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Wirecard-Skandal: Rücktritt von Konzern-Chef Braun ist Folge seiner Arroganz


MEINUNGBilanzskandal  

Der Rücktritt von Wirecard-Chef Braun ist die Folge seiner Arroganz

22.06.2020, 09:46 Uhr
Wirecard-Skandal: Rücktritt von Konzern-Chef Braun ist Folge seiner Arroganz. Markus Braun, Ex-Vorstandschef bei Wirecard vor der Unternehmenszentrale (Fotomontage): Nach einem Bilanzskandal räumte der Manager mit sofortiger Wirkung seinen Posten. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Markus Braun, Ex-Vorstandschef bei Wirecard vor der Unternehmenszentrale (Fotomontage): Nach einem Bilanzskandal räumte der Manager mit sofortiger Wirkung seinen Posten. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Ein Ende mit Knall: Wirecard-Chef Markus Braun hat das Schiff zum Sinken gebracht – und verlässt es jetzt. Das ist konsequent, aber ebenso tragisch. Mehr Demut hätte ihm gutgetan.

Dass Markus Braun als Vorstandschef von Wirecard geht, hat schon fast etwas Poetisches – wenn es nicht gleichzeitig so unfassbar tragisch wäre. Fast 20 Jahre lang blieb der Manager dem Unternehmen verbunden, baute das einstige Nischen-Start-Up zu einem Großkonzern auf.

Den Höhepunkt markierte Wirecards Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga, den Dax, im Jahr 2018: Dass ausgerechnet für die halbstaatliche, in den MDax abgestiegene Commerzbank ein neuer, innovativer Zahlungsdienstleister kommen sollte, sahen viele Investoren als Meilenstein an, als Wendepunkt in der deutschen Finanzindustrie.

Was macht Wirecard eigentlich?
Viele Verbraucher wissen nicht, dass sie die Dienste von Wirecard in Anspruch nehmen. Wirecard ist ein Zahlungsdienstleister. Sein Hauptgeschäft: Der Konzern wickelt Kartenzahlungen sowohl an Ladenkassen als auch im Online-Geschäft ab. Als Kunden nennt Wirecard zum Beispiel die Airline KLM, den Haushaltsartikel-Spezialisten WMF oder den Paketdienst FedEx. Zudem bietet das Unternehmen Dienstleistungen rund ums Bezahlen an – dazu zählen auch Sicherheitsvorkehrungen gegen Betrugsversuche.

Doch jetzt steht Braun vor den Trümmern seines Unternehmens: Am Donnerstag gab Wirecard bekannt, den Jahresabschluss erneut zu verschieben. Grund sind knapp zwei Milliarden Euro, die auf irgendwelchen dubiosen Treuhandkonten am anderen Ende der Welt liegen sollen, aber – huch! – gar nicht dort sind.

Schon zuvor hatte das Unternehmen den Abschluss mehrfach verschoben, zum Ende des Berichtszeitraum, dem heutigen Freitag: Die Bilanz muss nun vorgelegt werden – sonst können Banken Kredite von mehr als zwei Milliarden Euro einfach abrufen. Für den Konzern würde das eine ordentliche Lücke in die Bilanz reißen.

Aktie des Unternehmens ist am Boden

Und was tat Wirecard? Schob die Verantwortung weg – sprach von einem "gigantischen" Betrug und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Die Gespräche mit den kreditgebenden Banken seien zwar konstruktiv, aber was heißt das schon?

Für die Aktie des Zahlungsabwicklers war das alles zu viel: Sie rauschte in den Keller. Das Wertpapier war zu Hochzeiten fast das Zehnfache wert, nur rund 20 Euro mussten Käufer zwischenzeitlich dafür berappen.

Doch nicht nur die Aktie ist am Boden. Das ganze Unternehmen steht vor dem Aus.

Hätte all das vermieden werden können? Mit Sicherheit. Denn schon seit einiger Zeit hat das Unternehmen mit Problemen zu kämpfen. Spätestens seitdem die britische "Financial Times" die Firma aus Aschheim bei München im vergangenen Jahr mit immer neuen Vorwürfen zu gefälschten Bilanzen überschüttete, befand sich Wirecard im Sinkflug.

Vorneweg auf diesem Ritt: Markus Braun, der einstige Macher, der frühere Innovator. Braun, so scheint es, ist der Ruhm, die Macht, zu Kopf gestiegen. Er war zu selbstsicher – zu arrogant.

Braun hätte mehr Demut zeigen müssen

Es darf nicht sein, dass ein Konzern bis kurz vor knapp seine Bilanzen verschiebt und so tut, als ob dies der Normalfall sei. Es kann auch nicht sein, dass plötzlich zwei Milliarden Euro einfach futsch sind, schon gar nicht bei einem Dax-Konzern.

Zwar muss man fairerweise sagen: Auch die Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer haben offenbar versagt – und Brauns Treiben keinen Riegel vorgeschoben, ihm damit gar den Rücken gestärkt.

Doch letztlich ist es der Chef selbst, der für sein Versagen geradestehen muss. Wirecard habe ein exzellentes Geschäftsmodell für eine große Zukunft, so Braun. Diese wolle er nicht belasten – und geht deswegen. Mit diesen Worten zeigt Braun das erste Mal in seiner Karriere etwas Demut. Demut, die ihm schon vor einigen Jahren gutgetan hätte. Doch jetzt ist es zu spät dazu. Denn groß ist die Zukunft von Wirecard ganz und gar nicht mehr.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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