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Lufthansa-Großaktionär Thiele besorgt sich frisches Geld – Staatsdeal in Gefahr?

Staatsdeal in Gefahr?  

Lufthansa-Großaktionär Thiele besorgt sich frisches Geld

19.06.2020, 11:12 Uhr | fls, dpa

Lufthansa-Großaktionär Thiele besorgt sich frisches Geld – Staatsdeal in Gefahr?  . Eine Lufthansa-Maschine im Landeanflug: Die Airline braucht Milliarden Euro, damit sie nicht pleite geht. (Quelle: imago images)

Eine Lufthansa-Maschine im Landeanflug: Die Airline braucht Milliarden Euro, damit sie nicht pleite geht. (Quelle: imago images)

Damit die Staatsbeteiligung bei der Lufthansa klappt, müssen die Aktionäre der Airline zustimmen. Einer der schärfsten Kritiker des Deals besorgt sich jetzt weiteres Geld. Baut der Großaktionär seinen Einfluss aus?

Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele besorgt sich vor der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung zum Staatseinstieg frisches Geld. Die von ihm kontrollierte KB Holding teilte am Donnerstagabend mit, acht Millionen Aktien von Knorr-Bremse zu verkaufen. Der Ertrag der Transaktion solle der Unterstützung der anderen privaten Investments von Thiele dienen, hieß es in der Mitteilung.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am späten Donnerstagabend unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente, dass der Preis für die verkauften Papiere bei 91 Euro je Anteilschein liege. Der Erlös für Thiele beträgt damit mehr als 700 Millionen Euro. Der Schlusskurs der Knorr-Bremse-Aktie im Xetra-Hauptgeschäft lag bei 95,31 Euro.

Platzt die Staatsbeteiligung an der Lufthansa?

Der Vorgang ist deshalb bemerkenswert, weil er darauf hindeutet, dass der bekannte Milliardär weitere Lufthansa-Aktien kaufen könnte – und so noch mehr Einfluss auf der Hauptversammlung der Airline kommende Woche bekäme. Das wiederum könnte bedeuten, dass der Deal zwischen der Lufthansa und dem Bund, die geplante Staatsbeteiligung, umso mehr wackelt. Denn die Aktionäre müssen dem Einstieg des Staates zustimmen, Thiele gilt als Kritiker des Vorhabens.

Heinz Herrmann Thiele (Archivfoto): Der Milliardär ist der größte Einzelaktionär der Lufthansa. (Quelle: imago images)Heinz Herrmann Thiele (Archivfoto): Der Milliardär ist der größte Einzelaktionär der Lufthansa. (Quelle: imago images)

Erst am Dienstagabend war bekannt geworden, dass Thiele seinen Anteil an der Lufthansa kräftig auf 15 Prozent aufgestockt hatte. "Die Aufstockung ist kein Signal, auf der Hauptversammlung gegen irgendetwas zu stimmen", hatte Thiele der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gesagt.

Airline warnt vor Scheitern des Deals

Er kritisierte aber, dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht die mit dem Bund behandelten Alternativen zum Einsteig des Staates benannt habe. "Ich sehe aber jetzt eine Chance, das Thema noch einmal aufzumachen."

Der Konzern hatte daraufhin vor einem Scheitern des staatlichen Rettungspakets gewarnt. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung sei nicht ausgeschlossen, sollten die Aktionäre nicht zustimmen, hieß es. Die Fluggesellschaft befürchtet, dass Thiele angesichts der üblicherweise schwachen Präsenz von Aktionären auf Hauptsammlungen den Rettungsplan blockieren könnte.

Lufthansa bekommt neun Milliarden Euro

Der neun Milliarden Euro umfassende Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant.

Im Gegenzug für die Hilfe muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben. Spohr will den Anteilseignern zudem ein Sparkonzept präsentieren. Es drohen Stellenabbau und herbe Einschnitte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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