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Wirecard: Das sind die zehn größten Aktienabstürze der Dax-Geschichte


Wirecard viermal dabei  

Das sind die zehn größten Aktienabstürze der Dax-Geschichte

22.06.2020, 13:07 Uhr | dpa-AFX

Wirecard: Das sind die zehn größten Aktienabstürze der Dax-Geschichte. Im Sinkflug: Die Aktie von Wirecard ist auf der Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse unter den Dax-30-Werten mit dem Kürzel WDI (unten) gelistet. (Quelle: dpa/Arne Dedert)

Im Sinkflug: Die Aktie von Wirecard ist auf der Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse unter den Dax-30-Werten mit dem Kürzel WDI (unten) gelistet. (Quelle: Arne Dedert/dpa)

Wirecard wird zum traurigen Spitzenreiter: Kein Unternehmen ist in den Top Ten der größten Kursverluste so oft vertreten wie der Münchner Zahlungsdienstleister. Doch welche Konzerne sind die anderen Absturz-Firmen? 

Der Kursabsturz der Wirecard-Aktie WIRECARD AG Aktie in den vergangenen Tagen ist im Dax DAX Index so gut wie einmalig. Allenfalls die Entwicklung des in der Finanz- und Wirtschaftskrise verstaatlichten Immobilienfinanziers Hypo Real Estate im Herbst 2008 hält einem Vergleich stand. Beide Werte dominieren die Liste der zehn größten Tagesverluste im deutschen Leitindex.

So war der 62-prozentige Kursabsturz der Wirecard-Aktie am Donnerstag der zweitgrößte Tagesverlust eines Dax-Titels in der fast 32-jährigen Geschichte des deutschen Leitindex. Grund waren milliardenschwere Löcher in der Bilanz, wegen derer der Konzern die Vorlage des Jahresabschlusses für 2019 quasi in letzter Minute ein weiteres Mal verschieben musste.

Aktie rutscht um weitere 50 Prozent ab

Am Freitag knüpfte das Papier wegen Sorgen um die Finanzkraft und Zukunft des Unternehmens mit einem Minus von 35 Prozent nahtlos an die Verluste vom Donnerstag an – daran konnte auch der Rücktritt des Konzernchefs Markus Braun, der zudem sieben Prozent der Aktien hält, nichts ändern. Über zwei Tage gesehen summieren sich die Verluste damit auf 75 Prozent.

Und am Montag setzte sich der Kursverlust weiter fort, nachdem der Konzern eingestehen musste, dass die Treuhandkonten, auf denen die 1,9 Milliarden Euro liegen sollten, wahrscheinlich nicht existieren. In den ersten Handelsminuten sackte die Aktie um weitere 50 Prozent ab.

Nur die Hypo Real Estate mit größeren Verlusten

Umgerechnet in absolute Werte bedeutet dies, dass die Marktkapitalisierung um mehr als elf Milliarden Euro auf nur noch 1,6 Milliarden abrutschte. Damit droht auch der Rauswurf aus dem Dax, in den das Papier erst im September 2018 aufgenommen worden war. Damals war Wirecard mit einer Marktkapitalisierung von fast 25 Milliarden Euro wertvoller als die Deutsche Bank DEUTSCHE BANK AG NA O.N. Aktie.

Mit dem abermals hohen Tagesverlust trug sich die Wirecard-Aktie zum vierten Mal in die Liste der zehn größten Tagesverluste von Dax-Titeln ein. Wirecard belegt jetzt die Ränge zwei, sieben, neun und zehn. Spitzenreiter ist die in der Finanzkrise verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE). Der Finanzier von gewerblichen Immobilien ist insgesamt drei Mal in den Top Ten vertreten.

  1. Hypo Real Estate: - 73,9 Prozent, am 29. September 2008. Grund: Staatliches Rettungspaket infolge Liquiditätsengpässen in der Finanzkrise. Die Bank wurde inzwischen aufgelöst. Die milliardenschweren Risiken hat der Staat übernommen, das operative Geschäft wird größtenteils von der inzwischen wieder an der Börse notierten Deutschen Pfandbriefbank PBB weitergeführt. Inzwischen rutschten die Pfandbriefbank-Papiere auch aus dem Index mittelgroßer Werte MDax und verlieren damit weiter an Bedeutung.
  2. Wirecard: - 61,8 Prozent, am 18. Juni 2020. Grund: Bilanzierungsprobleme, die zur erneuten Verschiebung der Zahlenvorlage führten und damit zum endgültigen Vertrauensverlust an der Börse.
  3. MLP MLP SE  INH. O.N. Aktie: - 48,7 Prozent am 2. August 2002. Grund: Gewinnwarnung. Verdacht auf Bilanzmanipulation, der sich allerdings nie erhärtete. Das Unternehmen gibt es immer noch. Es spielt aber am Aktienmarkt keine große Rolle mehr.
  4. VW-Stammaktie VOLKSWAGEN AG ST O.N. Aktie: - 45,3 Prozent am 29. Oktober 2008. Grund: Geplatzte Blase infolge eines rasanten Kursanstiegs der Tage zuvor, der von fehlgeleiteten Spekulationen auf Kursverluste der Aktie ausgelöst worden war. Die beispiellosen Kurskapriolen der VW-Stammaktie Ende Oktober 2008 führten dazu, dass die Deutsche Börse die Gewichtung einer Aktie im Dax auf maximal zehn Prozent beschränkte. Da der Streubesitz der VW-Stammaktie inzwischen zu gering ist, ist die VW-Vorzugsaktie im Dax gelistet.
  5. Infineon INFINEON TECH.AG NA O.N. Aktie: - 39,6 Prozent, am 3. Dezember 2008. Grund: Schwache Zahlen, schwacher Ausblick sowie stark angeschlagene Situation des Halbleiterherstellers. Die Aktie des Unternehmens war zwischenzeitlich ein sogenannter Pennystock, kostete also weniger als 1 Euro. Das Papier flog auch zeitweise aus dem Dax, hat aber die Wende geschafft. Der Kurs lag zuletzt bei rund 20 Euro – damit ist der Konzern an der Börse rund 27 Milliarden Euro wert.
  6. Hypo Real Estate: - 37,4 Prozent, am 6. Oktober 2008. Grund: Weiteres staatliches Rettungspaket, das nur eine Woche nach dem 74-prozentigen Absturz zu einem weiteren drastischen Wertverlust der Aktie führte.
  7. Wirecard: - 35,3 Prozent, am 19. Juni 2020. Grund: Sorgen über die Finanzlage und Zukunftsfähigkeit des Konzerns – unter anderem, weil die Banken wegen der immer noch fehlenden Bilanz für 2019 Kreditlinien kündigen können.
  8. Hypo Real Estate: - 35,2 Prozent, am 15. Januar 2008. Grund: Die Hypo Real Estate hatte bereits vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der dann endgültig zur Finanz- und Weltwirtschaftskrise führte, große Probleme. So schockierte der damalige HRE-Chef Georg Funke bereits Mitte Januar 2008 die Märkte mit einer Abschreibung auf Wertpapiere in den USA.
  9. Wirecard: - 26,1 Prozent, am 28. April 2020. Grund: Der erhoffte Befreiungsschlag durch die von dem Unternehmen beauftragte Sonderprüfung der Bilanz blieb nicht nur aus – er wurde zum Bumerang. Analysten kritisierten mit Blick auf den Bericht des Wirtschaftsprüfers KPMG, dass wesentliche Fragen nach wie vor ungeklärt seien.
  10. Wirecard: - 25,0 Prozent, am 1. Februar 2019. Grund: Bericht der britischen Zeitung "Financial Times" über fragwürdige Geschäfte eines Ablegers des Unternehmens in Singapur. Die in dem Bericht genannten Vorwürfe hatte Wirecard immer bestritten, waren und sind jetzt aber ein Teil der aktuellen Bilanzierungsprobleme.
Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-AFX

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