deutschland muss sich auf eine längere Durststrecke einstellen."

Aktuelles Konjunkturpaket sei richtig

Der Bund hielt deshalb mit Soforthilfen und Krediten für Firmen dagegen, zuletzt auch mit einem Konjunkturpaket in Milliardenhöhe. Das Ziel der großen Koalition: Die Wirtschaft soll möglichst schnell wieder anlaufen, vor allem der Konsum soll anziehen. Deshalb ist auch eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer geplant.

Das Konjunkturpaket, das die Bundesregierung am morgigen Freitag im Kabinett verabschieden will, sei sehr wichtig, so die Forscher. Viele der beschlossenen Maßnahmen dürften die Wirtschaft, dabei vor allem den Konsum, befeuern – und so dazu beitragen, dass die Rezession weniger heftig ausfällt.

"Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturprogramm geht in die richtige Richtung, stabilisiert die gesamtwirtschaftliche Nachfrage vor allem aber kurzfristig", so Michelsen. "Zusätzliche Investitionen zahlen sich hingegen langfristig aus und steigern die Einkommen dauerhaft."

Weitere Investitionen notwendig

In Zahlen heißt das: Wird das Paket tatsächlich wie geplant umgesetzt, dürfte die eingangs aufgestellte Prognose doch noch weniger schlimm ausfallen. Der Effekt des Pakets sei, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr "nur" um 8,1 Prozent schrumpft. Im kommenden Jahr dürfte sie dann um 4,3 Prozent wachsen.

Das aber sei nicht genug, es brauche weitere Investitionen. Deshalb plädiert das DIW für weitere Staatsausgaben. Insbesondere in sogenannte "Schlüsseltechnologien", in "umweltschonende Infrastruktur" und in die Bildung solle der Staat investieren.

Für ein so angelegtes zusätzliches Investitionsprogramm schwebt den Forschern ein Volumen von rund 192 Milliarden Euro vor. Eine der damit verbundenen Hoffnungen der Ökonomen: ein Plus von mehr als 800.000 Arbeitsplätzen in den kommenden zehn Jahren.

Verwendete Quellen:
  • Videopressekonferenz des DIW
  • DIW-Pressemitteilung

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